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	<title>DenkReiz &#187; Bankenrettung</title>
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	<description>Politisches Blog über Deutschland, Europa und die Welt</description>
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		<title>Fundstücke</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 00:40:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Noch-Verteidigungsminister Jung besetzt Richteramt nach Gutdünken. Beim Gericht handelt es sich um den Wehrdienstsenat in Leipzig, der sich mit Bundeswehr-Angelegenheiten befasst. Jung passte der ursprünglich bestimmte Kandidat nicht, schmiss ihn kurzerhand aus dem Rennen und setzte dem Gericht seinen eigenen Kandidaten vor. Anscheinend will er nicht nur von Krieg nichts wissen und sabbelt von &#8220;Stabilisierungseinsatz&#8221;, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch-Verteidigungsminister <a href="http://www.fr-online.de/_em_cms/_globals/print.php?em_ssc=MSwwLDEsMCwxLDAsMSww&amp;em_cnt=1991870&amp;em_loc=1775&amp;em_ref=/in_und_ausland/politik/meinung/&amp;em_ivw=fr_meinung">Jung besetzt Richteramt nach Gutdünken</a>. Beim Gericht handelt es sich um den Wehrdienstsenat in Leipzig, der sich mit Bundeswehr-Angelegenheiten befasst. Jung passte der ursprünglich bestimmte Kandidat nicht, schmiss ihn kurzerhand aus dem Rennen und setzte dem Gericht seinen eigenen Kandidaten vor. Anscheinend will er nicht nur von Krieg nichts wissen und sabbelt von &#8220;Stabilisierungseinsatz&#8221;, sondern hat von Gewaltenteilung auch noch nie was gehört. Ein lupenreiner Demokrat, würde ich sagen.</p>
<p><a href="http://www.daten-speicherung.de/index.php/bundesinnenministerium-plant-hochgeruesteten-sicherheitstaat/">Schäubles Wunschliste</a> kann man nun nachlesen. Da wären der Stasi die Hosen feucht geworden. Um nur mal ein paar &#8220;Goodies&#8221; zu nennen:</p>
<ul>
<li>Anbringen von Kameras in der Wohnung von Verdächtigen &#8211; Der passende Große Spähangriff zum Großen Lauschangriff.</li>
<li>DNA-Probe von allen erkennungsdienstlich behandelten &#8211; das wäre auch bei Verkehrskontrollen.</li>
<li>Betreten jeder Wohnung ohne Kenntnis des Inhabers, um Bundestrojaner zu installieren.</li>
<li>Bundeswehr im Inneren</li>
</ul>
<p>Es gibt da noch viel mehr zu entdecken&#8230; am besten nüchtern draufklicken, sonst kommt&#8217;s einem hoch.</p>
<p>Was sich politisch auf dem europäischen Arbeitsmarkt so tut, könnt ihr <a href="http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=3191">hier</a> nachlesen. Um nur mal das Herkunftslandprinzip herauszuheben: In jedem Land in Europa existieren (seit 2006) 27 Rechtsordnungen. Das liegt daran, dass jeder, egal wo er in Europa arbeitet, dies nach den Gesetzen seines Heimatlandes tun kann. Bis Ende 2009 muss jedes Land die Bolkestein- bzw. Dienstleistungsrichtlinie in nationale Gesetzgebung umsetzen. Dort drin befindet sich genau jener Passus (der sich übrigens auch im Vertrag von Lissabon verklausuliert findet). Als um 2005 herum die Arbeitnehmer Wind von der Sache bekamen, gab es riesige Proteste, die dann einerseits zur Verbesserung der Richtlinie führten (allerdings nicht das Herkunftslandprinzip wirklich kürzten), andererseits auch die Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden negativ ausgehen ließen. Für Leute, die sich für die die kommunikationspolitischen Hintergründe interessieren, habe ich mal meine <a href="http://denkreiz.de/wp-content/uploads/Seminararbeit_EU_Transparenz_Kommunikation.pdf">Seminararbeit</a> hochgeladen. Wer sich eher für die rechtliche Seite interessiert, möge sich die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=qWZbEKjcd1M">Rede von Herrn Schachtschneider</a> anhören.</p>
<p>Dass die Nutzung von Medikamenten Erreger nach einiger Zeit immun machen, ist jedem bekannt. Bei <a href="http://www.wired.com/wiredscience/2009/09/drug-resistant-influenza/">Tamiflu</a> wird die Immunisierung allerdings noch gehörig beschleunigt: Da es nicht abbaubar ist, gelangt es über&#8217;s Abwasser in die Flüsse, wo sich dann wiederum Erreger immunisieren können. Vögel und andere Tiere trinken dann dieses Wasser und übertragen H1N1 dann auf den Menschen. Klingt nach vielen Ecken, ist laut den Wissenschaftlern aber gar nicht so unwahrscheinlich, v.a. wenn Tamiflu bald flächendeckend eingesetzt wird.</p>
<p>Noch was zum <a href="http://www.woz.ch/dossier/Kapitalismus/18312.html">Hochsteuerland bzw. Steuerparadies Deutschland</a>. Wer lohnabhängig ist, hat hierzulande verschissen. Der Rest lässt es sich auf Kosten des Pöbels gutgehen. Der Artikel beschreibt auch die Verelendung, die mit der Agenda 2010 angestoßen wurde. Jetzt mit Schwarz-Gelb und der Finanzkrise könnte der Todesstoß für die sozialen Sicherungssysteme kommen. Die Wahlkampfspenden und Forderungskataloge der Arbeitgeber deuten schon darauf hin. Würde Schwarz-Gelb zwar möglicherweise 2013 die Regierung kosten, aber was tut man nicht alles für gute Freunde.</p>
<p>Das <a href="http://terrorexperte.blogspot.com/2009/09/aus-den-fehlern-gelernt-fbi-prapariert.html">FBI hatte die Attentäter des WTC Bombing 1993 unterwandert</a> &#8211; und tat trotz der Informationen über konkrete Pläne nichts, um sie zu verhindern. Ausrede mal wieder: Inkompetenz. Na, das kennen wir ja schon von 9/11.</p>
<p>Diesmal recht gut belegt: <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/1920852_Skandaloese-Hinrichtung-Fatale-Fehler-der-Sachverstaendigen.html">Todesstrafe</a> trifft manchmal die falschen. Ob die Richter da jemals belangt werden?</p>
<p>Ein kleiner Ausschnitt der Außenpolitik, die wir von der FDP erwarten dürfen: Die FDP-nahe <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Honduras-FDP;art123,2872372?_FRAME=33&amp;_FORMAT=PRINT">Friedrich-Naumann-Stiftung findet den Putsch in Honduras gut</a>. Menschenrechte sind ihr dagegen wohl <a href="http://www.radio-utopie.de/2009/08/22/verletzungen-der-menschenrechte-in-honduras-offiziell/#more-5271">nicht so wichtig</a>. Ist natürlich schon kriminell, wenn ein Präsident sein Volk befragt. Dann schon lieber die europäische Methode: Selbst bei Verfassungsänderung nicht fragen oder so lange fragen, bis das Volk endlich &#8220;Ja&#8221; sagt.</p>
<p>So geht die Pharmamafia vor: <a href="http://www.gesundheitlicheaufklaerung.de/pharmakonzern-pfizer-zahlt-75-millionen-entschaedigung">Pfizer hat Menschen als Versuchskaninchen zum Testen von Medikamenten benutzt</a>. Dabei starben 11 von 200 Kindern. Den Eltern wurde dann gesagt, es wäre an anderen Dingen gelegen. Vor kurzem kam es dann raus &#8211; jetzt müssen sie 75 Millionen Dollar Entschädigung zahlen. Merkt euch das schon mal für die Schweinegrippe. In den USA haben sie schon die Konsequenzen gezogen: Jegliche Nebenwirkungen von Schweinegrippe-Impfungen sind in den USA straffrei. Da fühlt man sich gleich richtig sicher.</p>
<p><a href="http://www.bernerzeitung.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Zig-Milliarden-Staatshilfe-landeten-im-Portemonnaie-der-Banker/story/29578563">Ein Fünftel der US-Bankenhilfen landete in den Taschen der Manager</a>. Man weiß gar nicht, was einen mehr ärgern soll &#8211; die schamlose Selbstbedienungsmentalität oder das phlegmatische Schweigen der Steuerzahler. Gegen den wuchernden und mittlerweile parasitären Finanzmarktsektor wird nichts getan, insofern dürfen sich die Bankster bestätigt fühlen. <a href="http://www.sueddeutsche.de/finanzen/79/482534/text/">Prantl hat das vor 2 Monaten schon begriffen</a>. Mal schaun, ob es der deutsche Michel vor der nächsten Krise checkt.</p>
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		<title>Menetekel HRE</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Sep 2009 23:37:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Finanzwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Korruption]]></category>
		<category><![CDATA[Banken]]></category>
		<category><![CDATA[Bankenrettung]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Viel ist inzwischen geschrieben worden über die HRE. Systemrelevant sei sie, keiner hätte ihren tiefen Fall geahnt und man müsse sie retten, sonst wäre die Finanzwelt am Ende. Selten wurde am Automatismus der Bankenrettung gezweifelt und gerade beim Thema HRE herrschte traute Einigkeit. In diesen Tagen stand Steinbrück vorm Untersuchungsausschuss und wiederholte die angebliche Unausweichlichkeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viel ist inzwischen geschrieben worden über die HRE. Systemrelevant sei sie, keiner hätte ihren tiefen Fall geahnt und man müsse sie retten, sonst wäre die Finanzwelt am Ende. Selten wurde am Automatismus der Bankenrettung gezweifelt und gerade beim Thema HRE herrschte traute Einigkeit. In diesen Tagen stand Steinbrück vorm Untersuchungsausschuss und wiederholte die angebliche Unausweichlichkeit aller getroffenen Entscheidungen und betonte, von der Krise überrascht worden zu sein. Doch war es wirklich so?</p>
<p><span id="more-60"></span></p>
<p>Um der Sache auf den Grund zu gehen, müssen wir bis ins Jahr 2003 zurückschauen. Die regierende Koalition aus SPD und Grünen hatte bis dahin zahlreiche Gesetze auf den Weg gebracht, die Banken und anderen Finanzakteuren (Private Equity und Hedge-Fonds beispielsweise, aber auch Großunternehmen) von Steuern weitgehend freistellte und freie Hand bei riskanten Deals ließ (<a href="http://www.zeit.de/2005/37/Steuern?page=1">hier eine Zusammenfassung</a>). Das Vierte Finanzmarktförderungsgesetz, das Ende 2001 beschlossen wurde, erlaubte den Derivatehandel im Immobilienmarkt und stellte den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen steuerfrei. Beide Maßnahmen sind Hauptgründe der heutigen Krise. Der makroökonomische Selbstmord eines Steuerausfalls in Milliardenhöhe und eines beispiellosen Moral Hazards wurde (zumindest der Öffentlichkeit) nicht sofort deutlich, sondern manifestiert sich erst in diesen Tagen sichtbar für alle. In den Folgejahren der Reformen wurde durch die Hartz-Gesetze und sinkende Löhne die Finanzierung der Casino-Party dem Gros der Bevölkerung auferlegt und somit kaschiert. Es hatte wohl keiner damit gerechnet, dass die SPD &#8211; einst Arbeiterpartei mit sozialem Herz &#8211; eine solch asoziale Politik umsetzen würde. Man glaubte den Phrasendreschern, die von der unsichtbaren Hand des Marktes sprachen, von dem frischen Kapital, das durch die Fonds den Unternehmen zugeführt würde und von &#8220;Sachzwängen&#8221;, die eine andere Politik nicht erlauben würden.</p>
<p>Just in dieser Zeit also, genauer im Februar 2003, kam es zu einem Treffen der Bankenchefs mit der Bundesregierung. Thema: Die Gründung einer Bad Bank. Das <a href="http://www.handelsblatt.com/archiv/bad-bank-sorgt-fuer-aufregung;606003">Handelsblatt</a> und die FASZ berichteten damals. Bemerkenswert ist, dass damals schon die üblichen Verdächtigen benannt wurden: Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank, Commerzbank und Dresdner Bank. Außerdem wurden über die KfW Verbriefungen ermöglicht, um die Bankbilanzen zu entlasten. Der Verdacht liegt nahe, dass der damalige Umfang an Ausfallsrisiken seinen Weg über die Verbriefungen zur IKB fand. Noch im selben Jahr gründete die Hypo-Vereinsbank im Rahmen der Fusion mit der Unicredit die Hypo Real Estate. Für die nächsten 5 Jahre würde die HRE als Tochter der fusionierten Hypo-Vereinsbank fungieren, danach wäre sie formell ein Institut auf eigenen Beinen. Schon damals war nicht nur den Beteiligten klar, dass die HRE die erste Bad Bank auf deutschem Boden war. Die Hypo erleichterte sich durch diesen Schachzug von notleidenden Immobilienkrediten, die durch Zockerei v.a. in Osteuropa entstanden waren. Anfangs lief diese Strategie noch sehr gut, da sich der Weltmarkt erholte und risikoreiche Deals mit Subprime-Krediten stark zunahmen. Die HRE schrieb trotz schwacher Substanz <a href="http://boerse.ard.de/content.jsp?go=meldung&amp;key=dokument_105268">schwarze Zahlen</a>. Dies hing nicht zuletzt auch mit der Liquiditätslinie zusammen, die ihr das Mutterunternehmen bereitstellte. Wer die <a href="http://www.hyporealestate.com/pdf/Boersenzulassungsprospekt_dt.pdf">Börsenzulassung der HRE</a> durchliest, erkennt schon, wohin die Reise gehen sollte. Niemand schien sich allerdings für die toxischen Lasten zu interessieren, die die HRE hortete. Man wollte die Party feiern, so lange es ging.</p>
<p>Während die Hypo die HRE auslagerte, wollte die Allianz ihre Tochter Dresdner Bank loswerden und fand später schließlich mit der Commerzbank einen Käufer. Da beide Institute &#8211; wie bereits beschrieben &#8211; mit notleidenden Krediten zu kämpfen hatten und sich im finanziellen Höhenflug vor der Krise kaum wieder aufrichteten, muss diese Fusion doch verwundern. Weniger erstaunlich ist, dass die Commerzbank wegen der Einverleibung der Dresdner Bank und ihren eigenen Problemen in der jetzigen Krise ins Schleudern geriet und schlussendlich mit 18,2 Milliarden Euro vom Staat gestützt werden musste. Die Deutsche Bank hielt sich wohl dadurch schadlos, dass sie riskante Verbriefungen an HRE und Dresdner veräußerte.</p>
<p>Im Jahr 2004 schließlich brachte die Regierung das sog. Investmentmodernisierungsgesetz auf den Weg, das von nun an Hedge-Fonds in Deutschland zuließ. Die für riskante Deals berüchtigten Fonds sorgten durch ihre damals erfolgreiche Zockerei auch bei anderen Instituten für wahnwitzige Renditevorstellungen. Das Risikobewusstsein verschwand zusehends. Die Zulassung von Hedge-Fonds führte außerdem in Kombination mit der zuvor beschlossenen steuerfreien Veräußerung von Unternehmensbeteiligungen zur Spielerei mit damals noch soliden Firmen, darunter Traditionsunternehmen wie Märklin, Hertie, Karstadt und Quelle, die heute am Rand oder bereits jenseits der Pleite sind.</p>
<p>Sowohl durch Rot-Grün und in der Folge auch der Großen Koalition wurde der Verbriefungsmarkt massiv gefördert. Eine direkte Folge davon ist die desolate Lage der Landesbanken, die sich damals auf die angepriesenen ABS (Asset Backed Securities) stürzten und deswegen heute tief in den roten Zahlen stecken. Hierzu meinte <a href="http://www.hintergrund.de/20090828479/wirtschaft/inland/manager-im-ministerium.html">im Jahr 2004 Jörg Asmussen</a>, heute Staatssekretär im Finanzministerium: „Seitens des BMF (Bundesfinanzminsterium) wird im Umsetzungsprozess der Basel II-Regeln für ABS vor allem auch<em> darauf geachtet werden, dass den Instituten keine unnötigen Prüf- und Dokumentationspflichten entstehen werden</em>, wenn sie in gängige ABS-Produkte mit gutem Rating investieren.“ Im selben Jahr betätigte er sich als Gründungsmitglied der True Sale International GmbH (TSI), einer Lobbyorganisation der Bankenbranche (dabei waren u.a. KfW, Citigroup, Bayerische Landesbank, Commerzbank, HSH Nordbank, WestLB und Deutsche Bank). Ziel war die Förderung des deutschen ABS-Marktes. Die Regierung spielte eifrig mit und stellte die zwischengeschalteten Zweckgesellschaften von Gewerbe- und Umsatzsteuer frei. Noch dazu durfte in <a href="http://www.zeit.de/2004/25/Asmussen">Asmussens Team</a> im Ministerium ein Vertreter der Deutschen Bank mitarbeiten. Asmussen sitzt heutzutage übrigens im von Merkel einberufenen Expertengremium, das Vorschläge für eine Neugliederung der Finanzmärkte erarbeiten soll. Wer solche Kanzler hat, braucht keine Feinde mehr.</p>
<p>Durch all diese Reformen wurde es Banken schließlich möglich, Risiken so zu vertuschen, dass sie von außen nicht mehr (und von innen wohl auch nur schwer) wahrnehmbar waren. Das wurde später in der Finanzkrise der deutschen Regierung zum Verhängnis, da nicht feststellbar war, wieviel Steuergeld man für die Rettung der HRE aufwenden muss. Somit musste man dann immer wieder Geld nachschießen und die HRE wurde zum Schwarzen Loch.</p>
<p>Bleiben wir bei der HRE. Wir kommen ins Jahr 2007. Die Subprime-Krise nimmt langsam ihren Anfang in den USA. Auf dem <a href="http://denkreiz.de/10/vortrag-von-jean-claude-trichet-ezb/">Interbankenmarkt schwindet das Vertrauen</a>, die Zinssätze ziehen an. Schon jetzt erhält die HRE keine Kredite mehr von anderen Banken; die Refinanzierung übernimmt der Staat (<a href="http://wittlicher-stimme.blog.volksfreund.de/2009/02/06/die-hypo-real-estate-ist-bereits-eine-bad-bank/">Quelle</a>). Im Juli übernimmt die HRE <a href="http://www.fazfinance.net/Aktuell/Die-Luecken-im-Boersenprospekt-der-Hypo-Real-Estate-7290.faz">unter wohlwollender Aufsicht der Investmentbank Morgan Stanley</a> die Depfa, eines der größten Institute auf dem Pfandbriefmarkt. Der Kaufpreis wird von allen Analysten als zu hoch angesehen. Außerdem <a href="http://www.sueddeutsche.de/finanzen/900/312811/text/">leidet die Depfa</a> zum damaligen Zeit schon selbst unter den schwierigeren Bedingungen auf dem Interbankenmarkt, den sie zur Refinanzierung benötigt. Die <a href="http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EEA6AD048376342199F9CDA3ABE6ED6F8~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a> notiert: &#8220;Operativ geriet die Depfa ab dem Jahr 2005 immer stärker in Schwierigkeiten. Allein im Geschäftsjahr 2006 resultierten 60 Prozent der Gesamterträge aus dem Griff in die Schatztruhe, also aus dem Verkauf alter Anleihebestände. Bruckermann brauchte einen starken Partner, den er im Juli 2007 in HRE-Chef Funke fand. Die riskante Refinanzierung der Depfa war schon zu diesem Zeitpunkt kein Geheimnis. Denn Funke verglich vor Analysten die Depfa-Kapitalmarktsparte mit dem Spielcasino Monte Carlo.&#8221; Am Deal verdiente der alte Chef der Depfa ca. 100 Millionen Euro. Der Geschäftsbericht 2007 weißt schließlich eine Liquiditätslücke von <a href="http://www.fazfinance.net/Aktuell/Die-Luecken-im-Boersenprospekt-der-Hypo-Real-Estate-7290.faz">insgesamt 103,5 Milliarden Euro</a> auf! Ein irrer Schritt also von der eh schon als Bad Bank konzipierten HRE, sich so einen faulen Fisch zu angeln, aber durchaus auch ein perfider. Denn durch die Akqusition der Depfa wurde sie zu einem großen Player auf dem Gebiet der Staatsfinanzierung. Wenn der Staat im Falle einer Krise die HRE fallen ließe, würde wahrscheinlich der Pfandbriefmarkt kollabieren &#8211; die HRE war also fortan &#8220;systemrelevant&#8221;.</p>
<p>Das Jahr 2008 begann verheerend: Am 15. Januar überraschte die HRE mit einer außerordentlichen <a href="http://www.handelsblatt.com/finanzen/adhoc/hypo-real-estate-holding-ag%3B1377442">Abschreibung von über 390 Mio. Euro auf CDOs</a> (Collateralized Debt Obligations, neben ABS einer der Hauptursachen der Krise) auf dem US-Markt, wo die Subprime-Krise nun immer mehr Fuß fasste. Die Bankenaufsicht nahm dies zum Anlass, die HRE-Tochter Depfa zu prüfen. Überhaupt möglich war die Prüfung der in Irland ansässigen Depfa durch ein Abkommen von Deutschland und Irland. Allerdings &#8211; und das ist der Clou &#8211; konnte nicht wirklich geprüft werden, da gesetzlich eine Prüfung der Liquidität ausgeschlossen war! Dies steht in direkter Verbindung zu obigen Zitaten, die belegen, dass eine derartige Aufsicht von der Regierung gar nicht gewünscht war. Trotz Aufforderungen der Aufsicht Jahre zuvor war die Regierung den Bitten nicht nachgekommen und besserte erst im Februar 2009 nach &#8211; viel zu spät. Außerdem schrieb<a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=4142#more-4142"> im Januar Jochen Sanio</a> von der Finanzaufsicht (BaFin) an den damaligen Finanzstaatssekretär Thomas Mirow und dessen Abteilungsleiter Jörg Asmussen: „Die Befragung des Vorstandes führte zur Aufdeckung von Sachverhalten, die der Vorstand bisher nicht andeutungsweise aufgedeckt hatte“, und betont „eine möglicherweise erschreckende Größenordnung“ und kommt zudem Schluss, „die Glaubwürdigkeit der HRE” sei “vernichtet“. Vor dem Ausschuss sagt Sanio im Gegensatz zu Asmussen, die Lage bei der HRE bereits im Januar 2008 „existenzbedrohend“ gewesen.<em> </em>Am 27. Juni schließlich erreichte der Abschlussbericht der vorgenommenen Prüfung die BaFin (und am 18. August das Finanzministerium) und kam trotz der Widrigkeiten zum alarmierenden Schluss, dass die HRE insolvent wäre, wenn die kurzfristigen Refinanzierungsgeschäfte der Depfa wegbrechen würden &#8211; schon zu damaliger Zeit ein durchaus wahrscheinliches Szenario. Das Finanzministerium behauptet bis heute, der Sachbearbeiter hätte den Bericht nicht weitergeleitet. Selten hat eine Ausrede so viel Geld gekostet.</p>
<p>Nun nahm das Unheil vollends seinen Lauf. Am letzten Wochenende im September 2008 war die Schieflage der HRE nicht mehr zu kaschieren. Ein Gremium wurde einberufen, bestehend aus Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, Martin Blessing von der Commerzbank, Josef Ackermann von der Deutschen Bank und Klaus-Peter Müller vom Bundesverband deutscher Banken. Noch heute rühmen sich Asmussen und Steinbrück dafür, die Einigung bis Sonntag hinausgeschoben zu haben, um die anderen Teilnehmer unter Druck zu setzen. Diese hatten Angst, dass beim Start der Börse am Montag in Tokio die HRE auf dem Parkett zerfleischt werden würde und dadurch die Krise endgültig zur Katastrophe führen würde. Diese Taktik hat allerdings einen beträchtlichen Haken, der allen Beteiligten klar gewesen sein muss: Die Haftung der Unicredit (also der alten Hypo-Vereinsbank) für die HRE lief am Sonntag, 29. September 2008, aus. Zuvor hätte die deutsche Regierungen Ansprüche an die Hypo gehabt (siehe Börsenzulassung, Gläubigerschutz, S. 23f). Steinbrück warf also wissentlich Milliarden aus dem Fenster&#8230;</p>
<p>Aus den anfänglichen 30 Milliarden wurden schnell 50 Milliarden, die der Steuerzahler für die HRE dank Regierung berappen musste. Heute beläuft sich die Summe auf mindestens 102 Milliarden Euro. All dies hätte verhindert werden können, wie durch meine Ausführungen deutlich wurde. Schon zu Zeiten der infamen rot-grünen Reformen haben viele gewarnt. Ab 2003 wurden die Schieflagen mehrerer Banken deutlich. Ab 2005 waren bei der Depfa Engpässe erkennbar. Der Kauf 2007 hätte also verhindert werden müssen &#8211; nicht nur von den Aktionären (zu denen auch der Bund mit 10% Anteil gehörte), sondern auch von Seiten der Politik, um drohenden Schaden von Deutschland abzuwenden. Hier liegt eine Verletzung des Amtseids vor, die eigentlich Konsequenzen haben müsste. 2007 deuteten sich bei der HRE schon Schwierigkeiten an, die spätestens Ende des Jahres offensichtlich wurden und 2008 schließlich an die breite Öffentlichkeit drangen. Nur weil die Regierung schlief oder absichtlich wegschaute, wurde hier aus einem mittelschweren Schiffbruch eine finanzielle Katastrophe. Der krönende Abschluss war das lange Abwarten bis zum Ablauf der Haftung durch die Unicredit. Die Lehman-Pleite, die so oft als Grund angeführt wird, hat mit der Sache herzlich wenig zu tun. <a href="http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:kolumne-lucas-zeise-eine-erpressungsnummer/50003644.html?mode=print">Sowohl Lehman als auch die HRE sind und waren nicht systemrelevant</a>. Das ganze ist, wie Lucas Zeise in der Financial Times richtig schreibt, eine reine Erpressungsnummer.</p>
<p>Lange war die HRE das Menetekel der kommenden Krise, deutliches Vorzeichen drohenden Unheils, doch niemand wollte hinsehen trotz der Warnungen. Nun ist die Bombe mit voller Wucht eingeschlagen, wobei der Schaden allein auf Seiten des Steuerzahlers liegt. Dies geschah mit grober Fahrlässigkeit, wenn nicht gar Absicht, seitens der Regierung. Dies ist nicht nur wegen des Amtseids völlig inakzeptabel und müsste, wenn dieses Land ein Rechtsstaat wäre, zu völlig anderen Ergebnissen führen. Die Täter und Mitwisser müssten gerichtlich belangt werden, die politischen Verfehlungen zurückgenommen werden, die too-big-to-fail Banken zurechtgestutzt werden und der ganze Zocker-Sumpf ausgetrocknet werden. Da sich in dieser Bananenrepublik aber Parasiten und eklatante Versager unter tätiger Mithilfe der Politik schamlos bereichern können und der Wähler dumm gehalten wird bzw. in selbstverschuldeter Unmündigkeit verweilt, ist mit einer Besserung nicht zu rechnen. Anscheinend ist den deutschen Kälbern die Wahl ihres Schlächters lieber als ein Wechsel zu verantwortungsvoller Politik.</p>
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		<title>Vortrag von Jean-Claude Trichet (EZB)</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jul 2009 23:45:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Am Montag war ich Gasthörer bei einem Vortrag von Trichet, dem Chef der Europäischen Zentralbank, an der LMU. Trotz allen Selbstlobs war die Veranstaltung sehr interessant, da zwischen den Zeilen auch Überzeugungen durchblitzten und manch Detail wohl absichtlich nicht erwähnt wurde.</p>
<p>Anfangs sprach Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut über die Erfolgsgeschichte des Euro und merkte an, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Montag war ich Gasthörer bei einem Vortrag von Trichet, dem Chef der Europäischen Zentralbank, an der LMU. Trotz allen Selbstlobs war die Veranstaltung sehr interessant, da zwischen den Zeilen auch Überzeugungen durchblitzten und manch Detail wohl absichtlich nicht erwähnt wurde.<span id="more-10"></span></p>
<p>Anfangs sprach Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut über die Erfolgsgeschichte des Euro und merkte an, dass die Euro-Inflation niedriger als die DM-Inflation sei. Das ist nach meiner Recherche korrekt. Er lässt natürlich die Berechnung der Inflation wohlweislich außen vor, denn die ist durchaus fragwürdig. Seine kritischen Anmerkungen zur Wirtschaftskrise und deren Gründe sollten wohl seine Wandlung vom Saulus zum Paulus unterstreichen, aber das kann ihm keiner abnehmen, der seine alten Aussagen kennt.</p>
<p>Anschließend ging Marc Beise von der Süddeutschen Zeitung (dort Leiter des Wirtschaftsressorts) ans Rednerpult. Sein kurzer Vortrag wäre nicht erwähnenswert, wenn ich mich nicht gewundert hätte, wieso er zu den Studenten in Deutsch redete und dann Teile für Trichet nochmal in Englisch übersetzte. Sein Englisch war dabei so grauenhaft und gestammelt, dass der werte Jean-Claude wenig davon verstanden haben dürfte. Beises Bemühungen hatten schon fast komödiantischen Charakter. Ein zuvor übersetzter englischer Text hätte ihm die Peinlichkeit sicher erspart.</p>
<p>Nun aber zu Trichet. Er startete mit der Behauptung, die EZB wäre seit den ersten Tagen der Krise (seit August 2007) aktiv am Gegensteuern und hätte damals schon 95 Mrd. Euro auf den Markt geworfen. Da sonst eher von einer reservierten EZB in den Medien die Rede ist, hat mich diese Aussage durchaus überrascht. Seine Prognosen für die kommende Zeit waren verhältnismäßig deutlich: Für 2009 erwartet er ein weiteres Absinken der Wirtschaftsleistung, das sich immer mehr verlangsamt. 2010 soll sich dann der Markt stabilisieren und im Verlauf des Jahres sollen dann wieder leichte Anstiege zu verzeichnen sein. Der Mann ist Optimist, angesichts von Billionen Euro in toxischen (mehr oder weniger wertlosen) Papieren. 2200 Banken hängen an der EZB, was den Zuhörern wohl verdeutlichen sollte, dass die EZB großen Einfluss nehmen kann. Allerdings sind die toxischen Papiere nicht nur bei Banken, die sich bei der EZB refinanzieren können&#8230;</p>
<p>Trichet sieht den Hauptzweck und Erfolg der EZB darin, die Währung und mittelbar die Preise stabil zu halten &#8211; vulgo der Inflation entgegenzuwirken. Angesichts des stabilen Euro ist die EZB dabei zweifellos erfolgreich, wenn man die Inflationsberechnung (siehe oben) mal außer Acht lässt. Oft wird behauptet, diese Handlungsmaxime behindere die wirtschaftliche Entwicklung. Dem hielt er entgegen, dass die Arbeitslosigkeit in Europa in den letzten 10 Jahren um 16 Millionen sank, während sie in den USA nur um 6 Millionen sank. Das ist auf den ersten Blick eine beeindruckende Statistik. Auf den zweiten Blick verliert sie stark an Wert, denn Europa wurde 2004 um einen großen Teil des Ostblocks erweitert. Die Ostblockstaaten, nach dem Fall der Mauer wirtschaftlich angeschlagen, fuhren in den letzten Jahren durch günstige westliche Kredite eine massive Aufbaupolitik, die selbstverständlich den Abbau von Arbeitslosigkeit nach sich zog. Vergessen darf man dabei aber nicht, dass das mit hohen Krediten erkauft wurde, die manche Länder inzwischen an den Rand des Ruins treiben (z.B. Lettland). Außerdem wurden grade in Deutschland sehr viele prekäre Jobs geschaffen, die zwar statistisch die Arbeitslosigkeit drücken, aber reell keinen Wohlfahrtsgewinn bringen. Eine niedrige Arbeitslosigkeitsrate ist immer weniger Ausdruck wirtschaftlichen Erfolgs, sondern Ausdruck statistischer Spitzfindigkeit und moralischer Bankrotterklärung.</p>
<p>Als Ursachen der Krise benannte Trichet 3 Dinge: Boni als falsche Anreize, unüberblickbare Komplexität der Finanzprodukte und zu geringe Eigenkapitalraten. Das ist zwar richtig (wenn auch nicht erschöpfend), aber ein alter Hut. Man möchte meinen, dass die EZB mehr Einfluss hat und solche Auswüchse abdämpfen oder verhindern kann. Das System läuft ja spätestens seit den späten 90ern so und vor 5 Jahren waren die Probleme schon klar erkennbar. Statt folgender Kritik wäre eine präventive Politik die bessere Wahl gewesen. Davon war aber weder im Vortrag etwas zu hören noch reell etwas zu sehen. Man muss also annehmen, dass die EZB so etwas nicht umsetzen will oder nicht umsetzen kann.</p>
<p>Die Krise schlug auf dem Interbankenmarkt schon im August 2007 durch. Interbankenzinsen gingen stark nach oben. Trotz diesem deutlichen Zeichen sprach man zu dieser Zeit in Deutschland von baldiger Vollbeschäftigung und florierender Wirtschaft. Unkenrufe wie z.B. von Roubini wurden als Panikmache verschrien. Ab September 2008 wurde die Krise dann offensichtlich, spätestens mit dem Zusammenbruch von Lehman. Laut EZB sind wir heute, nach einem &#8220;Hoch&#8221; der Krise im Dezember, wieder auf dem Niveau von September 2008 angekommen. Hier wird natürlich nur einseitig auf den Bankenmarkt geschaut und die Realwirtschaft vergessen. Die stürzt nämlich infolgedessen gerade drastisch ab. Laut Trichet war es gerade in Europa nötig, die Banken durch massive Staatshilfen und EZB-Kredite aufzufangen, da sich europäische Unternehmen zu 70% über Bankkredite finanzieren (zum Vergleich: USA 20%). Der Mittelstand, Motor der Wirtschaft, ist also den Banken auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.</p>
<p>Die EZB hat nun ein Programm mit dem Namen &#8220;Enhanced Credit Support&#8221; aufgesetzt, das folgende Maßnahmen enthält:</p>
<ul>
<li>&#8220;fixed-rate full allotment&#8221;: Soweit ich verstanden habe, sollen Kreditraten für Immobilien auf ein bestimmtes Niveau festgesetzt werden.</li>
<li>&#8220;expansion of collateral&#8221;: Die EZB akzeptiert noch mehr private Sicherheiten der Banken. Die Zahl von 12,2 Billionen Euro stand da im Raum. Wenn ich ihn da richtig verstehe, heißt das, dass die EZB den Banken so gut wie alles abnimmt, was noch irgendeinen Wert hat (also auch Ramsch). Im Endeffekt liegt der Mist dann also bei der EZB &#8211; aus der Welt ist er dadurch aber nicht.</li>
<li>&#8220;longer-term liquidity provision&#8221;: Die EZB wirft nochmals 442 Milliarden Euro auf den Markt, damit die Banken endlich Kredite vergeben. Verbunden ist dies mit einem deutlichen Appell an die Banken. Mir kommt es eher wie ein Akt der Verzweiflung vor. Die Banken werden weiterhin wie die Glucken auf dem Geld sitzen und zu wenig an Kunden oder andere Banken leihen. Das Vertrauensproblem wird dadurch nicht angegangen.</li>
<li>&#8220;liquidity provision in foreign currencies&#8221;: Liquidität soll mit Fremdwährungen bereitgestellt werden, v.a. US-Dollar. Für diese Maßnahme wird mit der Federal Reserve (Fed) zusammengearbeitet. Das passiert in diesem Ausmaß zum ersten Mal, ein weiterer Hinweis darauf, wie verzweifelt man ist. Ich frage mich auch, ob das viel nützt. Man verteilt zwar das Risiko auf mehr Schultern, aber Amerika hängt selbst tief in der Krise und ist auf das Vertrauen der Welt in den Dollar angewiesen. Deswegen ist man wohl mit allen Mitteln darauf bedacht, dass andere Länder den Dollar als Leitwährung anerkennen. Saddam Hussein weiß zum Beispiel, was passiert, wenn man aus der Reihe tanzt.</li>
<li>&#8220;financial market support through purchases of covered bonds&#8221;: Die EZB kauft toxische, aber &#8220;gedeckte&#8221; (?) Anleihen auf, also laut Trichet zumindest solche, die auf längere Frist noch Wert haben. Wie oben schon angeführt wird das den Banken nur wenig helfen, da sie auf den wertlosen Papieren trotzdem sitzen bleiben und sie irgendwann abschreiben müssen. Da es nicht alle gleichermaßen trifft, aber keiner vom anderen weiß, wie hart es ihn trifft, bleibt das Vertrauensproblem bestehen.</li>
</ul>
<p>Diese riesigen Maßnahmen müssen natürlich nach Ablauf der Krise zum richtigen Zeitpunkt wieder zurückgefahren werden und das überschüssige Geld vom Markt genommen werden, damit keine Inflation aufkommt. Trichet fügte hinzu, dass Vertrauen derzeit die knappeste Ressource ist und mit allen Mitteln in allen Bereichen verstärkt werden muss. Mein Eindruck ist, dass entgegen aller Vernunft versucht wird, das faulende System gesundzubeten anstatt zum Kern des Problems vorzudringen.</p>
<p>Im Anschluss an den Vortrag folgte ein kurzer Teil mit Fragen, gestellt von Herrn Sinn und verschiedenen Zuhörern. Sinn fragte zuerst, ob die EZB &#8220;Stress Tests&#8221; für alle Banken plane (imho ein sinnvoller Vorschlag, da mehr Transparenz wieder zu einem funktionierenden Interbankenmarkt führen könnte). Trichet meinte, die EZB selbst könne das nicht bewerkstelligen, fordere aber alle Staaten vehement auf, solche Tests durchzuführen. Die EZB diktiere nicht die Verhaltensregeln, sondern erwarte sie von den Teilnehmern. Übersetzt heißt das &#8220;das wird wohl nicht passieren&#8221; &#8211; heiße Luft. Sinn fügte auch hinzu, dass Peer Steinbrück gegen solche Tests sei, also Deutschland da wohl nicht mitziehen werde.</p>
<p>Trichet meinte auch, dass der Leitzins mittelfristig stabil bleibe. Auf die Frage, wie sich der &#8220;Enhanced Credit Support&#8221; auf die Realwirtschaft niederschlage, blieb er eine klare Antwort schuldig. Es wurde daher von einem Zuhörer vorgeschlagen, das Programm besser in &#8220;Enhanced Liquidity Support&#8221; umzubenennen. Das wäre tatsächlich ein treffenderer Name. Hier wird wieder deutlich, wie durch Namen schon Bedeutung geschaffen wird, die gar nicht da ist. Ein großes Problem ist auch, dass die Banken weniger Kredite von der EZB verlangen. Die EZB geht aber laut Trichet von einem &#8220;Supply Problem&#8221; aus, also dass es ein Problem mit dem Kreditangebot gebe. In meinen Augen widersprechen sich die beiden Aussagen, da ersteres ja ein Nachfrageproblem ist, kein Angebotsproblem.</p>
<p>Die letzte Frage kam zur Inflationsrate, die im Juni 2009 unter 0 sank (ergo Deflation). Trichet nannte das ein vorübergehendes Phänomen. Die Inflationsrate bleibe stabil zwischen 1.7% und 2%. Sein Wort in Gottes Ohr. Andere sind da weniger überzeugt als er. Mal schauen, wer recht behält.</p>
<p>Insgesamt war es ein sehr interessanter Vortrag, grade wenn man darauf schaut, was Trichet nicht erwähnt hat und zwischen den Zeilen gesagt hat. Ich habe versucht, so gut wie möglich die Aussagen wiederzugeben und meine eigenen Gedanken dazu niedergeschrieben. Gerade beim ECS-Programm bin ich mir nicht sicher, da er sehr viel mit Fachbegriffen um sich warf und ich als Fachfremder nicht so wirklich durchblickte. Die Stichworte sind deswegen extra angeführt. Abschließend hoffe ich, dass Trichet mit seinem Optimismus recht behält und die Krise so schnell überwunden ist. Aus den genannten Gründen bin ich da weit skeptischer.</p>
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		<title>Korrupte Journalisten I</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 00:29:06 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute: Margaret Heckel (WELT)</p>
<p>M. Heckel tat sich jüngst mit einem Artikel hervor, bei dem sich selbst hartgesottene Leser der WELT verwundert die Augen reiben mussten: <a href="http://www.welt.de/politik/article3996119/Nach-der-Bankenrettung-ass-Merkel-Linsensuppe.html">Nach der Bankenrettung aß Merkel Linsensuppe</a>. Vom unsäglichen Titel mal abgesehen bekommt der Leser einen sensationslüsternen Einblick hinter die Kulissen der Bankenrettung. An sich wäre das angesichts des schreienden Schweigens der Medienlandschaft zu jenem Thema sehr zu begrüßen. Der Artikel von Heckel trieft allerdings vor Ergebenheit und Kritiklosigkeit. Der Artikel begnügt sich mit kurzen Hinweisen zu den möglichen Folgen und schwadroniert sonst ausgiebig über Merkels Machtposition und ihre angeblich herausragende Rolle bei der Bankenrettung. Es fehlt jede kritische Distanz. Nun kann man argumentieren, dass solch eine Distanz für eine Lobhudelei in Buchform nicht nötig ist. Allerdings ist die Buchautorin gleichzeitig <em>Politikchefin der Welt, Welt am Sonntag und Berliner Morgenpost</em> (<a href="http://debatte.welt.de/mitglieder/220/Margaret%2BHeckel">Quelle</a>). Dies ist auf der Artikelseite nicht ersichtlich.</p>
<p>Es mag sich für Frau Heckel lohnen, so nahe persönliche Kontakte zu Frau Merkel zu pflegen. Die Qualität ihrer Artikel wird aber zwangsweise unter dieser Verquickung leiden. Da sie Leiterin zahlreicher Ressorts ist, gilt dies mittelbar auch für die Artikel anderer Autoren, die über ihren Schreibtisch wandern.</p>
<p>Die Vorteilsnahme, die dem Verhalten zugrundeliegt, lässt sich nach Lasswell mit Recht als Korruption bezeichnen. Es liegt eine Verletzung eines allgemeinen Interesses vor (nämlich der möglichst objektiven Information) zugunsten eines speziellen Vorteils (nämlich der Nähe und dadurch höheren Aktualität). Dass bei solchen Aktivitäten keine Kritik zu hören ist, legt den Schluss nahe, dass sowas inzwischen zur Normalität im Journalismus gehört. Kein Wunder, <a href="http://denkreiz.de/wp-content/uploads/Krise_des_Journalismus.pdf">dass keiner mehr den Journalisten vertraut</a>.</p>
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