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	<title>DenkReiz</title>
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	<description>Politisches Blog über Deutschland, Europa und die Welt</description>
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		<title>Multimedia im Netz</title>
		<link>http://denkreiz.de/266/multimedia-im-netz/</link>
		<comments>http://denkreiz.de/266/multimedia-im-netz/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 17:24:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Informatik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Da ich lernbedingt derzeit nicht dazu komme, mich hier im Blog zum Weltgeschehen zu äußern, will ich wenigstens das Destillat meiner Mühen zu Protokoll bringen. Hier also der erste Teil zum Bereich Medieninformatik.</p>
<p>1 &#8211; Begriffsdefinitionen
2 &#8211; Dynamische Inhalte im Web
3 &#8211; Digitales Rechtemanagement
4 &#8211; Metadaten
5 &#8211; Streaming</p>
1 &#8211; Begriffsdefinitionen
<p>Zum Verständnis der weiteren Ausführungen sind einige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Da ich lernbedingt derzeit nicht dazu komme, mich hier im Blog zum Weltgeschehen zu äußern, will ich wenigstens das Destillat meiner Mühen zu Protokoll bringen. Hier also der erste Teil zum Bereich Medieninformatik.</strong></p>
<p><strong>1 &#8211; Begriffsdefinitionen<br />
2 &#8211; Dynamische Inhalte im Web<br />
3 &#8211; Digitales Rechtemanagement<br />
4 &#8211; Metadaten<br />
5 &#8211; Streaming</strong></p>
<h3>1 &#8211; Begriffsdefinitionen</h3>
<p>Zum Verständnis der weiteren Ausführungen sind einige Definitionen notwendig. Zuerst natürlich, was man unter Multimedia im Netz versteht.<br />
<em>Multimedia</em> ist die Kombination von verschiedenen zeitabhängigen und zeitunabhängigen Perzeptionsmedien, insbesondere Audio und Video. Ein wichtiges Merkmal ist die Interaktivität. <em><br />
Netz</em> bezieht sich nicht auf die verschiedenen Telekommunikationsnetze der Vergangenheit, sondern auf das Internet als Overlay-Netzwerk. Endziel dieser Konvergenz ist es, dem Nutzer einen scheinbar allgegenwärtigen (ubiquitous) Service zu bieten, wobei sich der Nutzer nicht mehr um die Zugriffstechnologie kümmern muss.<br />
Es geht also um interaktive Dienste mit physisch verteilten Dienstkomponenten.</p>
<p>Zentral ist der Begriff des <em>Content</em>, der mit &#8220;Inhalt&#8221; nur unzureichend übersetzt wäre und sich deswegen auch im Deutschen durchgesetzt hat. Dabei handelt es sich um interessante Information, meistens digitalisierte audiovisuelle Information, die eventuell urheberrechtsgeschützt ist. Ein <em>Content Provider</em> ist die Organisation, die verantwortlich ist für die Bereitstellung von Content für einen Multimedia-Dienst.</p>
<p>Ein <em>Multimedia-Dienst</em> ist ein Telekommunikationsdienst, der mehrere Medientypen synchronisiert aus Nutzersicht beinhaltet, evtl. mehrere Parteien und mehrere Verbindungen. Er erlaubt das Hinzufügen und Löschen von Ressourcen und Nutzern innerhalb einer einzelnen Session.</p>
<p>Eine <em>Partei</em> ist dabei entweder eine Organisation oder ein Mensch, der/die in das Angebot oder Nutzung eines Dienstes involviert ist. Endsysteme lassen sich weiter unterteilen in Allzweck-Endsysteme wie PC und PDA, Spezial-Endsysteme wie Handy oder Spielkonsolen und Hybrid-Endsysteme wie die Smartphones.</p>
<p>Ein <em>Endsystem</em> ist ein physisches Gerät, das teilnimmt an Multimedia-Diensten durch Informationsaustausch mit anderen Endsystemen übers Netzwerk.</p>
<p>Ein <em>Terminal</em> ist ein Endsystem, das direkt von einem Menschen bedient wird. Traditionell wird es Customer Premises Equipment (CPE) genannt. Ein <em>Server</em> ist dagegen ein Endsystem, das vom Dienstanbieter im Rahmen des Dienstangebots bereitgestellt und bedient wird.</p>
<p><em>Content Delivery</em> ist die bedarfsgerechte Auslieferung des Contents. Sie kann mit unterschiedlicher <em>Dienstgüte (Quality of Service = QoS)</em> ausgeführt werden, je nach Fähigkeiten der zugrundeliegenden Netzwerktechnologie. Entscheidend sind dabei Bandbreite, Verzögerung, Jitter (Schwanken der Verzögerung) und Puffergröße. Content Delivery ist hauptsächlich relevant bei Conversational, Retrieval und Distribution Services, die gleich noch erläutert werden. Es sind drei Unterarten zu unterscheiden:</p>
<ul>
<li>Live-Content Service: Verzögerung soll minimal sein.</li>
<li>Buffered-Content Service: Verzögerung soll sich in akzeptablem Rahmen befinden.</li>
<li>Stored-Content Service: Kompletter Download vorm Anschauen.</li>
</ul>
<p>Multimedia-Dienste lassen sich in zwei Arten unterteilen: zum einen interaktive Dienste, zum anderen Distributionsdienste. Die interaktiven Dienste gliedern sich in Conversational Services, Messaging Services und Retrieval Services.<br />
Conversational Services sind Dienste, bei denen ein synchroner Informationsaustausch zwischen den Terminals erfolgt (d.h. beide sind zeitgleich im Netz). Dabei kommunizieren Terminals miteinander. Eventuell sind auch Server zwischengeschaltet. Ein prominentes Beispiel für einen solchen Dienst ist Skype.<br />
Messaging Services zeichnen sich hingegen durch einen asynchronen Informationsaustausch aus. Das Senden einer Nachricht fällt nicht notwendigerweise mit dem Empfang zusammen. Auch hier kommunizieren Terminals miteinander. Zwischengeschaltete Server speichern die Nachrichten zum späteren Abruf. Bekannte Beispiele sind SMS und MMS.<br />
Bei Retrieval Services liegt die gewünschte Information auf Servern zum Download oder Streamen bereit. Die Quelle ist also extern (kein Terminal), meist ein Content Provider. Häufig kommt es zu einer Stern-Architektur, d.h. ein Server bedient viele Clients. In den letzten Jahren tauchen häufiger Communities auf, die Content teilen.<br />
Distributionsdienste sind die zweite Art von Multimedia-Diensten. Es gibt sie ohne individuelle Präsentationskontrolle, im Sinne eines digitalen Ersatzes von Radio oder TV, mit einfachem Broadcast oder Multicast. Mittlerweile setzen sich auch Dienste mit einer solchen Kontrolle, also begrenzter Interaktivität, durch, z.B. Near Video on Demand, das zusammen mit zeitverschobenem Aufnehmen erlaubt, TV-Filme zu einer gewünschten (und nicht vorgegebenen) Zeit zu konsumieren.</p>
<h3>2 &#8211; Dynamische Inhalte im Web</h3>
<p>Dynamischer Web-Content sind Inhalte, die dem Nutzer im Browser gezeigt  werden und abhängig sind von externen Variablen wie Zeit,  Archivinformationen oder Nutzeraktionen. Große Anwendungsgebiete sind  E-Commerce, Foren, Social Networks und Massenmedien.</p>
<p>Es klingt vielleicht komisch, aber in den ersten offiziellen Web-Standards waren weder dynamische noch audiovisuelle Inhalte vorgesehen. Die Entwicklungen in diese Richtung nahmen häufig bei Browser-Herstellern wie Netscape oder Microsoft ihren Anfang. So stammt der Object-Tag aus den Schmieden Microsofts (und ist mittlerweile im HTML-Standard enthalten), während der Embed-Tag (heutzutage verschmäht, aber von vielen Browsern noch unterstützt) aus den Werkstätten Netscapes kommt.</p>
<h4>Einbindung</h4>
<p>Die übliche Einbindung von audiovisuellem Inhalt sieht wegen der Inkompatibilitäten folgendermaßen aus:</p>
<pre style="padding-left: 30px;">&lt;object data="url/dateiname" type="application/x-shockwave-flash" width="100" height="100"&gt;
  &lt;param name="movie" value="url/dateiname"&gt;&lt;/param&gt;
  &lt;param name="quality" value="high"&gt;&lt;/param&gt;
  &lt;embed src="url/dateiname" width="100" height="100"&gt;&lt;/embed&gt;
&lt;/object&gt;</pre>
<p>Man bemerkt sofort die Redundanzen, die man sich eigentlich sparen könnte, wenn sich alle Browser an den Standard halten würden. Zur Erläuterung des Codes: Bei <em>data</em> ist der Ort anzugeben, wo man die Mediendatei findet. <em>Type</em> spezifiziert den Dateityp im MIME-Format. Weitere Attribute sind <em>codebase</em> (Basispfad als URI für die Interpretation relativer Pfade) und <em>codetype</em> (MIME-Typ für Player-Code). Die angegebenen Parameter muss der vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Multipurpose_Internet_Mail_Extensions">MIME-Format</a> bestimmte Player interpretieren können, sonst werden sie verworfen. Alles, was innerhalb des Object-Tags steht, wird als Alternative angezeigt, falls die Anzeige des eigentlichen Objekts scheitert. Deswegen findet sich hier auch der Embed-Tag.</p>
<h4>Funktionalitäten</h4>
<p>Im Web gibt es klar spezifizierte Funktionalitäten von Server und Client.<br />
Der Client ordnet anhand des erkannten Dateityps mithilfe der MIME-Registry des Browsers eine lokale Rendering-Software (Abspielprogramm) zu, die entweder als Browser-Plugin oder als eigenständiges Programm ausgeführt wird. Außerdem bietet der Client Interaktivität durch lokale Interaktionen, z.B. dynamische Menüs.<br />
Der Server ist zuständig für die Speicherung der Mediendateien und der Meta-Informationen. Er managt die Indexierung und die Abfrage der Mediendateien. Auch der Server bietet Interaktivität durch Interaktionen mit serverseitigem Effekt (z.B. Datenbank-Updates) oder Interaktionen mit globalem Effekt (z.B. neuer Kommentar, neues Video).<br />
Beide sind beim <em>Streaming</em> gefragt. Dabei handelt es sich um das Abspielen von unvollständigen Inhalten auf dem Client in vom Server gesteuerter Reihenfolge. Entscheidend beim Streaming sind Synchronisation, Buffering und Rate-Control. Eine Flusskontrolle (also Stop, Start, Pause etc.) sollte auch eingebunden sein, genauso wie eine Anpassung an Bedingungen des zugrundeliegenden Netzwerks. Zum Thema Streaming später noch mehr.</p>
<h4>Realisation</h4>
<p>Realisiert wird das Ganze clientseitig durch eine Skript-Execution-Engine im Browser. Der Webserver braucht dabei keine Skripts auszuführen, sondern nur die Skripts als Teil der Serverantwort mitzuschicken. Beispiele hierfür sind JavaScript und Java-Applets. Vorteil clientseitiger Skripts ist die Schnelligkeit, die Möglichkeit auch ohne Netzverbindung Skripts auszuführen und die Server-Unabhängigkeit. Nachteil ist natürlich die beschränkte Sicht und die Sicherheitseinschränkungen.</p>
<p>Serverseitige Realisation dynamischer Web-Inhalte bedingt, dass der Server eine Script-Execution-Engine hat. Der Client bzw. sein Browser brauchen dagegen keine Skripts auszuführen. Er erhält die vom Server berechnete Antwort. Beispiele dafür sind PHP, Servlets oder JSP. Vorteile serverseitiger Realisation sind die Möglichkeiten zur persistenten Speicherung großer Datenmengen, deren Vernetzung, der Zugriff auf Ressourcen, Eingabeverarbeitung und Berechnungen basierend auf vorhandenen Informationen und die Unabhängigkeit von Browsern. Außerdem kann der Server die Ausgabe speziell an die einzelnen Browser anpassen und deren Features nutzen (Cookies, User Agent ID).</p>
<h4>CGI und PHP</h4>
<p>Ein erster Ansatz auf dem Gebiet der dynamischen Inhalte war CGI (Common Gateway Interface), das Programme in beliebigen Sprachen erlaubt und auf Befehl auf dem Webserver ausführt. CGI ist allerdings nicht zu unrecht in Verruf geraten, da es einerseits große Sicherheitsrisiken birgt (Injektion von schädlichem Code, unbemerkte Bugs in den Programmen) und andererseits nicht die beste Skalierbarkeit besitzt. Calls sind nämlich teuer, da jeder Call einen neuen Prozess erzeugt. In verschiedenen Varianten von CGI wurde das natürlich verbessert. Trotzdem befindet es sich auf dem absteigenden Ast.</p>
<p>Anhaltender Beliebtheit und ungeheurer Verbreitung erfreut sich PHP (Personal Home Page Toolkit Hypertext Preprocessor). Seine Syntax hat Anleihen aus Skriptsprachen und aus C. PHP ermöglicht den einfachen Einsatz von verschiedensten Webtechnologien wie z.B. Cookies. Die Anbindung an Datenbanken wie MySQL ist auch schnell zu bewältigen. Einem PHP-Programm kann man Parameter mit den HTTP-Methoden GET und POST übergeben. Bei GET werden die Variablen als Bestandteil der URL codiert und übergeben. Man kann sie also auch manuell durch Eintippen manipulieren. Etwas sicherer ist POST, bei dem der Server auf die Übertragung der Variablenwerte nach der übrigen Anfrage wartet und sie vom Standard-Eingabekanal einliest.</p>
<p>Wie schon erwähnt fällt die dauerhafte Speicherung von Information auf Server-Seite leichter. Es gibt Datenbanken mit großen Datenmengen, die man auch extern aktualisieren kann und eine Anbindung an komplexe Systeme. Auf Client-Seite kann man hingegen nur geringe Datenmengen speichern und unterliegt aus Sicherheitsgründen diversen Einschränkungen. Eine wichtige Möglichkeit der Datenspeicherung sind <em>Cookies</em>, die aus Name/Schlüssel, Wert, Verfallsdatum und optional Domäne, Pfadname und Sicherheitsinformationen bestehen. Sie werden über HTTP übertragen, wenn eine Anfrage nach einem zugehörigen Dokument (der entsprechenden URL) erfolgt. Zugreifen kann nur der Erzeuger des Cookies. Die Erzeugung selbst erfolgt clientseitig per JavaScript, serverseitig über PHP.</p>
<h4>AJAX</h4>
<p>Einen großen Hype hat AJAX in den letzten Jahren verursacht. Es steht für &#8220;Asynchronous JavaScript And XML&#8221; und bedeutet, dass die Daten vom Server unabhängig von der (Änderung der) Präsentation geladen werden können. Der entscheidende Vorteil ist, dass dadurch eine flüssigere Interaktion möglich ist und durch regelmäßigere Updates die Präsentation immer aktuell gehalten werden kann. Der Kontrollfluss einer AJAX-Anfrage sieht wie folgt aus:</p>
<ol>
<li>Aufruf des entsprechenden JavaScript-Codes durch den Browser</li>
<li>Aufsetzen eines Anfrage-Objekts (<em>XmlHttpRequest</em>)</li>
<li>Einrichten eines Callback-Handlers (vergleichbar mit einer Rückrufnummer)</li>
<li>HTTP-Request an Server schicken</li>
<li>Rückgabe der Kontrolle von JavaScript an den Browser</li>
<li>Server schickt HTTP-Antwort an den Callback-Handler</li>
<li>DOM der Webseite updaten</li>
</ol>
<p>Nach Schritt 5 kann der Nutzer ganz normal weiterarbeiten, während im Hintergrund der Server seine Antwort berechnet und schickt. Durch Nutzung des DOM lässt sich die Antwort auch als lokale Änderung einflechten; ein Neu-Laden der Webseite bleibt einem somit erspart.</p>
<p>Dadurch entstehen aber auch eine Reihe von Problemen. Zum ersten funktioniert der Zurück-Knopf des Browsers nicht mehr, da der Browser dynamisch geänderte Seiten nicht speichert. Änderungen im Formular kann man also mit dem Knopf nicht rückgängig machen. Zum zweiten kommt es durch das Polling, also die regelmäßigen Anfragen, zu einer höheren Netzlast. Die Annahmen zum Traffic-Engineering ändern sich also. Außerdem sind Lesezeichen schwer möglich. Mithilfe von Anchors (#) lässt sich das Problem allerdings ganz gut umschiffen. Schwer wird es auch für Suchmaschinen &#8211; sie können dynamisch geänderte Webseiten nicht indexieren. Dynamische Änderungen sollten also nicht suchmaschinen-relevant sein. Da XML wegen der länglichen Dokumente zur Redundanz tendiert und bandbreitenhungrig ist, geht man neuerdings auch dazu über, das sparsamere JSON zu nutzen.</p>
<h4>Applets, Servlets, JSP</h4>
<p>Eine andere Möglichkeit dynamischen Webinhalt bereitzustellen sind Applets. Dabei handelt es sich um kleine Java-Programme, die man in HTML einbetten kann und von der Browser-Software direkt oder per Plugin ausgeführt werden. Auf Nutzereingaben wird per Eventhandler reagiert. Dadurch, dass Applets lokal ausgeführt werden, haben sie vollen Zugriff auf Eingabegeräte. Außerdem können sie alle Grafik- und Java-Bibliotheken nutzen (Java2D, Swing, &#8230;). Durch das Konzept der Sandbox-Security haben Applets weder Lese- noch Schreibrechte, können keine Anwendungen ausführen, keine Verbindungen öffnen und keine externen Bibliotheken laden. Es gibt auch Trusted Applets, die lokal installiert werden können und signiert und verifiziert sind.<br />
Applets befinden sich dennoch auf dem absteigenden Ast, da ihre Vorteile (Interaktivität, Grafikprogrammierung, keine Netzlast, dezentrale Ausführung, Skalierbarkeit) von den Nachteilen überwogen werden. Sie sind immer abhängig vom Browsertyp, dessen Version und der Java-Version und (u.a. deswegen) als nicht sehr verlässlich berüchtigt. Außerdem ist das Debuggen problematisch.</p>
<p>Eine weitere Variante sind Servlets (Server Applets). Dabei wird der dynamische Inhalt von einem Java-Webserver produziert, der das gewünschte Servlet ausführt (Template Method). Sie sind Teil von JavaEE und benötigen einen entsprechend konfigurierten Server (z.B. mit Apache Tomcat).</p>
<p>Java Server Pages (JSP) bauen auf Servlets auf. Server Pages werden beim ersten Aufruf in Servlets übersetzt und benötigen deswegen eine ebensolche Infrastruktur zur Ausführung. JSP ist von der Nutzung her ähnlich wie PHP. Man schreibt Befehle entweder mitten in den HTML-Code oder generiert eigene Files mit den entsprechenden Kommandos. Manche empfinden die Mischung von Java und HTML als unordentlich und empfehlen deswegen JavaBeans, TagLibraries oder JSPX als bessere Wege. Alternativen zu JSP ist ASP und ASP.NET von Microsoft und Python Server Pages.</p>
<h3>3 &#8211; Digitales Rechtemanagement</h3>
<p>Zum Schutz des geistigen und materiellen Eigentums am produzierten Content wurde das Urheberrecht an die neuen Gegebenheiten angepasst. In den USA geschah dies schon 1976, als man drei Doktrinen zählte:</p>
<ol>
<li>&#8220;Fair Use&#8221;: Die private Nutzung eines Werks ist erlaubt, solange keine Schädigung dessen Marktwertes eintritt.</li>
<li>&#8220;First Sale&#8221;: Der Käufer bekommt alle Erlaubnisse und Rechte abgesehen vom Urheberrecht auf den Inhalt.</li>
<li>&#8220;Public Domain&#8221;: Nach 70 Jahren wird jedes Werk vom Urheberrechtsschutz befreit.</li>
</ol>
<p>1998 folgte der Digital Millenium Copyright Act, kurz DMCA, der neben anderen Dingen festlegte, dass es verboten ist, einen vorhandenen Kopierschutz zu umgehen.</p>
<p>Das Gesetz nahm sich Deutschland zum Vorbild, das sein 1995 geschaffenes Urheberrecht 2003 im ersten Korb novellierte. Es betrifft nur natürliche Personen (in Amerika auch juristische). Unterschieden werden zwei Rechte: zum einen der Urheber-Persönlichkeitsschutz, der nicht veräußerlich ist, und (veräußerliche) Verwertungsrechte, die besagen, dass der Rechteinhaber über die Vervielfältigung entscheidet. Eine Privatkopie ist grundsätzlich erlaubt (§53), allerdings nicht dann, wenn ein Kopierschutz vorhanden ist (§93a). Es wurde eine Pauschalvergütung für Privatkopien geschaffen (Geräteabgabe), deren Höhe unter den Beteiligten auszuhandeln ist. Der Tausch von urheberrechtlich geschützten Inhalten ist verboten. Eine Bagatellklausel existiert nicht.</p>
<h4>Definitionen und vorhandene Modelle</h4>
<p>Im Rahmen des Digitalen Rechtemanagement (DRM) gibt es eine Reihe von Begriffen, die zu erläutern sind:</p>
<ul>
<li><em>Rightsholder</em>: Partei mit geistigen Eigentumsrechten</li>
<li><em>User</em>: Partei, die beabsichtigt, Inhalte mit geistigen Eigentumsrechten zu nutzen. Dabei gibt es <em>Licensees</em> (Lizenznehmer), <em>Buyers</em> (Käufer) und <em>Grantees</em> (Lizenzaussteller).</li>
<li><em>Content Owner</em>: Rightsholder, der evtl. nur Teilrechte innehat</li>
<li><em>Rights Transaction</em>: Übertragung von Rechten</li>
<li><em>Agent</em>: Juristische Person, vom Rightsholder als Stellvertreter in der Übertragung autorisiert</li>
<li><em>Royalties</em>: Ausgleichsahlung an Rightsholder oder Agent für die Nutzung der geistigen Eigentumsrechte</li>
<li><em>Rights Management</em>: Geschäftsprozesse für juristische und kommerzielle Zwecke zum Verfolgen von Rechten, Inhabern, Lizenzen, Verkäufen, Abgaben und zugehörigen Vereinbarungen</li>
<li><em>DRM</em>: Rechtemanagement mit Nutzung digitaler Technologien</li>
</ul>
<p>Traditionelles Rechtemanagement zeichnete sich durch Zusammenschlüsse und formale Übereinkünfte aus. So wurden sogenannte <em>Copyright Clearance Center</em> geschaffen, die gebündelte Pakete anbieten und Abgaben gemäß statistischen Umfragedaten erheben. Hierzulande ist v.a. die VG Wort bekannt; ein anderes Beispiel wäre die IFRRO. Das Konzept ist erfolgreich und verursacht wenig Overhead. Andere Modelle sind separate Vereinbarungen, z.B. Pay-per-Use, oder die freiwillige Lizensierung. Auch verpflichtende Lizenzierungen sind bekannt, v.a. bei politischen Regulierungen. Für Furore sorgen immer mal wieder die Abgaben sammelnden Organisationen wie die GEMA oder die ASCAP, die z.B. für öffentliche Aufführungen einen Obolus verlangen. All diese Modelle sind im Internet schwer bis unmöglich anzuwenden.</p>
<p>Ein neuerer Ansatz ist <em>Creative Commons</em>, dessen Lizenzen auf dem Motto &#8220;Some Rights Reserved&#8221; basieren. Dabei gibt es vier Grundrechte, die sich zu einem Lizenzmodell kombinieren lassen:</p>
<ol>
<li>BY &#8211; <em>Attribution</em>: Alles ist erlaubt, solange die Quelle angegeben ist.</li>
<li>SA &#8211; <em>Share Alike</em>: Vervielfältigung und Derivate sind ok, wenn sie derselben Lizenz unterliegen.</li>
<li>NC &#8211; <em>Non-Commercial</em>: Alles ist erlaubt, solange es nicht-kommerziell ist.</li>
<li>ND &#8211; <em>No Derivative Works</em>: Nur wörtliche Kopien sind erlaubt.</li>
</ol>
<p>Grundlegend kann man die Welt des DRM in drei fundamentale Rechtetypen unterteilen:</p>
<ol>
<li><em>Render-Rechte</em>: Darunter fallen Drucken, Abspielen/Anzeigen und Exportieren.</li>
<li><em>Transport-Rechte</em>: Kopieren, Transfer/Übergabe und Leihen.</li>
<li><em>Derivat-Rechte</em>: Extrahieren, Editieren und Einbetten.</li>
</ol>
<p>Mit den drei Rechtetypen und neun Grundrechten lässt sich jegliche Situation modellieren. Trotzdem wurden noch zur Präzisierung weitere Rechte geschaffen, so das Backup-Recht (Sicherheitskopie), Caching-Rechte (temporäre Kopie für bessere Performanz) und Datenintegritäts-Rechte (redundante Information gegen Dateifehler).</p>
<p>Um aus diesen Rechten Lizenzen zu konstruieren, benötigt man noch Attribute bzw. Dimensionen. Ein Attribut ist die <em>Consideration</em>, d.h. der finanzielle Ausgleich, z.B. in Form von Geld oder persönlichen Daten. Das zweite Attribut sind die <em>Extents</em>, sprich das Ausmaß der Nutzung, z.B. die zeitliche Länge, Anzahl der Wiederholungen oder Anzahl der einzelnen Kopien. Dazu kommen noch die <em>Nutzertypen</em>, z.B. Abokunden oder Besucher, Externe oder Studenten.<br />
Ein Kinobesuch würde sich also folgendermaßen darstellen: Render-Recht = Abspielen, Consideration = Ticketpreis, Extents = einmalig, Nutzertyp = alle im erlaubten Alter.</p>
<p>Rechtetransaktionen können Rechte verändern. Eine Aufnahme macht beispielsweise den Extent ewig. Sie können auch Rechte hinzufügen, z.B. die Erlaubnis 30-Sekunden-Samples von Musikstücken im Radio abzuspielen (Extrahieren und Einbetten).</p>
<h4>Herausforderungen</h4>
<p>Die entscheidenden Fragen beim Rechtemanagement sind: Wie kann man die Einhaltung der Rechte absichern? Wie kann man den Ursprung (den Urheber) einer Datei herausfinden? Wie kann man den Inhalt nur bestimmten berechtigten Nutzern anzeigen?</p>
<p>Die Antworten darauf sind vielfältig und immer noch kontrovers diskutiert. So versucht man zum Beispiel mittels <em>Superdistribution</em> sicherzugehen, dass Lizenzen vorhanden sind. Superdistribution heißt, dass der Content innerhalb einer übergeordneten Komponente verpackt ist, die außerdem noch weitere Dinge beinhaltet, z.B. Bezahlmaßnahmen, Lizenzchecks oder dergleichen. Dafür ist allerdings sowohl beim Content Provider als auch beim Client Kompatibilität nötig: Der Provider muss das Paket so schnüren, dass ein Client, der die nötige Entpack-Software (meist in der Rendering-Software integriert) hat, die Superdistributionsroutinen ausführt und dann auf den Inhalt zugreifen kann.</p>
<p>Eine grundlegende Maßnahme ist die Standardisierung einer gemeinsamen Sprache. Bei DRM ist das die Extensible Rights Management Language (XrML). Mithilfe von XrML (oder ODRL) lassen sich die Rechte spezifizieren. Die Einhaltung der Rechte muss dann über geeignete Maßnahmen sichergestellt werden. XrML hat eine eigene Terminologie, die ich kurz erläutern will. Es gibt einen <em>Grant</em>, der alle Aspekte beschreibt:</p>
<ol>
<li><em>Principal</em>: Partei, der die Rechte zuerkannt werden.</li>
<li><em>Resource</em>: Objekt, auf das sich der Grant bezieht (z.B. Datei).</li>
<li><em>Right</em>: Verb, das der Nutzer auf der Resource ausführen darf.</li>
<li><em>Condition</em>: Bedingungen, unter denen der Grant gilt.</li>
</ol>
<p>Die Lizenz besteht dann aus einer Sammlung von Grants, dem <em>Issuer</em> (Herausgeber) und zusätzlicher Information wie Beschreibung oder Ablaufdatum. XrML erweitert außerdem die oben genannten Rechtetypen noch um Dateizugriffsrechte und Installationsrechte.</p>
<h4>DRM mit Verschlüsselung</h4>
<p>Um abzusichern, dass nur berechtigte Nutzer auf den Content zugreifen können, wird Verschlüsselung eingesetzt. Eine Lizenz beinhaltet dann also Schlüssel, die an die spezifizierten Rechte gebunden sind. Zur Durchsetzung der Rechte ist es nötig, dass die Nutzer und Geräte eine Identität besitzen. Die Nutzeridentifikation läuft dabei entweder über die Eingabe von  Nutzername und Passwort ab (das ist kritisch, weil es weitergegeben  werden kann) oder über biometrische Daten oder über ein Digitales  Zertifikat, das von einer Dritten Partei ausgestellt wird. Die  Geräteidentifikation geschieht über ein Auslesen der Seriennummern (Abspielgerät, Prozessor, etc.) durch Software, IP-Adresse (ungut wegen bspw. NAT) oder Kombination von Identifikationsinformationen wie Seriennummern, MAC-Adresse, Gerätekennung und anderen Daten. Dieser Eingriff in die Privatsphäre wird von vielen als Gegenargument zu DRM vorgebracht.</p>
<p>Das Abspielen von geschütztem DRM-Content läuft dann folgendermaßen ab:</p>
<ol>
<li>Der Nutzer erwirbt ein verschlüsseltes Inhaltspaket, z.B. per Download</li>
<li>Der Nutzer verlangt seine Rechte auszuführen, z.B. das Abspielen der Audiodatei. Seine Rendering-Software (Abspielprogramm) aktiviert den DRM-Controller.</li>
<li>Der DRM-Controller bestimmt die Identität des Nutzers und des Inhalts und kontaktiert den Lizenzserver (evtl. nach Ausfüllen der Registrierung)</li>
<li>Der Lizenzserver authentifiziert den Nutzer mittels einer Identitäts-Datenbank.</li>
<li>Der Lizenzserver schaut die Rechtespezifikationen für den angefragten Inhalt nach.</li>
<li>Falls notwendig, wird eine Finanztransaktion gestartet.</li>
<li>Der Lizenzgenerator kombiniert die Rechteinformationen, die Client-Identität und die Decrypt-Keys (Schlüssel) und verpackt und verschlüsselt sie</li>
<li>Die Lizenz wird an den Client geschickt.</li>
<li>Der DRM-Controller entpackt und entschlüsselt den Inhalt und reicht ihn an die Rendering-Software weiter</li>
<li>Die Rendering-Software spielt den Inhalt ab.</li>
</ol>
<p>Fast jeder Schritt kann zum Ziel von Angriffen werden. So kann aus dem Content Repository (so etwas wie die Lagerhalle) des Servers der unverschlüsselte Content geklaut werden. Eine andere Möglichkeit ist der Diebstahl des verschlüsselten Inhaltspakets. Außerdem könnte man die Decrypt-Keys klauen oder die Identitäten. Denkbar ist auch der Diebstahl des entschlüsselten Inhalts auf dem Client oder des gerenderten Inhalts. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass DRM-Controller und Abspielprogramm sehr eng gekoppelt bzw. ineinander integriert sind, sodass z.B. kein Zwischenspeichern nötig ist.</p>
<h4>Trusted Computing</h4>
<p>Eine weitere Möglichkeit des Schutzes ist <em>Trusted Computing</em>. Durch verschiedene Maßnahmen soll ein hardwarebasierter Schutz geistigen Eigentums ermöglicht werden:</p>
<ul>
<li><em>Endorsement-Key</em> in der Hardware</li>
<li><em>Memory Curtaining</em>: Zugriffschutz auf bestimmte Speicherbereiche per Hardware. Dabei wird auch das Betriebssystem ausgeschlossen!</li>
<li><em>Secure IO</em>: Absicherung der Eingabe/Ausgabe-Kanäle</li>
<li><em>Sealed Storage</em>: Informationen wie Schlüssel werden generiert statt gespeichert. Verschlüsselung erfolgt samt Programm- und Hardware-ID.</li>
<li><em>Remote Attestation</em>: Unautorisierte Änderungen der Hardware können von außen festgestellt werden.</li>
</ul>
<p>Diese Brachialmethodik trifft natürlich auf erheblichen Widerspruch in der Internet-Gemeinde. Man befürchtet nebst anderen Gründen den Missbrauch der gewonnenen Daten und der möglichen Methoden, Probleme beim Wechseln der Hardware und schwere Probleme im Fehlerfall. Trusted Computing konnte sich bisher nicht durchsetzen. Auch DRM hat es schwer und wird zunehmend wieder zurückgefahren, z.B. im Online-Musikvertrieb. In anderen Bereichen wie dem Vertrieb von Kinofilmen (Master-Tapes) hat es sich allerdings bewährt.</p>
<h4>Watermarks</h4>
<p>Eine jahrtausendealte Technik ist das Setzen von Wasserzeichen (Watermarks). Im digitalen Bereich beinhalten sie meist Metadaten des Dokuments und werden genutzt, um die Integrität und den Ursprung eines Dokuments zu sichern. Es gibt universelle (beim gleichen Dokument immer gleich) und individuelle Watermarks, die auch &#8220;Fingerprint&#8221; genannt werden. Wasserzeichen haben fünf Charakteristika:</p>
<ol>
<li>Undetectability: Watermark beeinflusst Inhalt nicht.</li>
<li>Robustheit: Watermark überlebt Kopiervorgänge.</li>
<li>Capacity: Soviel Inhalt wie möglich passt in das Wasserzeichen.</li>
<li>Sicherheit: Watermark widersteht Löschen und Ändern.</li>
<li>Effizienz: Der Overhead beim Einfügen und Extrahieren ist erträglich.</li>
</ol>
<p>Wasserzeichen finden in vielen Bereichen Anwendung, darunter beim Urheberrechtsschutz, beim Verfolgen von individuellen Kopien (&#8221;Fingerprinting&#8221;), bei der &#8220;Copy Control&#8221; (Jedes Kopiergerät hat ein Wasserzeichen), beim &#8220;Broadcast Monitoring&#8221;, einem automatischen Tracking z.B. für Werbung, bei der Entdeckung unautorisierter Modifikationen, bei Annotation und Indexierung, in der Medizin zum Schutz von Patientendaten und bei der verdeckten Kommunikation.</p>
<p>Die Erstellung von Wasserzeichen kann man in zwei Bereiche klassifizieren. Der eine ist die <em>Spatial Domain</em> (räumliche Domäne). Zu den Techniken zählen <em>LSB-Replacement</em> (Ersetzen des niedrigwertigsten Bits), <em>Patchwork</em> (stochastische Prägung des Bildes) und <em>Spatial Quantizer</em>. Sie sind nicht so komplex, allerdings auch weniger sicher und robust als die Möglichkeiten der <em>Frequency Domain</em>. Ihre Techniken basieren auf der Transformation in den Frequenzraum (DCT, DFT, DWT). Ein Beispiel dafür ist Spread-Spectrum Encoding, d.h. das Signal wird über mehr Bandbreite als nötig gemäß dem Schlüssel verteilt und in den mittleren Frequenzen ein Wasserzeichen (z.B. mit Noise) versteckt.</p>
<p>Auch Wasserzeichen kann man angreifen. So gibt es die &#8230;</p>
<ul>
<li><em>Removal Attack</em>: Rekonstruktion der Originalinformation, z.B. per Medianfilter (Watermark wird als Noise betrachtet). Eine Variante für fingerprinted content ist die sogenannte <em>Collusion</em> Attack.</li>
<li><em>Oracle Attack</em>: Durchführen minimaler Änderungen (z.B. an der Luminanz), bis der Detektor anspringt.</li>
<li>Stirmark Attack: Kleine geometrische Änderungen stören die Synchronisation in der Wasserzeicheninformation, wodurch es verlorengeht.</li>
</ul>
<p>Robuste Wasserzeichen sind also verdammt schwer zu erstellen.</p>
<h3>4 &#8211; Metadaten</h3>
<p>Der Überfluss an Medien macht es immer schwerer, im digitalen Wald den gewünschten Baum zu finden. Für solche Zwecke wurden Metadaten eingeführt, die bei der Organisation, Indexierung und der Suche helfen sollen. Metadaten lassen sich für alle Inhalte erstellen. Content beinhaltet ergo nicht nur die <em>Essence</em> (also Programm-Material wie Audio, Video, etc.), sondern auch <em>Metadata</em>, die die Essence beschreiben oder deren Nutzung erklären. Sie können separat oder gemeinsam mit der Essence (<em>embedded metadata</em>) gespeichert werden.</p>
<p>Probleme mit Metadaten basieren meist auf Faulheit und Vernachlässigung. So werden die beim Erstellen der Essenz anfallenden Metadaten (Creation Metadata) oft ignoriert, z.b. EXIF bei JPEG. Die Administration und Pflege manuell hinzugefügter Metadaten wird oft vernachlässigt. Außerdem sind verschiedene Formate auf dem Markt, die speziell auf die Medientypen, Programme und Hersteller zugeschnitten sind. Dadurch sind sie untereinander inkompatibel. Es gibt außerdem eine solche Bandbreite an Metadaten, dass die Beachtung aller Ebenen sehr zeitaufwendig und teuer wird. Es stellt sich also die Frage, welche Metadaten sinnvoll sind und erzeugt werden sollten, wieviele davon genutzt werden und wann man sie erzeugen sollte.</p>
<h4>RDF und AAF</h4>
<p>Ein Ansatz in diesem Bereich ist RDF, das im Semantic Web Anwendung findet. Allerdings hat es sich nicht wirklich im Bereich Metadaten durchgesetzt.</p>
<p>Um die verschiedenen Metadaten in der Filmindustrie unter einen Hut zu bekommen, entwickelten die Verbände EBU und SMPTE Ende der 90er einen Standard, der sich zum Multimedia-Dateiformat <em>Advanced Authoring Format</em> (AAF) weiterentwickelte, das heute als Industriestandard gilt und <em>cross-platform</em> einsetzbar ist. In AAF gibt es folgende Arten von Metadaten (MD):</p>
<ul>
<li>Identification &amp; Location MD: dienen der Identifikation eines Items.</li>
<li>Administration MD: beschreiben Rechte, Zugriff, Sicherheitsklassifikation, Verschlüsselung, Hörerliste und andere Geschäftsinformationen.</li>
<li>Interpretive MD: zeigen Namen, Künstler, Organisation und Klassifikation.</li>
<li>Parametric MD: beschreiben Signalcodeparameter, Geräteigenschaften, Sensorparameter, Speicherungs- und Streamingparameter.</li>
<li>Process MD: Zusammensetzung der Essenz, z.B. Bearbeitung und Komposition.</li>
<li>Relational MD: zeigen Zusammenhänge und Beziehungen auf.</li>
<li>Spatio-Temporal MD: beschreiben Ort, Zeit, Aufnahmewinkel, Koordinaten, etc.</li>
</ul>
<h4>MPEG-7</h4>
<p>Ein ambitionierter Standard auf dem Gebiet der Metadaten ist MPEG-7. Es unterteilt Metadaten in folgende Typen:</p>
<ul>
<li><em>technische MD</em>: Form (Datenformat, Auflösung), Datum (Zeit), technische Parameter (Beleuchtungszeit, &#8230;)</li>
<li><em>inhaltsbeschreibende MD</em>: Hier wird noch in <em>Low Level</em> und <em>High Level </em>unterteilt. Low Level MD sind bei Video beispielsweise Objektformen, Positionen oder Pfade, bei Audio z.B. Tonart oder Tempo. High Level MD beschreiben höhere semantische Ebenen, bei Video z.B. die Szene, bei Audio Titel oder Komponist.</li>
<li><em>zusätzliche Informationen</em>: Digitale Rechte, Klassifikation, Kontext, Links, &#8230;</li>
</ul>
<p>MPEG-7 definiert einige Begriffe, die zu erläutern sind:</p>
<ul>
<li><em>Feature</em>: distinktives Charakteristikum mit bestimmter Bedeutung, kann durch mehrere Descriptoren repräsentiert werden.</li>
<li><em>Descriptor</em>: definiert Syntax und Semantik von Feature-Repräsentationen.</li>
<li><em>Descriptorwert</em>: Instanzierung eines Descriptors.</li>
<li><em>Descriptor Scheme</em>: Strukturierte Komposition von Descriptoren und Description Schemes.</li>
<li><em>Description</em>: Instanz eines DS mit passenden Descriptorwerten.</li>
</ul>
<p>MPEG-7 klassifiziert Metadaten in die Teilgebiete <em>Content Management</em> (z.B. Medieninformation wie Dateiformat, Creation-Information wie Zeit oder Nutzungsinformationen wie Rechte), <em>Content Structure</em> (Segmente und deren Relationen) und <em>Content Semantics</em> (narrative Welt für einen Teil des Inhalts).</p>
<p>Auf die Strukturierung mit Segmenten soll noch etwas näher eingegangen werden. Segmente besitzen Attribute, die man in generische, medientypabhängige und spezielle Features unterteilen kann. Unter generische Features fallen die Medien-/Creation-/Nutzungsinformationen und Annotationen. Medientypabhängige Features sind visuelle oder akustische Features. Spezielle Features für Segmente sind Mask-Descriptor, die Wichtigkeit von Descriptoren (bestimmt durch MatchingHint und Point of View, z.B. Priorisierung der Heimmannschaft beim Sport) und Ink Segment Descriptoren, die der Handschrifterkennung dienen.</p>
<p>Segmente können in Subsegmente zerlegt werden, die sich in Raum und Zeit überlappen können und auch nicht das komplette Segment abdecken müssen. Außerdem lassen sich Segmente in Relation bringen, einerseits durch ihre inhaltliche Struktur (in Form von hierarchischer Dekomposition oder einem Segment-Relationship-Graphen) und andererseits durch vordefinierte Relationen (generisch, räumlich, zeitlich).</p>
<p>Um dem Nutzer unter die Arme zu greifen, gibt es verschiedene Techniken, die Features automatisch zu extrahieren. Bei Farben bewerkstelligt man dies mit einem Histogramm oder einem Farbcluster. Texturen kann man mittels Spektralverteilung extrahieren, Bewegungen mithilfe von Vektorhistogrammen und parametrischen Modellen. Konturen sind schwer herauszuziehen; hier behilft man sich mit &#8220;Moments&#8221; und Wavelet-Koeffizienten. Gesichtserkennung ist hingegen heutzutage kein Problem mehr; sie geschieht auf Vektorbasis und mittels Similarity-Matching (Ähnlichkeitserkennung). Bei komprimierten Datenformaten wie JPEG oder MPEG-2 kann man die Informationen der Frequenzraumtransformation bzw. der Bewegungsabschätzung wiederverwenden.</p>
<p>Auch für Regionen und Konturen gibt es Form-Descriptoren. <em>Region Shapes</em> definieren sich durch ihre Pixelverteilung und können komplexe Objekte mit mehreren unverbundenen Regionen beschreiben. Die Formanalyse basiert auf &#8220;Moments&#8221; und wird durch die <a href="http://www.informatik.uni-osnabrueck.de/sstiene/masterthesis/node62.html">Angular Radial Transformation</a> berechnet, die invariant gegenüber Rotation und Verzerrung ist. <em>Contour Shapes</em> kann man mithilfe der <a href="http://www.cse.iitk.ac.in/~amit/courses/768/99/gunjan/">Curvature Scale-Space-Repräsentation</a> erkennen. Sie erlaubt die Extraktion charakteristischer Konturformen, ähnlich der menschlichen Wahrnehmung.</p>
<p>Im Falle von Musik werden individuelle Noten oder Akkorde extrahiert und daraus ggf. eine Tabulatur aufgebaut. Hilfreich dabei sind Sonogramme bzw. Spektrogramme. Auch eine Identifikation der beteiligten Instrumente ist möglich. Auch das Tempo und Phrasen/Abschnitte (Refrain usw.) können mithilfe einer Self-Similarity-Matrix erkannt werden. Gleiches gilt für das Genre.</p>
<h3>5 &#8211; Streaming</h3>
<p>Streaming bezeichnet die (Echtzeit-)Auslieferung von Bewegtbildern, Text und Ton übers Internet. Es gibt verschiedene Arten von Streaming:</p>
<ul>
<li><em>Download &amp; Play</em>: Zuerst wird die Datei komplett heruntergeladen.</li>
<li><em>Progressive Download</em>: Abspielen startet schon während dem Download, aber Abspielrate und Programm-Bitrate sind unabhängig voneinander.</li>
<li><em>True Streaming</em>: Medium wird in Echtzeit betrachtet. Die Raten sind etwa gleich. Die Verzögerung zwischen Senden und Empfangen des Datenpakets wird gering gehalten. True Streaming lässt sich noch weiter unterteilen in <em>Static File Streaming</em> (Auslieferung von vorher aufgenommenen Medien on-demand) und <em>Live Streaming</em> (direkte Einspeisung während der Aufnahme, z.B. bei Webradios).</li>
</ul>
<h4>Streaming Delivery Chain</h4>
<p>Streaming hat eine charakteristische Kette von Transfervorgängen, die sogenannte <em>Streaming Delivery Chain</em>. Sie spielt sich folgendermaßen ab:</p>
<ol>
<li><em>Audio-/Video-Aufnahme</em></li>
<li><em>Encoding</em>: Formatkonversionen, Kompression, Indexierung und Metadaten-Erzeugung. Hierbei helfen Encoding Service Provider und Content Distribution Service Provider (CDSP) als Organisationen, als Hardware dienen Enconding Stations, Workstations und automatische Server.</li>
<li><em>Serving</em>: Speicherung von Live-Aufnahmen (Buffering und Archivierung) und Static Files (Archivmanagement und Retrieval), Streaming als Request-Response-Mechanismus wie bei Webservern und Interaktivität durch fernbedienungsähnliche Steuerung oder Hyperlinks. Fürs Speichern werden Media Archive Servers und organisatorisch CDSP und Hosting Service Provider (HSP) verwendet, beim Streaming kommen CDNs zum Einsatz und HSP, CDSP und ISP.</li>
<li><em>Distribution</em>: Beachten der QoS, Overprovisioning (Überversorgung), detaillierte Reservierung (mit RSVP), Traffic Classes, Resourcenmanagement und technologie-spezifische Lösungen (wie der Asynchronous Transfer Mode). Auch hier werden CDNs eingesetzt nebst CDSP und ISP.</li>
<li><em>Anschauen</em> bzw. Anhören des Streams.</li>
</ol>
<p>Entscheidungen zur Infrastruktur sind abhängig von der erwarteten Geschäftsgröße und der benötigten Verlässlichkeit.</p>
<h4>Streaming-Protokolle und Buffering</h4>
<p>Fürs Streaming gibt es spezielle Protokolle, deren bekanntester Vertreter RTP (<em>Real-Time Transport Protocol</em>) ist. RTP basiert auf IP und UDP. Es benötigt also zusätzliche Netzwerktechnologien für QoS-Sicherung. Genutzt wird es von Apple Quicktime und RealSystems. In diesem Verbund gibt es auch noch das <em>Real-Time Control Protocol</em> (RTCP), das die Übertragung selbst kontrolliert. Es schickt periodisch Statusinformationen an die Teilnehmer der Streaming-Session. Sie enthalten Feedback zur Dienstgüte der Übertragung für die adaptiven Codecs, eine Identifikation des Senders, die Anzahl der Teilnehmer zur Anpassung der Senderate zwecks Verhinderung von Netzüberlast und weitere Infos wie die Namen der Teilnehmer o.ä.. Dritter im Bunde ist das <em>Real-Time Streaming Protocol</em> (RTSP). Es dient der Präsentationskontrolle im Sinne einer Fernbedienung, hilft beim Retrieval der Medien vom Server und kann einen Server zu einer Konferenz einladen.</p>
<p>Die Qualität beim Streaming ist abhängig vom Netzwerk und adaptiven Codecs auf Client- und Server-Seite. Außerdem ist <em>Buffering</em> entscheidend. Bei konstanter Verzögerung ist es nicht nötig, aber bei variierender Verzögerung (Jitter). Die benötigte Puffergröße wird mittels Testübertragungen und adaptiv während der Übertragung abgeschätzt. Dabei wird abgewägt zwischen einem möglichst kleinen Puffer für ein gutes Echtzeit-Gefühl und einem ausreichend großen Puffer, der vor Underrun bei richtig langen Verzögerungen schützt. Bei Paketverlust wird nicht auf eine Retransmission gewartet, sondern entweder das letzte bekannte Paket wiederholt oder zwischen den zwei umgebenden Paketen interpoliert. Zur Anpassung gibt es das <em>Adaptive Transmission Rate Protocol</em>, das eine Low- und eine High-Schranke im Puffer hat. Wenn die High-Schranke überschritten wird, wird die Übertragungsrate reduziert, bei Unterschreiten von Low wird sie erhöht.</p>
<h4>Maßnahmen zur Skalierbarkeit</h4>
<p>Kritisch beim Streaming ist immer die Skalierbarkeit. Deswegen musste man Wege ersinnen, Streaming-Dienste skalierbar zu halten. Eine Möglichkeit ist Splitting, d.h. die Verteilung der Medien auf vorgelagerte Server. Eine ähnliche Methode verfolgen Content Delivery Networks (CDN). Bei ihnen geht es darum, den Content möglichst nahe an möglichst vielen Nutzern zu haben, um die Kosten gering zu halten. Das wird mittels geschicktem Routing, Caching entlang der Kanten des Netzes, Proxy Caching und Splitting von Live-Sendungen bewerkstelligt. Da häufig der Stream schnell wieder vom Nutzer abgebrochen wird und Bandbreite begrenzt ist, sind effiziente Caching-Algorithmen wichtig. Folgende Möglichkeiten gibt es:</p>
<ul>
<li><em>Sliding Interval Caching</em>: Sequentieller Zugriff, v.a. effektiv bei ähnlichen Anfragen in kurzen Zeiträumen</li>
<li><em>Prefix Caching</em>: Spart Zeit beim Laden der übrigen Teile</li>
<li><em>Segment Caching</em>: Generalisierung von Prefix Caching mit Fast-Forward-Funktionalität</li>
<li><em>Rate-Split Caching</em>: Niedrige Schicht vom Originalserver, höhere Schicht vom Proxyserver</li>
<li><em>Cooperative Proxy Caching</em></li>
</ul>
<p>Möglichkeiten zur Anpassung der Datenraten sind&#8230;</p>
<ul>
<li><em>Multiple Bitraten</em> in einer Datei: Nur mit Streamingservern möglich, nicht mit Webservern</li>
<li><em>Alternate Movies</em> (Quicktime): Verwendung von Pointern zum Wechsel zwischen verschiedenen Mediendateien (mit unterschiedlicher Qualität)</li>
<li><em>MPEG-4 Scalable Streams</em>: ähnlich wie progressive JPEG, grundlegender Stream mit niedriger Auflösung wird übertragen, Rest bei Bedarf und Möglichkeit dazugeschalten</li>
</ul>
<p>Die Bandbreite des gestreamten Videos wird von einigen Faktoren bestimmt:</p>
<ol>
<li>Auflösung bzw. Pixelanzahl, die auch vom Abspielgerät abhängig ist.</li>
<li>Bildwiederholrate, normal 25 fps</li>
<li>Color(sub)sampling: Unterabtastung des Farbraums, da Farbe weniger wahrnehmbar ist als Luminanz</li>
<li>Audioqualität, z.B. Samplingrate, Auflösung, Mono/Stereo</li>
<li>Kompressionsgrad (Artefakte)</li>
</ol>
<p>Trotz der Vielzahl an Möglichkeiten bleibt die bange Frage, ob die Maßnahmen ausreichend sind, um den enormen Strom von Medien an die Zuschauer und Zuhörer annehmbar ausliefern zu können. Manche tendieren nun dazu, bestimmten Übertragungen Vorrang vor anderen Übertragungen zu geben und dafür einen Obolus zu verlangen. Das Thema ragt also durchaus in politische Bereiche wie die eben angesprochene Netzneutralität hinein. Es wird interessant, was sich auf diesem neuen Markt noch alles tun wird.</p>
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		<title>Softwaretechnik</title>
		<link>http://denkreiz.de/260/softwaretechnik/</link>
		<comments>http://denkreiz.de/260/softwaretechnik/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 29 Jun 2010 22:04:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Informatik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die letzte Lernzusammenfassung dieses Monats dreht sich um das Thema Softwaretechnik. Dabei wird es um die Herangehensweise an Softwareprojekte und die Modellierung der Software gehen.</p>
<p>Inhalt:
1 &#8211; Grundlagen
2 &#8211; Arbeitsmodelle für Softwareprojekte
3 &#8211; Statische Modellierung
4 &#8211; Dynamische Modellierung
5 &#8211; Gesamtbetrachtung
6 &#8211; Systemarchitektur
7 &#8211; Design Patterns
8 &#8211; Datenbankanbindung
</p>
1 &#8211; Grundlagen
<p>Die Softwaretechnik, in diesem Fall die Objektorientierte Softwareentwicklung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die letzte Lernzusammenfassung dieses Monats dreht sich um das Thema Softwaretechnik. Dabei wird es um die Herangehensweise an Softwareprojekte und die Modellierung der Software gehen.</strong></p>
<p><strong>Inhalt:<br />
1 &#8211; Grundlagen<br />
2 &#8211; Arbeitsmodelle für Softwareprojekte<br />
3 &#8211; Statische Modellierung<br />
4 &#8211; Dynamische Modellierung<br />
5 &#8211; Gesamtbetrachtung<br />
6 &#8211; Systemarchitektur<br />
7 &#8211; Design Patterns<br />
8 &#8211; Datenbankanbindung<br />
<span id="more-260"></span></strong></p>
<h3>1 &#8211; Grundlagen</h3>
<p>Die Softwaretechnik, in diesem Fall die Objektorientierte Softwareentwicklung (OOSE), wurde geboren, als sich Ende der 60er Jahre herauskristallisierte, dass das bis dahin übliche intuitive Vorgehen an seine Grenzen stieß. Man ließ sich deswegen von den Ingenieurswissenschaften inspirieren (phasenweise Entwicklung, Muster) und versuchte so, ein wenig Ordnung ins Chaos zu bringen.</p>
<p>Softwaretechnik wird folgendermaßen definiert:</p>
<blockquote><p>Softwaretechnik bzw. Software-Engineering ist die technische und organisatorische Disziplin zur systematischen Herstellung und Wartung von Softwareprodukten, die zeitgerecht und innerhalb vorgegebener Kostenschranken hergestellt und modifiziert werden.</p></blockquote>
<p>Ziele der Softwaretechnik sind Software von hoher Qualität und Beherrschung der Kosten und Entwicklungszeit. Wie jedem aus dem Alltag bekannt ist, klappt das auch heute noch eher selten. Umso mehr ein Grund, sich mit der Softwaretechnik zu beschäftigen.</p>
<p>Für Software lassen sich zahlreiche Qualitätskriterien formulieren:</p>
<ol>
<li>Korrektheit: Software erfüllt die in der Spezifikation beschriebenen Anforderungen. Der Nachweis ist nur mit formalen Methoden möglich.</li>
<li>Zuverlässigkeit: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Software eine gewünschte Funktion in einer bestimmten Zeit erfüllt. Fehler sollten selten sein und, wenn vorhanden, dann nur schwach (ohne große Wirkung).</li>
<li>Robustheit: Die Software sollte sinnvoll auf Fehler reagieren, die in der Umgebung auftreten (z.B. Bedienfehler der Nutzer).</li>
<li>Benutzerfreundlichkeit: Einfache Erlernbarkeit und Bedienbarkeit.</li>
<li>Wartbarkeit: Fehler sollten einfach zu lokalisieren und zu beheben sein. Außerdem sollte die Software einfach zu ändern und zu erweitern sein.</li>
<li>Performanz: Angemessenes Laufzeitverhalten und Speicherbedarf.</li>
<li>Dokumentation: Für Benutzer und Entwickler wichtig.</li>
<li>Portabilität: Die Software sollte auf andere Rechner übertragbar sein.</li>
</ol>
<p>Bei einem objektorientierten Softwaresystem handelt es sich um eine Menge von Objekten, die sich gegenseitig Nachrichten schicken. Der Empfang einer Nachricht löst eine Operation des empfangenden Objekts aus. Ein Objekt ist eine Instanz einer Klasse. Man könnte auch sagen: Eine Klasse beschreibt eine Menge von Objekten mit gemeinsamen Merkmalen. Objekte bestehen aus Attributen, Operationen und Beziehungen zu anderen Objekten. Der Zustand eines Objekts wird durch die aktuellen Attributwerte und Beziehungen zu anderen Objekten bestimmt. Der Systemzustand ist folglich der Zustand aller zu einem Zeitpunkt existierenden Objekte.</p>
<p>Der Vorteil einer objektorientierten Modellierung besteht darin, dass Objekte der realen Welt auf ein objektorientiertes System abgebildet werden können. Objektorientierte Techniken können auf verschiedenen Ebenen der Systementwicklung eingesetzt werden, von Analyse, über den Entwurf bis hin zum Programm selbst. Durch die Objektorientierung bleibt auch bei größeren Projekten der Überblick besser erhalten. Außerdem sind objektorientierte Systeme einfach erweiterbar und wartbar und man kann evtl. einzelne Teile davon bei anderen Projekten wiederverwenden.</p>
<p>Es gibt 3 Bereiche der Softwaretechnik. Das sind&#8230;</p>
<ol>
<li>Software-Entwicklung: Anforderungsanalyse, Entwurf, Implementierung, Wartung und Dokumentation</li>
<li>Qualitätssicherung: Code-Inspection, Test, Validierung, Verifikation</li>
<li>Projektmanagement: Planung, Koordination, Kontrolle</li>
</ol>
<h3>2 &#8211; Arbeitsmodelle</h3>
<p>Es gibt einige Modelle, wie man an Softwareprojekte herangeht. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. So wirklich begeistert mich keines davon.</p>
<p>Zum einen gibt es das Wasserfallmodell. Es beschreibt Softwareentwicklung als sequentielle Abfolge: Anforderungsanalayse -&gt; Entwurf -&gt; Implementierung -&gt; Test -&gt; Wartung &amp; Einsatz. Der Nachteil des Wasserfallmodells ist, dass der Kunde das Produkt erst ganz am Ende validieren kann. Außerdem ist ein streng sequentielles Vorgehen gar nicht möglich, da Anforderungen sich manchmal ändern und Fehler oft erst später erkannt werden.</p>
<p>Die einzelnen Phasen möchte ich näher erläutern:</p>
<ul>
<li>Anforderungsanalyse: Sie dreht sich um die Frage &#8220;Was soll das System leisten?&#8221;. Sie basiert auf einer Anforderungsspezifikation, die der Entwickler mit dem Kunden (vertraglich) vereinbart. Sie dient als Grundlage für die weitere Entwicklung und legt z.B. eine grobe Terminplanung und Rahmenbedingungen fest.</li>
<li>Entwurf: Hier steht die Frage &#8220;Wie lösen wir das?&#8221; im Mittelpunkt. Der Entwurf legt die Systemarchitektur fest und spezifiziert einzelne Systemkomponenten. Ergebnis der Phase ist eine Entwurfsbeschreibung.</li>
<li>Implementierung: Der Entwurf wird in einer Programmiersprache codiert.</li>
<li>Test: einzelne Komponenten (Unit Tests), schrittweises Zusammenfügen der Einzelkomponenten mit jeweiligem Integrationstest, Systemtest und schließlich Abnahmetest.</li>
<li>Wartung: besteht aus Fehlerbeseitigung nach Inbetriebnahme und Änderung und Erweiterung des Systems. Sie verursacht 67% der Kosten (davon 40% zum Verständnis existierender Programme)</li>
</ul>
<p>Eine weitere Herangehensweise bietet das Iterative Modell. Hier wiederholen sich die Phasen nach einem Durchlauf wieder: Analyse -&gt; Entwurf -&gt; Implementierung -&gt;Test / Wartung -&gt; Analyse -&gt; &#8230;. Am Ende jedes Zyklus steht eine Version, die die vorherige verbessert und erweitert (sog. &#8220;evolutionäres Prototyping&#8221;). Vorteilhaft ist auch der häufige Kundenkontakt. Das Risiko besteht darin, dass die neu hinzukommenden Teile wegen der Anforderungen nicht zu den bestehenden passen.  Eine spezielle Ausprägung des Iterativen Modells ist der <em>Unified Process</em> (anwendungsfall-getrieben).</p>
<p>Ähnlich dazu ist das prototyp-orientierte Modell. Hier wird nur mit Prototypen agiert und diese mit den Wünschen des Kunden abgeglichen. Nachteilig ist allerdings, dass lange Zeit nur eine eingeschränkte Funktionalität angeboten werden kann, die Ergebnisse selten robust sind und schlechte Performanz haben.</p>
<p>Etwas bekannter ist auch XP, &#8220;Extreme Programming&#8221;. Dabei setzt man sich meist mit einem zweiten Entwickler an einen Rechner (4 Augen sehen mehr und schneller Fehler als zwei). XP ist test-getrieben. Es wird das einfachste implementiert, das funktioniert, das System restrukturiert (Refactoring) und dann getestet.</p>
<p>Schließlich gibt es noch das Spiralmodell, desssen Grundidee die Risikobeherrschung ist. Es beginnt mit einem Life-Cycle-Plan, und spiraliert dann nach außen über die Sektoren Risikoanalyse, der jeweils ein Prototyp folgt, Entwicklung und Validierung, Planung der nächsten Phasen, die ein Review enthält, und dem Festlegen von Zielen, Varianten, Bedingungen und Einschränkungen. Meines Erachtens zu kompliziert, um wirklich genutzt zu werden.</p>
<h3>3 &#8211; Statische Modellierung</h3>
<p>Ein statisches Modell beschreibt strukturelle und datenbezogene Eigenschaften, ein dynamisches Modell dagegen das Verhalten der Objekte, deren Zustandsänderungen und Interaktionen. Die Notation nutzt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Unified_Modeling_Language">UML</a> (Unified Modeling Language).</p>
<p>Der verlinkte Wikipedia-Artikel erklärt so ziemlich alles wichtige, deswegen werde ich davon absehen die entsprechenden Klassen- und Objektdiagramme durchzukauen. Die Beziehungen zwischen Klassen möchte ich allerdings herausgreifen. Darunter befinden sich die Möglichkeiten&#8230;</p>
<ul>
<li>Komposition: symbolisiert durch ausgefüllte Raute. Das Teil ist existenzabhängig vom Ganzen, wird erst nach ihm erzeugt und mit ihm gelöscht.</li>
<li>Aggregation: symbolisiert durch leere Raute. Gesamtheit-Teil-Beziehung.</li>
<li>Abhängigkeit: symbolisiert durch gestrichelte Linie plus Pfeil. Änderungen im Ziel verursachen mglw. Änderungen im abhängigen Element.</li>
<li>Vererbung: symbolisiert durch Linie mit leerer Pfeilspitze. Dabei ist die Oberklasse A die Generalisierung der Unterklasse B bzw. B die Spezialisierung von A. Es herrscht das <em>Substitutionsprinzip</em>, d.h. statt einem Objekt der Oberklasse kann ein Objekt der Unterklasse genutzt werden.</li>
<li>Schnittstellen: symbolisiert durch &#8220;&lt;&lt;interface&gt;&gt;&#8221; im Körper. Nutzende Klassen verbinden mit einem (gestrichelten) Pfeil, realisierende Klassen verbinden mit einer gestrichelten Linie mit leerer Pfeilspitze. Auch bei Schnittstellen herrscht das Substitutionsprinzip: Statt dem Interface-Typ kann auch die realisierende Klasse genommen werden. Schnittstellen sind ein wichtiges Strukturierungsmittel für flexible Softwarearchitekturen.</li>
</ul>
<p>Die einzelnen Elemente können verschiedene Sichtbarkeiten haben: öffentlich = für alle sichtbar (+name), privat = nur innerhalb der Klasse (-name), protected = in der Klasse und ihren Subklassen und außerhalb des Pakets, wenn Klasse öffentlich (#name) und schließlich komponenten-privat = nur innerhalb des Pakets (~name), was bei Java die Grundeinstellung ist.</p>
<p>Zur statischen Modellierung gehört auch die Betrachtung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anwendungsfalldiagramm">Use-Cases</a> (Anwendungsfälle). Dabei nehmen Aktoren gegenüber einem System eine Rolle ein. Die Anwendungsfälle beschreiben die Interaktionen zwischen den beteiligten Aktoren und sind auf eine bestimmte Aufgabe bezogen. Definiert ist ein Use-Case folgendermaßen:</p>
<blockquote><p>Ein Anwendungsfall ist eine Menge von verhaltensverwandten Sequenzen von Transaktionen, die durch ein System ausgeführt werden und ein messbares Ergebnis liefern.</p></blockquote>
<p>Sonderlich viel schlauer ist man nach der Definition allerdings nicht. Bei der Erstellung eines Use-Case-Modells geht man so vor:<br />
- Bestimmung der Aktoren, die mit dem System interagieren<br />
- Bestimmung der Anwendungsfälle aufgrund der von Aktoren gewünschten Aufgaben<br />
- Erstellung eines Use-Case-Diagramms<br />
- Beschreibung der Anwendungsfälle nach dem Schema: Name, Kurzbeschreibung, Vorbedingung, Nachbedingung, Standardablauf, Alternativabläufe und evtl. Aktivitätsdiagramm.</p>
<h3>4 &#8211; Dynamische Modellierung</h3>
<p>Zur Modellierung des dynamischen Verhaltens verwendet man Interaktionsdiagramme, Aktivitätsdiagramme und Zustandsdiagramme.</p>
<p>Die Dynamik ist stark von Ereignissen bestimmt. Es gibt 5 Arten von Ereignissen:</p>
<ol>
<li>Signal Event: Empfang eines Signals (z.B. &#8220;Knopf gedrückt&#8221;).</li>
<li>Call Event: Aufruf einer Operation (z.B. konto.einzahlen(50)&#8230;).</li>
<li>Change Event: Eine Bedingung wird wahr (z.B. when (temperatur &lt; 0)&#8230;).</li>
<li>Time Event: Ablauf einer Zeitvorgabe (z.B. after(5sec)&#8230;).</li>
<li>Completion Event: Beendigung einer Aktivität (z.B. &#8220;Internetseite geladen&#8221;).</li>
</ol>
<p><strong>Zustandsdiagramm</strong></p>
<p>Ein Zustandsdiagramm besteht aus einem Graph, dessen Knoten Zustände und dessen Kanten Transitionen sind. Die Transitionen werden bestimmt durch Ereignisse, die noch durch Bedingungen (<em>Guards</em>) und Aktivitäten ergänzt werden können. Die Bedingungen müssen <em>nach</em> Durchlaufen der Transition noch gelten.</p>
<p>Aktivitäten, die während eines Zustands ablaufen, können entweder als selbstbezogene Transition oder als innere Aktivität modelliert werden. Spezielle Aktivitäten sind entry (immer eingangs, nicht unterbrechbar), exit (immer ausgangs, n.u.), do (u.) und defer. Ein verzögertes Ereignis e, das mit e/defer markiert ist, aber im Zustand keine ausgehende Transition hat, wird aufbewahrt und erst dann verarbeitet, wenn sich das Objekt in einem anderen Zustand mit dieser Möglichkeit befindet.</p>
<p>Komplexe, sequentielle Unterzustände können mit einer umschließenden Box markiert werden. Wie normale Zustandsdiagramme können auch sie Start- und Endpunkt haben. Parallele Unterzustände markiert man mit horizontalen gestrichelten Linien, zwischen denen sich die nebenläufigen Zustände befinden.</p>
<p>Ein Zustand, dem eine Aktivität zugeordnet ist und der nur durch ein (evtl. bedingtes) Completion Event verlassen werden kann, heißt <em>Aktivitätszustand</em>. Ein Zustand, dem keine Aktivität zugeordnet ist, heißt <em>stabiler Zustand</em> oder <em>inaktiver Zustand</em>.</p>
<p><strong>Aktivitätsdiagramme</strong></p>
<p>Aktivitätsdiagramme dienen zur Darstellung des Ablaufs von Geschäftsprozessen, Use-Cases (s.u.) oder von Operationen. Ein Aktivitätsdiagramm ist ein gerichteter Graph, dessen Knoten Aktionen, Kontrollstrukturen und Daten sind, und dessen Kanten die Abläufe beschreiben. Aktivitätsdiagramme sehen ähnlich aus wie Zustandsdiagramme.</p>
<p>Fallunterscheidungen/Bedingungen modelliert man entweder durch Entscheidungsknoten (meist als Raute) oder durch einen Fork, dessen ausgehende Kanten die entsprechenden Bedingungen beinhalten (wie Guards bei ZD).</p>
<p><strong>Interaktionsdiagramme</strong></p>
<p>Interaktionsdiagramme sind entweder Kommunikationsdiagramme oder Sequenzdiagramme (SD). Beide Diagramme stellen i.W. die selbe Information dar.</p>
<p>Sequenzdiagramme heben die zeitliche Reihenfolge hervor, in der Nachrichten zwischen den Objekten versandt und empfangen werden. Sie verlaufen von oben nach unten (entlang der &#8220;Lebenslinie&#8221; der Objekte). Synchrone Nachrichten haben einen geschlossenen Pfeil, asynchrone einen offenen. Aktivierte Objekte haben ein fortlaufendes Rechteck auf ihrer Lebenslinie, das bei synchronen Nachrichten weiterläuft, solange auf die Rückgabe des Steuerungsfokus (gestrichelter offener Pfeil) gewartet wird. Alternative Abläufe (z.B. bei einer Fallunterscheidung) können durch ein entsprechendes überspannendes Feld markiert werden, das die entsprechenden Fälle nacheinander aufführt.</p>
<p>Kommunikationsdiagramme heben die strukturellen Beziehungen aller an einer Interaktion beteiligten Objekte hervor. Die zeitliche Reihenfolge wird durch fortlaufende Nummern dargestellt.</p>
<h3>5 &#8211; Gesamtbetrachtung</h3>
<p>Die Analysephase besteht aus den Abschnitten<br />
1. Use-Case-Analyse<br />
2. Entwicklung eines statischen Modells (Klassendiagramme)<br />
3. Entwicklung eines dynamischen Modells (Interaktions-, Zustands-, Aktivitätsdiagramme)<br />
4. Validieren, Überarbeiten und Erweitern der Modelle</p>
<p>Die in der Analyse erarbeiteten Dokumente (Use-Case-Modelle, Problembeschreibungen) dienen als Grundlage für die Entwicklung eines statischen Modells. Ihr Ziel ist ein Klassendiagramm (noch ohne Operationen). Dafür sind folgende Schritte notwendig:</p>
<ol>
<li>Klassen identifizieren (Personen, Organisationen, Gegenstände, &#8230;)</li>
<li>Assoziationen bestimmen (konzeptionelle Verbindung, Besitzverhältnis, &#8230;)</li>
<li>Attribute identifizieren</li>
<li>Vererbung einführen (durch Generalisierung und Spezialisierung)</li>
<li>Modell überarbeiten (fehlende Klassen, Typen, Multiplizitäten, &#8230;)</li>
</ol>
<p>Die Use-Case-Beschreibungen und das statische Modell sind schließlich der Input für den Entwurf von Interaktionsdiagrammen. Dazu identifiziert man die an einem Anwendungsfall beteiligten Objekte und die Nachrichten, die sie austauschen. Für jeden Anwendungsfall bzw. dessen Szenarien erstellt man dann ein oder mehrere Interaktionsdiagramme (i.d.R. Sequenzdiagramme).</p>
<p>Aufbauend auf den Interaktionsdiagrammen kann man dann Zustands- und Aktivitätsdiagramme entwickeln. Für jede Klasse mit &#8220;interessantem Verhalten&#8221; erstellt man ein Zustandsdiagramm.</p>
<p><em>Interessantes Verhalten</em> heißt, dass das Objekt einen nicht-trivialen (=zustandsabhängigen) Lebenszyklus hat, d.h.:<br />
1. Es gibt mindestens ein Ereignis, das in Abhängigkeit vom Objektzustand unterschiedliche Reaktionen auslösen kann.<br />
2. Mindestens ein Ereignis wird in bestimmten Zuständen ignoriert bzw. kann dort nicht auftreten.</p>
<p>Bei der Konstruktion eines Zustandsdiagramms ist wie folgt vorzugehen:</p>
<ol>
<li>Ein SD wählen, das eine typische Interaktion für ein Objekt der betrachteten Klasse zeigt (i.A. Primärszenario).</li>
<li>Der Lebenslinie des Objekts folgen und daraus eine Kette von Zuständen und Transitionen bilden, sodass<br />
- inaktive Phasen sind stabile Zustände<br />
- aktive Phasen sind Aktivitätszustände (Aufruf von lokalen Operationen)<br />
- eintreffende Ereignisse modelliert man durch Transitionen von stabilen Zuständen in Akt.zustände<br />
- Beendigung einer Aktivität ist eine Transition mit einem Completion Event von einem Akt.zustand in einen stabilen Zustand</li>
<li>Zyklen für sich wiederholende Folgen bilden.</li>
<li>Bei weiteren SDs für Objekte der betrachteten Klasse den Aktivitätszustand finden, wo die Sequenz vom bisherigen Verhalten abweicht und die neue Folge als Alternative an diesen Zustand anhängen.</li>
<li>Konstruiere Aktivitätsdiagramme für lokale Operationen, die in Aktivitätszuständen aufgerufen werden (siehe 2.)</li>
<li>Zustandsdiagramm verfeinern durch Einfügen von Bedingungen bei Transitionen, die von Aktivitätszuständen ausgehen.</li>
<li>Sekundärszenarien integrieren, soweit nötig.</li>
</ol>
<p>Nun kann man zum Objektentwurf ansetzen und &#8230;</p>
<ol>
<li>Operationen hinzufügen (aus den Sequenz- und Aktivitätsdiagrammen ersichtlich)</li>
<li>Assoziationen ausrichten</li>
<li>Zugriffsrechte bestimmen (dabei Attribute und Rollennamen nicht öffentlich)</li>
<li>Mehrfachvererbung auflösen (durch Einführung von Schnittstellen)</li>
<li>Wiederverwendung von Klassen einführen (durch Spezialisierung und Delegation)</li>
</ol>
<p>Delegation bedeutet dabei, ein Attribut der verwendenden Klasse mit einer Referenz auf die Instanz der wiederzuverwendenden Klasse zuzugreifen.</p>
<p>Wenn man nun will, dass der Objektentwurf das im Zustandsdiagramm beschriebene Verhalten realisiert, kann man dies mit einer der folgenden Möglichkeiten bewerkstelligen:</p>
<ol>
<li>Prozedurgesteuert: Ereignisse werden durch erzwungene Benutzereingaben realisiert (geht nur, wenn Objekt an der Systemgrenze). Nachteil: unflexibel.</li>
<li>Fallunterscheidung: Enumeration für die stabilen Zustände, explizites Zustandsattribut für betrachtete Klasse, zustandsabhängige Operationen durch Fallunterscheidung nach derzeitigem Zustand (siehe Attribut) realisieren. Nachteil: Bei neuen Zuständen muss jede Operation erweitert werden.</li>
<li>Zustandsobjekte: Jedes Objekt hat ein zugehöriges Zustandsobjekt. Der Aufruf einer zustandsabhängigen Operation wird an das Zustandsobjekt delegiert, das dann die gewünschte Aktivität ausführt. Bei Zustandsänderung wird ein neues Zustandsobjekt erzeugt und mit dem Basisobjekt verbunden. Nachteil: Bei neuen Operationen muss jeder Zustand erweitert werden. Siehe Design-Pattern <em>State</em>.</li>
<li>Zustandsmaschine: Alle Größen im Zustandsdiagramm (Zustände, Ereignisse, Transitionen, Aktivitäten) werden durch Objekte dargestellt. Ereignisse werden von einem <em>Event-Handle</em> (spezielle Operation) interpretiert. Das gesamte Zustandsdiagramm wird dann durch eine verzeigerte Objektstruktur repräsentiert.</li>
</ol>
<h3>6 &#8211; Systemarchitektur</h3>
<p>Die Systemarchitektur beschreibt die Gesamtstruktur des Softwaresystems durch Subsysteme (Pakete und Komponenten) und Beziehungen zwischen diesen Subsystemen. Dabei gelten folgende Grundregeln:</p>
<ol>
<li>Hohe Kohärenz: Zusammenfassung zusammengehörender Teile eines Systems in einem Subsystem.</li>
<li>Geringe Kopplung: Wenige Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Subsystemen.</li>
</ol>
<p>Der Vorteil davon ist, dass einzelne Teile dadurch leicht änderbar und austauschbar sind.</p>
<p>Gebräuchlich sind auch Schichtenarchitekturen, bekannt z.B. das OSI-Modell. Bei geschlossenen Architekturen darf eine Schicht nur auf die direkt darunterliegende Schicht zugreifen, ansonsten redet man von offenen Architekturen. Wenn verschiedene Schichten auf verschiedenen Rechnern sind, spricht man von Client-Server-Systemen. Eine Schicht kann selbst aus Subsystemen bestehen. Für die Softwaretechnik ist v.a. die <em>3-Schichten-Architektur </em>für betriebliche Informationssysteme von Belang:</p>
<ol>
<li>Benutzerschnittstelle</li>
<li>Anwendungskern</li>
<li>Datenbankschnittstelle</li>
<li>Datenbank</li>
</ol>
<p>Die Datenbank wird nicht zum System dazugerechnet. Ein &#8220;Thick-Client&#8221; hat 1 und 2 auf dem selben Rechner, ein &#8220;Thin-Client&#8221; (z.B. eine Web-Anwendung) hat 1 und 2 auf unterschiedlichen Rechnern. Die Betrachtung der 3-Schichten-Architektur führt zum <em>Model-View-Controller</em>-Muster (MVC), einem Verbund von Entwurfsmustern bzw. Design Patterns.</p>
<h3>7 &#8211; Design Patterns</h3>
<p>Um MVC wirklich zu verstehen, muss man ein paar Muster kennen. Entwurfsmuster wurden geschaffen, um für oft wiederkehrende Probleme, die zueinander ähnlich sind, eine standardisierte Lösung zu haben. Sie haben den Vorteil, dass die Lösungsprinzipien wiederverwendbar sind, man damit Entwürfe abstrakt dokumentieren kann und Entwickler damit ein gemeinsames Vokabular zur leichteren Verständigung haben.</p>
<p>Man kann die gängigen Entwurfsmuster in drei Klassen unterteilen:</p>
<ol>
<li>Creational Patterns: befassen sich mit der Erzeugung von Objekten. Beispiele sind Abstract Factory oder Singleton.</li>
<li>Structural Patterns: strukturelle Komposition von Objekten. Beispiele sind Adapter, Facade oder Composite.</li>
<li>Behavioral Patterns: Interaktion von Objekten und Verteilung von Verantwortlichkeiten. Beispiele sind Iterator, Observer, Template Method, State oder Strategy.</li>
</ol>
<p>Davon möchte ich einige herausgreifen. Zuerst die <em>Abstract Factory</em>. Sie stellt eine Schnittstelle zum Erzeugen mehrerer zusammengehöriger oder verwandter Objekte zur Verfügung, ohne dass dazu die konkreten Objektklassen benötigt werden.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 646px"><a href="http://www.apwebco.com/gofpatterns/creational/AbstractFactory.html"><img title="Abstract Factory" src="http://www.apwebco.com/images/AbstractFactory.gif" alt="Klassendiagramm der Abstract Factory" width="636" height="406" /></a><p class="wp-caption-text">Klassendiagramm der Abstract Factory</p></div>
<p>Auch wichtig ist das <em>Composite</em>-Pattern. Es erlaubt, sowohl einzelne als auch zusammengesetzte Objekte einer Baumstruktur einheitlich zu behandeln. Es wird zum Beispiel für die GUI-Komponenten (AWT/Swing) in Java genutzt.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 494px"><a href="http://www.apwebco.com/gofpatterns/structural/Composite.html"><img title="Composite" src="http://www.apwebco.com/images/Composite.jpg" alt="Klassendiagramm des Composite-Musters" width="484" height="306" /></a><p class="wp-caption-text">Klassendiagramm des Composite-Musters</p></div>
<p>Ein weiteres wichtiges Muster ist das <em>State</em>-Pattern. Es ermöglicht, dass ein Objekt sein Verhalten in Abhängigkeit von seinem Zustand ändern kann. Damit eignet es sich zur Realisierung von Zustandsdiagrammen via Zustandsobjekte.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 485px"><a href="http://ethdemor.springnote.com/pages/4132453"><img title="State" src="http://ethdemor.springnote.com/pages/4132453/attachments/2071953" alt="Klassendiagramm des State-Musters" width="475" height="248" /></a><p class="wp-caption-text">Klassendiagramm des State-Musters</p></div>
<p>Eines der wichtigsten und häufigsten Muster ist <em>Observer</em>. Es arbeitet wie ein Newsletter-Verteiler: Wenn es etwas neues über das observierte Objekt gibt, dann schickt es an alle Angemeldeten eine Änderungsnotiz.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 424px"><a href="http://www.codeproject.com/KB/architecture/applyingpatterns.aspx"><img title="Observer" src="http://www.codeproject.com/KB/architecture/applyingpatterns/observer.gif" alt="Klassendiagramm des Observer-Musters" width="414" height="308" /></a><p class="wp-caption-text">Klassendiagramm des Observer-Musters</p></div>
<p>Das vorhin genannte MVC ist eine Kombination aus Mustern, genauer gesagt eine Vereinigung von Observer, Strategy und Composite:</p>
<ul>
<li> View und Controller implementieren Strategy. Alle Entscheidungen über das Verhalten delegiert View an Controller. View bleibt so entkoppelt vom Model, mit dem nur der Controller interagiert.</li>
<li>View selbst kann als Composite modelliert werden, z.B. indem jede Anzeigenkomponente (z.B. Fenster) ein Kompositum oder ein Blatt (z.B. Button) ist. Eine Aktualisierung des Views ruft einfach die entsprechende Funktion im Wurzelknoten auf, der dann entsprechend dem Muster den Aufruf weiterreicht.</li>
<li>Das Observer-Muster findet beim Model seine Anwendung. Interessierte Objekte werden bei Zustandsänderungen des Models informiert. So könnte man bspw. mehrere Views an ein Model binden.</li>
</ul>
<p>MVC dient, wie bereits genannt, zur Implementierung der 3-Schichten-Architektur. Dabei dient View als Benutzerschnittstelle, Controller als Anwendungskern und Model als Datenbankanbindung. Diese Äquivalenz ist allerdings in Fachkreisen umstritten und wird von vielen Programmierern unterschiedlich gehandhabt (siehe dazu auch die Diskussionen im eher schlechten Wikipedia-Artikel).</p>
<p>Die &#8220;Kommunikation&#8221; im MVC spielt sich folgendermaßen ab:</p>
<ol>
<li>V-&gt;M &#8211; <em>attach()</em>: V bindet sich als Observer an M.</li>
<li>V-&gt;C &#8211; <em>handleEvent()</em>: Der Nutzer hat im Interface ein Event ausgelöst, die View reicht es an den Controller weiter.</li>
<li>C-&gt;V &#8211; <em>manipulate()</em>: C manipuliert V (z.B. ein Dialog &#8220;Bitte Warten&#8230;&#8221;).</li>
<li>C-&gt;M &#8211; <em>service()</em>: C weist M an, entsprechende Daten zu ändern.</li>
<li>M-&gt;V &#8211; <em>update()</em>: M schickt eine Änderungsnotiz an seine Observer.</li>
<li>V-&gt;M &#8211; <em>getData()</em>: V holt sich die neuen Daten.</li>
<li>V &#8211; <em>showData()</em>: V zeigt dem Nutzer die aktualisierte Sicht auf die Daten.</li>
</ol>
<h3>8 &#8211; Datenbankanbindung</h3>
<p>Es kann vorkommen, dass man Objekte in einer Datenbank speichern will. Das Objektmodell kann man folgendermaßen auf Tabellen/Relationen abbilden:</p>
<ul>
<li>Bei der Abbildung von Klassen wird für jede Klasse ein Primärschlüsselattribut eingeführt.</li>
<li>Bei Multiplizität A* &#8211; *B (viele zu viele) erstellt man eine eigene Relation mit den Schlüsseln von A und B.</li>
<li>Bei Multiplizität A* &#8211; (0..1)B bindet man den Schlüssel von B als Fremdschlüssel in A ein.</li>
<li>Bei Multiplizität 0..1 &#8211; 0..1 nimmt man den Schlüssel der einen als Fremdschlüssel in die andere Relation auf.</li>
<li>Bei Vererbung hat man wie gehabt eine Tabelle pro Klasse, muss allerdings beachten, dass bei Anfragen, die Objekte der Unterklassen betreffen, ggf. Einträge in mehreren Relationen berücksichtigt werden. Man könnte auch in die Tabellen der Unterklassen die geerbten Attribute eintragen. Wenn sich allerdings die Oberklasse ändert, müssen auch die Unterklassen geändert werden. Eine dritte Möglichkeit ist, eine Tabelle für alle zu nutzen. Dann muss man allerdings an manchen Stellen NULL-Werte eintragen.</li>
</ul>
<p>Der Rückweg (genannt <em>Materialisierung</em>) funktioniert umgekehrt analog.</p>
<p>So, das war&#8217;s erstmal wieder&#8230; genug Stoff zu lernen!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Datenbanksysteme</title>
		<link>http://denkreiz.de/254/datenbanksysteme/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 21:21:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Informatik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Die nächste Lernzusammenfassung, heute zum Thema Datenbanksysteme, das sich um relationale Datenbanken, deren Formalisierung, Modellierung und SQL drehen wird.</p>
<p>Inhalt:
1 &#8211; Grundlagen
2 &#8211; Relationale Algebra
3 &#8211; Relationenkalkül
4 &#8211; Joins und weitere Operationen
5 &#8211; Views
6 &#8211; E/R-Modell
7 &#8211; Normalisierung
8 &#8211; Transaktionen</p>
1 &#8211; Grundlagen
<p>Relationale Datenbanken bestehen aus Relationen. Relationen kann man als Tabelle sehen, als Teilmenge des kartesischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die nächste Lernzusammenfassung, heute zum Thema Datenbanksysteme, das sich um relationale Datenbanken, deren Formalisierung, Modellierung und SQL drehen wird.</strong></p>
<p><strong>Inhalt:<br />
1 &#8211; Grundlagen<br />
2 &#8211; Relationale Algebra<br />
3 &#8211; Relationenkalkül<br />
4 &#8211; Joins und weitere Operationen<br />
5 &#8211; Views<br />
6 &#8211; E/R-Modell<br />
7 &#8211; Normalisierung<br />
8 &#8211; Transaktionen<span id="more-254"></span></strong></p>
<h3>1 &#8211; Grundlagen</h3>
<p>Relationale Datenbanken bestehen aus Relationen. Relationen kann man als Tabelle sehen, als Teilmenge des kartesischen Produkts von Domains oder als Ausprägung eines Relationenschemas. Domains sind in dem Fall die Spalten einer Tabelle bzw. Attribute und geben einen Wertebereich bzw. Typ vor. Als Grad oder auch Stelligkeit bezeichnet man die Anzahl der Domains bzw. Spalten. Die Zeilen werden Tupeln genannt.</p>
<p>Die Reihenfolge der Tupeln ist egal. Für die Reihenfolge der Attribute gilt das nicht, da sie durch ein Schema vorgegeben ist. Eine Ausnahme hiervon ist das ungeordnete Relationenschema, bei dem die Domain über ihren Namen referenziert wird (z.B. tupel3(domain2) = &#8216;Eintrag&#8217;).</p>
<p>Um Tupeln referenzieren zu können, benötigt man einen eindeutigen Identifikator, auch Schlüssel genannt. Ein Schlüssel ist wie folgt definiert:</p>
<blockquote><p>Eine Teilmenge S der Attribute eines Relationenschemas R heißt Schlüssel, wenn gilt:</p>
<p>1. Eindeutigkeit: Keine Ausprägung von R kann zwei verschiedene Tupel enthalten, die sich in allen Attributen von S gleichen.</p>
<p>2. Minimalität: Keine echte Teilmenge von S erfüllt bereits die Bedingung der Eindeutigkeit.</p>
<p>Ein Schlüssel, der nur eindeutig ist, heißt Superschlüssel.</p></blockquote>
<p>Oder mathematischer:</p>
<blockquote><p>Sei r eine Relation über dem Relationenschema R und S eine Auswahl von Attributen und Teilmenge von R und t[S] ein Tupel t eingeschränkt auf die Attribute aus S (also alle anderen Attribute gestrichen). Dann muss für einen Schlüssel gelten:</p>
<p>1. Eindeutigkeit: Für alle möglichen Ausprägungen r und t1, t2 Element von r gilt: t1 =/= t2  =&gt;  t1[S] =/= t2[S].</p>
<p>2. Minimalität: Für alle Attributmengen S und T, die die Eindeutigkeit erfüllen, gilt: Wenn T eine Teilmenge von S ist, dann muss T = S sein.</p></blockquote>
<p>Es stellt sich natürlich die Frage, warum man unbedingt Datenbanken braucht. Man könnte ja stattdessen auch Dateien benutzen. Dateien haben allerdings zahlreiche Nachteile:</p>
<ul>
<li>Bei einer Änderung des Dateiformates (z.B. neue Attribute) müssen alte Dateien konvertiert werden und nutzende Programme angepasst werden (<em>logische Datenabhängigkeit</em>).</li>
<li>Daten werden anhand ihrer Position adressiert =&gt; Die Suche nach bestimmten Attributwerten muss im Programm kodiert werden (<em>physische Datenabhängigkeit</em>).</li>
<li>Die Redundanz bei der Datenhaltung führt zu Änderungsanomalien (später mehr dazu), es müssen viele Dateien nach Einträgen durchsucht werden.</li>
<li>Es gibt eine Schnittstellenproblematik, die zur Unübersichtlichkeit bei mehrfachen Zugriffen führt, und allgemein keine Zugriffssynchronisation.</li>
<li>Es gibt keinen ausreichenden Schutz vor Datenverlust bei Systemabstürzen oder anderen Defekten.</li>
<li>Es gibt nur eine unflexible Zugriffskontrolle, der Datenschutz ist mangelhaft.</li>
</ul>
<p>Deswegen verwendet man bei größeren geordneten Datenmengen ein Datenbanksystem, gerade wenn man spezielle Anforderungen hat. Diese können sein&#8230;</p>
<ol>
<li>Integration: Einheitliche Verwaltung aller von Anwendungen benötigten Daten, redundanzfreie Datenhaltung</li>
<li>Operationen: O. zur Speicherung, Recherche und Manipulation der Daten müssen vorhanden sein</li>
<li>Data Dictionary: Ein Katalog erlaubt Zugriffe auf die Beschreibung der Daten</li>
<li>Benutzersichten bzw. Views: Für unterschiedliche Anwendungen unterschiedliche Sichten auf den Bestand</li>
<li>Konsistenzüberwachung: DBMS überwacht die Korrektheit der Daten bei Änderungen</li>
<li>Zugriffskontrolle: Ausschluss unautorisierter Zugriffe</li>
<li>Transaktionen: Zus.fassung einer Folge von Änderungsoperationen zu einer Einheit, deren Effekt bei Erfolg permanent in die Datenbank gespeichert wird</li>
<li>Synchronisation: Vermeidung von unbeabsichtigten gegenseitigen Beeinflussungen bei mehreren gleichzeitigen Datenbanknutzern</li>
<li>Datensicherung: Nach System- oder Medienfehlern wird die Wiederherstellung ermöglicht (Rekonstruktion des Zustands der letzten erfolgreichen Transaktion)</li>
</ol>
<p>Ein Datenbanksystem kann man in 2 oder 3 Ebenen unterteilen.<br />
Das<em> 2-Ebenen-Modell</em> kennt eine Intensionale und eine Extensionale Ebene. Das Datenbankschema wird als Intensionale Ebene bezeichnet. Es beschreibt den möglichen Inhalt, Struktur- und Typinformationen (Metadaten) und das Datenmodell. Änderungen sind möglich, aber selten. Die Extensionale Ebene ist die Ausprägung der Datenbank. Dabei handelt es sich um den tatsächlichen Inhalt, Objektinformationen und Attributwerte. Die Struktur ist durch das Schema vorgegeben. Änderungen kommen häufig vor.<br />
Das <em>3-Ebenen-Modell</em> teilt das Datenbanksystem in externe, konzeptionelle und interne Ebene. Die externe Ebene ist die Sammlung der individuellen Sichten aller Nutzer (bzw. externer Schemata) und zeigt, was der Nutzer sehen will, und zeigt nicht, was er nicht sehen soll. Die konzeptionelle Ebene ist die logische Gesamtsicht aller Daten, die mit einer Data Definition Language (DDL) beschrieben wird (Schema). Es handelt sich also um das Datenmodell des Datenbanksystems. Die interne Ebene bezieht sich auf die physische Speicherung der Datensätze, also auf das interne Schema (sprich Indexstrukturen etc.).</p>
<p>Eine DDL dient zu Deklarationen zur Beschreibung des Schemas, also bei relationalen Datenbanken z.B. zum Anlegen und Löschen von Tabellen, Festlegen von Integritätsbedingungen, etc.. Eine DML (Data Manipulation Language) bietet hingegen Anweisungen zum Arbeiten mit den Daten in der Datenbank.</p>
<p>Zu unterscheiden sind zwei Arten der Datenunabhängigkeit, die oben schon erwähnt wurden:<br />
1. Logische Datenunabhängigkeit: Die Datenbank wird von Änderungen der Anwenderschnittstellen entkoppelt.<br />
2. Physische Datenunabhängigkeit: Die Anwendungen sind von Änderungen des internen Schemas nicht betroffen.</p>
<h3>2 &#8211; Relationale Algebra</h3>
<p>Die relationale Algebra ist die mathematische Formalisierung von Tabellen und darauf möglichen Operationen. Sie ist abgeschlossen, d.h. Operationsergebnisse sind wiederum Elemente der Menge. Grundoperationen der relationen Algebra sind Vereinigung, Differenz, Kartesisches Produkt, Selektion (Auswahl von Zeilen) und Projektion (Auswahl von Spalten).Der Durchschnitt lässt sich als Kombination von Differenzen modellieren (A n B = A-(A-B) ). Joins sind Kombinationen von Selektion und Kreuzprodukt. Die auftretende Duplikatelimination ist kostenintensiv, der Aufwand beträgt O(n²) bzw. nach Sortieren O(n log n). Eine weitere Operation ist der Quotient, der die Umkehrung des Kartesischen Produkts darstellt.</p>
<p>SQL-Anfragen entsprechen den Grundoperationen. SELECT steht für eine Projektion, FROM für das Kreuzprodukt, WHERE für eine Selektion, UNION erlaubt Vereinigung mit Duplikatelimination und EXCEPT die Differenz. Zwar sind in SQL im Gegensatz zur Relationalen Algebra die Operatoren nicht beliebig schachtelbar, trotzdem sind aber alle algebraischen Ausdrücke darstellbar. Man nennt es deswegen relational vollständig.</p>
<h3>3 &#8211; Relationenkalkül</h3>
<p>Während die Relationale Algebra beschreibt, <em>wie</em> man zum Ergebnis kommt (prozedural), zeigt das Relationenkalkül, <em>was</em> das Ergebnis sein soll (deklarativ). Es gibt zwei Kalküle, nämlich das Tupelkalkül (mit angegebenem Schema) und das Bereichskalkül.</p>
<p>Das <em>Tupelkalkül</em> fokussiert sich auf die Ergebnistupel und beschreibt ihre Eigenschaften. Das sieht beispielsweise so aus:</p>
<pre style="padding-left: 30px;">Schema(t) = Schema(Städte) ~ (Name, Einwohner, Land)
{t | Städte(t) ∧ t.Land = Bayern ∧ t.SEinw ≥ 500.000}</pre>
<p>Hier würden, die entsprechenden Relationen vorausgesetzt, die Tupel ausgewählt, die Großstädte in Bayern beinhalten. Das Tupelkalkül ähnelt nicht zufällig den aus der Mathematik bekannten Formulierungen zu Eigenschaften von Mengen. Die einzig freie Variable ist t, alle anderen Variablen müssen gebunden werden.</p>
<p>Das <em>Bereichskalkül</em> geht einen etwas anderen Weg und beschreibt den Bereich, in dem das Ergebnis liegt. Wieder ein anschauliches Beispiel:</p>
<pre style="padding-left: 30px;">{x3 | ∃ x2: (Städte(Passau, x2, x3) ) }</pre>
<p>Hier wird abgefragt, in welchem Land Passau liegt. Die Anfrage besagt, dass x3 (also das Land) gesucht ist und irgendein x2 existiert, sodass bei einem x1 = Passau entsprechende Tupel in der Relation Städte existieren, die zurückgegeben werden sollen. Angefragte Elemente werden nicht beim Existenzquantor aufgeführt, Fremdschlüssel nur einmalig.</p>
<h3>4 &#8211; Joins und weitere Operationen</h3>
<p>Nach dem kurzen Ausflug in die Kalküle nun zu weiteren Operationen in SQL (Structured Query Language). Dazu zählen Joins, Gruppierungsoperationen, Aggregatfunktionen, Sortierung und Quantoren.</p>
<p>Ein Join ist die Vermengung von zwei Relationen. Es gibt verschiedene Arten von Joins:<br />
- Inner Join: entspricht dem kartesischen Produkt eingeschränkt auf die Join-Bedingung, wobei die Tupeln ohne Joinpartner verloren gehen.. In SQL: SELECT * FROM a INNER JOIN b ON a.id = b.id<br />
- Outer Join: Tupeln ohne Joinpartner bleiben erhalten und werden mit NULL-Werten aufgefüllt.<br />
- Left bzw. Right Outer Join: linke bzw. rechte Relation bleibt verlustfrei<br />
- Natural Join: Join über identische Attributnamen (im obigen Beispiel &#8220;id&#8221;)<br />
- Cross Join: Kartesisches Produkt.</p>
<p>Gruppierungsoperationen werden mit GROUP BY eingeleitet, wobei alle Attribute der SELECT-Operation enthalten sein müssen. Einschränken kann man die Gruppierung mit HAVING, wobei nur Attribute aus der Gruppierung oder Aggregatfunktionen verwendet werden dürfen.</p>
<p>Sortieren ist möglich mit ORDER BY, bei Strings alphabetisch, bei Zahlen nach deren natürlicher Reihenfolge.</p>
<p>Aggregatfunktionen sind z.B. count(a), um die Vorkommen von a zu zählen, max(a), um das Maximum aller a zu bestimmen oder sum(a), um alle a zu summieren. Man kann sie entweder in der SELECT- oder in der HAVING-Anweisung verwenden, aber nicht in WHERE.</p>
<p>Quantoren sind ALL, SOME und ANY. Bei ALL müssen alle Elemente die spezifizierte Bedingung erfüllen, bei SOME einige und bei ANY irgendein Element. Quantoren finde ich nicht so intuitiv wie eine herkömmliche Formulierung, evtl. mittels Subqueries. Mann kann gottseidank auf sie verzichten.</p>
<p>Tabellen erstmal erstellen kann man mit CREATE TABLE name ( Attributdefinitionen ), siehe zusammenfassend <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datendefinition#SQL">hier</a>. Eine Attributdefinition hat die Form name typ integritätsbedingung. Löschen kann man sie wieder mit DROP TABLE name. Neue Datensätze kann man einfügen mit dem Befehl INSERT INTO name (spalte1, spalte2, &#8230;) VALUES (wert1, wert2, &#8230;). Die Tabelle ändern kann mittels ALTER TABLE name ADD attr varchar(30), um z.B. ein neues Attribut hinzuzufügen, ALTER TABLE name DROP attr, um es zu löschen, oder ALTER TABLE name MODIFY attr float(3), um das Attribut zu ändern. Möglich ist eine Änderung auch mittels UPDATE name SET spalte1 = wert1 WHERE bedingung.</p>
<h3>5 &#8211; Views</h3>
<p>Views dienen als abstrahierte Benutzersichten auf die Datenbank. Im Grunde sind Views nichts anderes als Relationen, die eine bestimmte Ansicht auf in der Datenbank vorhandene Relationen geben. Für den Benutzer sehen sie aus wie eine Relation, sind aber nicht real, sondern aus anderen Relationen berechnet. Der Befehl dazu ist (mit angefügtem Beispiel):</p>
<pre style="padding-left: 30px;">CREATE VIEW name AS
SELECT s.ort, s.einwohner, l.name, l.einwohner
FROM Städte s NATURAL JOIN Länder l
WHERE l.einwohner &gt; 5.000.000</pre>
<p>Löschen kann man sie mit DROP VIEW name. Auf Views sind alle Operationen erlaubt außer Sortieren. Probleme gibt es bei DISTINCT und arithmetischen Anweisungen. Dann sind Insert, Delete und Update nicht möglich. Join-Views sind außerdem nicht aktualisierbar. Reale Views nennt man materialisierte Views.</p>
<p>Rechte kann man mit GRANT rechteliste/all ON relation/view TO benutzerliste [WITH GRANT OPTION] erteilen.</p>
<h3>6 &#8211; E/R-Modell</h3>
<p>Das E/R-Modell stellt eine Möglichkeit dar, ein reales Problem als Beziehung von Entitäten zu formalisieren. Die Entitäten besitzen im Normalfall noch Attribute. Das E/R-Modell hilft bei der Umsetzung in ein relationales Datenbankschema, das man ablesen kann, indem man die Entitäten in Relationen umwandelt, die Attribute in deren Domains und die Beziehungen als Fremdschlüssel oder als Schlüsselpaar-Relationen modelliert.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 310px"><img title="E-R-Modell" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/a/ab/Er-diagramm.svg/300px-Er-diagramm.svg.png" alt="Beispiel für das E/R-Modell" width="300" height="241" /><p class="wp-caption-text">Beispiel für das E/R-Modell</p></div>
<p>Als Relationen für das obere Beispiel würden sich hier anbieten:<br />
Angestellter(Name, <span style="text-decoration: underline;">Kürzel</span>)<br />
Projekt(<span style="text-decoration: underline;">Kürzel</span>, <em>AngKürzel</em>)<br />
Unterstrichen bedeutet hierbei, dass das Attribut der Schlüssel der Relation ist, Kursivdruck, dass es sich um einen Fremdschlüssel handelt.</p>
<h3>7 &#8211; Normalisierung</h3>
<p>Um in allen Fällen aus dem E/R-Diagramm die entsprechenden Relationen lesen zu können und dabei kein problematisches Datenbankschema zu bekommen, nutzt man die Normalisierung.</p>
<p>Die möglichen Probleme sind v.a. Anomalien, die durch Redundanzen entstehen. Es gibt Insert-, Update- und Delete-Anomalien. Eine Insert-Anomalie tritt dann auf, wenn für das Einfügen eines Datensatzes ein Attribut nötig ist, das in der Realität dafür belanglos ist. Wenn in obiger Relation bspw. noch Projekt als Attribut in der Relation Angestellter wäre, könnte man keinen Angestellten hinzufügen, der noch keinem Projekt zugewiesen ist. Eine Update-Anomalie würde dann bspw. auftreten, wenn der Mitarbeiter mehreren Projekten zugewiesen ist, also mehrere Tupel belegt und man zur Änderung seines Kürzels nur auf eine Tupel zugreift (anstatt sie in allen zu ändern). Eine Delete-Anomalie wäre, wenn durch das Löschen aller Projekte einer Person der Datensatz zur Person verschwindet.</p>
<p>Redundanzen sind eng verknüpft mit dem Begriff der Funktionalen Abhängigkeit. Sie ist wie folgt definiert:</p>
<blockquote><p>Gegeben ein Relationenschema R und A, B als Mengen von Attributen bzw. Teilmengen von R.<br />
B ist genau dann von A funktional abhängig (A-&gt;B), wenn für alle möglichen Ausprägungen von R gilt:<br />
1. Für alle r, s ε R mit r.A = s.A gilt r.B = s.B<br />
2. Zu jedem Wert in A existiert genau ein Wert in B.</p></blockquote>
<p>Bei der <em>Funktionalen Abhängigkeit</em> (FA) handelt es sich um eine Verallgemeinerung des Schlüsselkonzepts. Der Unterschied zum Schlüssel besteht darin, dass ein Attribut auch von Nicht-Schlüssel-Attributen oder nur einem Teil des Schlüssels abhängig sein kann. Eine volle FA ist A-&gt;C, eine partielle FA A,B-&gt;C, wenn C in beiden Fällen nur von A funktional abhängig ist.</p>
<p>Es gibt auch mehrwertige Abhängigkeiten, die wie folgt definiert sind:</p>
<blockquote><p>Gegeben a,b,c ε R mit R = a u b u c (Vereinigung)<br />
b ist dann mehrwertig abhängig von a (a-&gt;-&gt;b), wenn für jede gültige Ausprägung von R gilt: Für jedes Paar aus Tupeln t1, t2 mit t1.a = t2.a, aber t1.bc =/= t2.bc existieren zwei weitere Tupel t3 und t4 mit den Eigenschaften:<br />
t1.a = t2.a = t3.a = t4.a<br />
t3.b = t1.b<br />
t4.b = t2.b<br />
t3.c = t2.c<br />
t4.c = t1.c<br />
Jede FA ist auch eine mehrwertige Abhängigkeit (MVD).</p></blockquote>
<p>Die triviale Abhängigkeit ist die Abhängigkeit eines Elements von sich selbst. Jedes Element ist von sich selbst abhängig.</p>
<p>Neben Schlüsseln gibt es auch Schlüsselkandidaten. Das sind Attribute, die als Schlüssel in Frage kommen. Als Beispiel: In der Relation Auto(HerstellerName, HerstellerNr, Modell) wären die Schlüsselkandidaten (HerstellerName, Modell) und (HerstellerNr, Modell).</p>
<p>Nachdem wir nun wissen, was Funktionale Abhängigkeiten und Schlüsselkandidaten sind, können wir uns an die Normalisierung wagen. Es gibt verschiedene Normalformen, die folgende Voraussetzungen haben:</p>
<ul>
<li>1. Normalform: Alle Attributwerte müssen atomar sein. In relationalen Datenbanken ist das eh nicht möglich (nur temporär bei GROUP).</li>
<li>2. Normalform: Jedes Attribut ist voll funktional abhängig von allen Schlüsselkandidaten (SK) oder prim, d.h. Teil eines SK. Sie besagt, dass es keine partiellen Abhängigkeiten geben soll.</li>
<li>3. Normalform: Für jede nichttriviale Abhängigkeit X-&gt;A gilt: X enthält einen SK oder A ist prim. Sie besagt, dass es keine transitiven Abhängigkeiten geben soll (z.B. A-&gt;C bei A-&gt;B-&gt;C). Außerdem besagt sie, dass es keine FA von nicht-primen Attributen geben soll.</li>
<li>Boyce-Codd-Normalform (BCNF): Für jede nichttriviale Abhängigkeit X-&gt;A gilt: X enthält einen SK. Der Grund dafür, dass die Prim-Möglichkeit der 3.NF wegfällt, ist, dass auch dort Anomalien auftreten können. In der obigen Relation Auto sind alle Attribute prim, aber HerstellerName-&gt;HerstellerNr. Solche Abhängigkeiten werden mit der BCNF eliminiert. Man könnte auch formulieren, dass es keine FA zwischen SK-Attributen geben darf.</li>
<li>4. Normalform: Für jede MVD a-&gt;-&gt;b gilt: Die MVD ist trivial oder a ist ein Superschlüssel.</li>
</ul>
<p>Die Normalisierung führt zu einem ausgegorenen Datenbankschema. Um die einzelnen Anforderungen zu erreichen, werden Abhängigkeiten in eigene Relationen ausgelagert. Bis zur 3. Normalform kann das ursprüngliche Schema verlustfrei und abhängigkeitserhaltend zerlegt werden.Normalisierung ist allerdings teilweise schädlich für die Performanz. Deswegen sollte man in der Realität nicht jede FA berücksichtigen, sondern lieber Integritätsbedingungen formulieren, um Anomalien zu vermeiden.</p>
<p>Zur Normalisierung bis in die 3. NF gibt es eine eingängliche Vorgehensweise, den Synthesealgorithmus. Er funktioniert wie folgt:<br />
1. Bestimmung der kanonischen Überdeckung<br />
1.1. Linksreduktion: Eliminierung partieller FA<br />
1.2. Rechtsreduktion: Eliminierung transitiver FA (dabei direkte FA auf leere Menge kürzen)<br />
1.3. Entfernen rechtsleerer FA, die evtl. in 1.2. entstanden sind<br />
1.4. Zusammenfassen von FA mit gleichen linken Seiten.<br />
2. Relationenschema bilden<br />
3. Rekonstruktion eines SK: Wenn SK nicht vollständig in einer Rel., dann neue Rel. bestehend aus SK<br />
4. Elimination überflüssiger Relationen (in anderen Rel. enthaltene Rel.)</p>
<p>Als Beispiel hierzu:<br />
Sei die Relation R(A,B,C,D,E) mit dem SK (A,B) gegeben mit den FA<br />
a) A -&gt; C, D   // = A-&gt;C und A-&gt;D<br />
b) A, B -&gt; C<br />
c) B, C -&gt; E<br />
d) A, B -&gt; E<br />
Die Schritte sind dann&#8230;<br />
1.1. b) wird zu A-&gt;C, B fällt weg, da a) schon besagt, dass A-&gt;C<br />
1.2. d) wird zu A,B -&gt; Ø, da es mit c) eine transitive Abh. gibt: A, B -&gt; B,C -&gt; E<br />
1.3. d) wird entfernt<br />
1.4. b) wird mit a) zusammengelegt, übrig geblieben sind a) A-&gt;C,D und c) B,C-&gt;E<br />
2. Relationenschema: R1(<span style="text-decoration: underline;">A</span>,C,D) und R2(<span style="text-decoration: underline;">B,C</span>,E)<br />
3. Rekonstruktion eines SK (hier A,B) nicht möglich, deswegen neue Relation R3(<span style="text-decoration: underline;">A,B</span>)<br />
4. Eliminierung überflüssiger Relationen hier nicht möglich, da keine überflüssig ist.</p>
<h3>8 &#8211; Transaktionen</h3>
<p>Eine Transaktion ist eine Folge von Befehlen, die die Datenbank von einem konsistenten Zustand in einen anderen konsistenten Zustand überführt, also ein Einheit integritätserhaltender Zuständsänderungen einer Datenbank.</p>
<p>Wichtig sind dabei als Aufgaben des Datenbankmanagementsystems (DBMS) Synchronisation bei Mehrfachzugriffen, Integritätserhaltung (Typintegrität, Schlüsselintegrität, Referentielle Integrität bzw. Fremdschlüsselintegrität) und Schutz gegen Datenverlust. Griffig formuliert wurden die Anforderungen an ein DBS bezüglich Transaktionen im sogenannten ACID-Prinzip:<br />
A = <em>Atomicity</em> = Atomarität: Eine Transaktion wird entweder ganz oder gar nicht in die Datenbank übernommen.<br />
C = <em>Consistency</em> = Konsistenz: Eine Transaktion führt von einem konsistenten Zustand zu einem konsistenten Zustand.<br />
I = <em>Isolation</em>: Ein Nutzer nimmt einen anderen bei gleichzeitigen Zugriffen nicht wahr.<br />
D = <em>Durability</em> = Persistenz: Eine abgeschlossene Transaktion bleibt dauerhaft in der Datenbank erhalten.</p>
<p>Befehle für Transaktionen sind BOT (Begin Of Transaction), der bei SQL implizit ist, EOT (End Of Transaction), bei SQL heißt es COMMIT, abort (SQL: ROLLBACK [TO name]) und save (SAVEPOINT name).</p>
<p>Bei Transaktionen können Fehler und Anomalien auftreten. Fehler sind entweder Transaktionsfehler (z.B. Fehler im Anwendungsprogramm, Deadlock), Systemfehler (z.B. Stromausfall, OS-Absturz) oder Medienfehler (z.B. Festplattencrash). Sie können durch Lokales Undo (Rücksetzung auf BOT), Globales Undo (Rücksetzung aller nicht-abgeschlossenen Transaktionen in der DB) und Globales Redo (Nachführen aller bereits abgeschlossenen Transaktionen, die noch nicht in der DB sind) überwunden werden. Dazu braucht es Zusatzinformationen aus einer Logdatei, die alle Aktionen protokolliert.</p>
<p>Anomalien können bei unkontrolliertem Mehrbenutzerbetrieb auftreten. Das können verlorengegangene Änderungen (<em>Lost Updates</em>, verursacht durch Überschreiben) oder der Zugriff auf schmutzige Daten (<em>Dirty Read/Write</em>, Lesen und Schreiben auf geänderten Werten, die später zurückgesetzt werden) oder nicht reproduzierbares Lesen sein (<em>Non-Repeatable Read</em>, nochmaliges Auslesen liefert anderen Wert durch Änderungen einer anderen Transaktion). Eine Ausprägung des <em>Non-Repeatable Read</em> ist das &#8220;Phantomproblem&#8221;, das beim Auslesen Aggregatfunktionen nutzt, deren Ergebnis nicht mit der Anfrage in Einklang zu bringen ist, da zwischendrin eine DB-Änderung durch eine andere Transaktion stattfand.</p>
<p>Diese Synchronisationsprobleme treten nur bei Schreibvorgängen auf. Um ihnen zu entgehen, nutzt man entweder <em>Locking</em> als pessimistische Ablaufsteuerung oder ein <em>Zeitstempelverfahren</em> als optimistische Ablaufsteuerung. Locking ist das Standardverfahren und sperrt bei kritischen Transaktionen die betroffenen Ressourcen. Beim Zeitstempelverfahren werden Transaktionen im Konfliktfall zurückgesetzt. Es ist deswegen nur geeignet, wenn Konflikte zwischen Schreibern selten auftreten. Es ist auch möglich, zur Performanzverbesserung mit SET TRANSACTION READ-ONLY festzulegen, dass eine Transaktion nur lesend zugreift.</p>
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		</item>
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		<title>Markupsprachen und semistrukturierte Daten</title>
		<link>http://denkreiz.de/248/markupsprachen-und-semistrukturierte-daten/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 21:19:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Technik]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Informatik]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Mal wieder eine Zusammenfassung meines Lernaufwands des vergangenen Monats, um mir das ganze leichter einzuprägen und nochmal gedanklich zu ordnen. Heute zum Thema &#8220;Markupsprachen und semistrukturierte Daten&#8221;, ein Überblick von HTML und XML bis Googles Funktionsweise.</p>
<p>Inhalt:
1 &#8211; Herkunft und Begriffsdefinition
2 &#8211; HTML und CSS
3 &#8211; XML, DTD und XML-Schema
4 &#8211; XPath, XQuery, XSLT
5 &#8211; RDF, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mal wieder eine Zusammenfassung meines Lernaufwands des vergangenen Monats, um mir das ganze leichter einzuprägen und nochmal gedanklich zu ordnen. Heute zum Thema &#8220;Markupsprachen und semistrukturierte Daten&#8221;, ein Überblick von HTML und XML bis Googles Funktionsweise.</strong></p>
<p><strong>Inhalt:<br />
1 &#8211; Herkunft und Begriffsdefinition<br />
2 &#8211; HTML und CSS<br />
3 &#8211; XML, DTD und XML-Schema<br />
4 &#8211; XPath, XQuery, XSLT<br />
5 &#8211; RDF, SPARQL<br />
6 &#8211; </strong><strong>Information Retrieval und Suchmaschinen<span id="more-248"></span></strong></p>
<h3>1 &#8211; Herkunft und Begriffsdefinition</h3>
<p>Markupsprachen sind Sprachen zur Auszeichnung von Text (und anderen Daten). Früher diente &#8220;Markup&#8221; den Typographen im Druckergewerbe für Notizen im Text, um z.B. zu wissen, welcher Abschnitt kursiv gedruckt werden soll. Außerdem wurde eine Druckseite zu Zeiten der Schreibmaschine als Matrix (bzw. Array) organisiert, sprich in gleich große Zeilen und Spalten unterteilt. Diese Festlegung bewirkt zahlreiche Probleme, darunter die Beschränkung auf ein unhandliches Layout, das teilweise der Struktur nicht gerecht wird, und zuvorderst die Schwierigkeit, einen bereits geschriebenen Text zu editieren.</p>
<p>Deswegen schwenkte man in der PC-Ära auf die sogenannte &#8220;Spaghetti&#8221;-Repräsentation um, d.h. der Text ist eine fortlaufende Zeile. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass man für ein Update nur die Zeichennummer wissen muss (bzw. die Adresse/Pointer), wo man ein Zeichen einfügen, löschen oder ändern will. Editieren wird somit viel leichter. Der Nachteil ist allerdings, dass der Speicher dabei zugemüllt wird. Damit wird eine Bereinigung (<em>Garbage Collection</em>) nötig. Ein sehr großer Vorteil der &#8220;Spaghetti&#8221; ist außerdem, dass ein und die selbe Datenstruktur leicht auf unterschiedliche Weise darstellbar ist, z.B. die Anzeige zwischen lateinischen (l.n.r.), japanischen (o.n.u.) oder arabischen (r.n.l.) Zeichen wechseln kann, ohne  dass man die komplette Matrix umschreiben müsste. Es genügen dafür entsprechende Layout-Anweisungen, auf die später noch eingegangen wird.</p>
<p>Heute dient Markup zur Datenmodellierung (bzw. Textformatierung), Datenstrukturierung (Repräsentation der logischen oder semantischen Struktur von Dokumenten) und zum Datenaustausch. Aus allen drei Bereichen sind Markupsprachen nicht mehr wegzudenken. XML und darauf basierende Eigenentwicklungen nehmen dabei eine herausragende Rolle ein.</p>
<p>Markup kann man in drei Arten unterteilen:<br />
1. Spezifisches Markup: Dabei handelt es sich um layout-orientiertes Markup wie z.B. bei PostScript oder anderen Seitenbeschreibungssprachen. Dazu passende HTML-Befehle wären z.B. &lt;b&gt; oder &lt;i&gt; für Fett- bzw. Kursivdruck.<br />
2. Generalisiertes Markup ist dagegen struktur-orientiert. HTML, LaTeX und RTF besitzen sowohl spezifische wie auch generalisierte Elemente. Ein Beispiel für diesen Bereich wäre MathML. Generalisiertes Markup für Fett- und Kursivdruck in HTML wären &lt;strong&gt;  und &lt;em&gt;.<br />
3. Generisches Markup: Dazu zählen Metasprachen wie XML, mit deren Hilfe man selbst Markupsprachen entwickeln kann. Das obige Beispiel generisch weitergedacht würde z.B. &lt;betont&gt; als Element einführen.</p>
<h3>2 &#8211; HTML und CSS</h3>
<p>Seinen geschichtlichen Ursprung hat HTML am CERN in Genf, wo Tim Berners-Lee Ende der 80er eine Markupsprache entwickelte, um einfach wissenschaftliche Dokumente mit anderen austauschen zu können und darin Links zu Quellen zu plazieren. Wenig später wurde das WWW begründet und dazu das Konsortium (W3C) gegründet, das über HTML wachen sollte. 1992 wurde es erstmals standardisiert. Das W3C gab über die Jahre zahlreiche Empfehlungen zur HTML-Implementierung heraus (&#8221;Recommendations&#8221;), die es mit den großen Firmen der Branche erarbeitet. Im Jahr 2000 erschien XHTML, eine Anpassung von HTML an die XML-Spezifikationen, v.a. eine striktere Syntax mit dem Ziel einer einfacheren Interpretation durch Web-Browser und Prüfungswerkzeugen.</p>
<p>Ein (X)HTML-Dokument ist ähnlich aufgebaut wie ein XML-Dokument. Es besteht aus einem Prolog, der Sprache, Grammatik und Zeichensatz festlegt, einem Kopfteil bzw. &#8220;Head&#8221;, der den Titel des Dokuments, Links z.B. zu Stylesheets, Skripte und Metadaten beinhaltet und die Wiedergabe des Dokuments definiert und schließlich einem Körper bzw. &#8220;Body&#8221;, der den eigentlichen Text beinhaltet. Das sieht beispielsweise so aus:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;?xml version=&#8221;1.0&#8243; encoding=&#8221;iso-8859-1&#8243;?&gt;<br />
&lt;!DOCTYPE html PUBLIC &#8220;-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN&#8221;<br />
&#8220;http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd&#8221;&gt;</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;html xmlns=&#8221;http://www.w3.org/1999/xhtml&#8221; xml:lang=&#8221;en&#8221; lang=&#8221;en&#8221;&gt;</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;head&gt;<br />
&lt;meta http-equiv=&#8221;Content-Type&#8221; content=&#8221;text/html; charset=iso-8859-1&#8243;&gt;&lt;/meta&gt;<br />
&lt;meta name=&#8221;Author&#8221; content=&#8221;Beispielmacher&#8221; /&gt;<br />
&lt;title&gt;<br />
Beispieldokument<br />
&lt;/title&gt;<br />
&lt;link rel=&#8221;stylesheet&#8221; type=&#8221;text/css&#8221; href=&#8221;myStylesheet.css&#8221;&gt;&lt;/link&gt;<br />
&lt;script src=&#8221;/pmsmail.js&#8221; type=&#8221;text/javascript&#8221;&gt;&lt;/script&gt;<br />
&lt;style type=&#8221;text/css&#8221;&gt;<br />
&#8230;<br />
&lt;/style&gt;</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;/head&gt;<br />
&lt;body&gt;<br />
&#8230;.<br />
&lt;/body&gt;</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;/html&gt;</p>
<p>Hier bestimmt die erste Zeile, welche XML-Version und welcher Zeichensatz benutzt wird. Diese Zeile ist im Web eher unnötig und führt z.B. beim Internet Explorer zu einem Performanzverlust. Die zweite weist zur DTD, die wir später noch besprechen werden. Der Header beginnt nach dem &lt;html&gt;-Tag, der zusätzlich noch Namensraum und Sprache festlegt. Im Header ist wieder ein (hier redundanter) Hinweis auf den Zeichensatz gegeben (besser als Zeile 1 für IE) und ein Beispiel für die Integration von einem Stylesheet und einer JavaScript-Datei.</p>
<p><strong>CSS</strong></p>
<p>Nun war schon öfter die Rede von Stylesheets. Sie sind eine geordnete Sequenz von Regeln und werden genutzt, um der durch XHTML beschriebenen Struktur ein Layout zu geben. CSS (<em>Cascading Stylesheets</em>) ist hier das Mittel der Wahl. &#8220;Cascading&#8221; besagt hierbei, dass im Konfliktfall die geltende Regel nach einem kaskadierenden Muster ausgewählt wird, sprich die verschiedenen Regeln nach Wichtigkeit (<em>Spezifizität</em>) durchgegangen werden und die wichtigste ausgewählt wird.</p>
<p>CSS kann entweder als externe Datei eingebunden werden (wie oben im Beispiel mit &lt;link rel&#8221;stylesheet&#8221; &#8230;&gt;) oder im Header als Style-Anweisung (&lt;style type=&#8221;text/css&#8221;&gt;&#8230;) oder man schreibt die Regeln direkt in die entsprechenden Tags (z.B. &lt;td style=&#8221;text-align:right;&#8221;&gt;).Eine weitere Alternative ist die Einbindung über eine Import-Anweisung im Stylesheet (@import url(myStyles.css) ).</p>
<p>Die besagten Regeln bestehen aus einem oder mehreren Selektoren und einer Liste aus Deklarationen, die wiederum einer Eigenschaft einen Wert zuweisen. Ein Beispiel hierzu:</p>
<pre style="padding-left: 30px;">em, tt { text-align:right; font-size:170%; }</pre>
<p>&#8230; besagt, dass der Text innerhalb der Tags &lt;em&gt; und &lt;tt&gt; rechtsausgerichtet ist und 170% der normalen Größe hat. Bei CSS erben die Elemente die Eigenschaften ihrer Eltern-Elemente. Ausnahmen hiervon sind Eigenschaften wie background.</p>
<p><strong>Hypertextmodell</strong></p>
<p>Hypertext besticht dadurch, dass man Links zu anderen Seiten einbetten kann. Das Modell von HTML sieht dabei nur Links von einer Quelle zu einem Ziel vor. Mit dieser Limitierung sind einige Nachteile verbunden: Der Link wird im Anker (&lt;a href=&#8221;..&#8221;&gt;) bzw. der Quelle spezifiziert, was nach sich zieht, dass man bei 1000 Links zu einem bestimmten Ziel diese 1000 Links ändern muss, wenn sich die Adresse des Ziels ändert. Eine intuitive Lösung für dieses Problem ist eine <em>Link-Base</em>, die dem Index eines Lexikons entspricht. Dann muss bei einem Update nur ein Eintrag geändert werden. Andere Modelle wie <em>XLink</em> oder <em>Hytime</em> bieten auch Links zu mehreren Zielen, rückwärts begehbare bzw. multidirektionale Links und personalisierbare bzw. kontextualisierte Links.</p>
<p>Neuere Entwicklungen in dieser Richtung sind <em>Redirection</em>-Seiten wie TinyURL oder BitLy, die v.a. durch Twitter notwendig wurden. Eine weitere Entwicklung ist die <em>Typisierung</em> von Links. Bekannt sind die Attribute rel=&#8221;noindex&#8221; (Suchmaschinen-Bots sollen dem Link nicht folgen) und rel=&#8221;nofollow&#8221; (Suchmaschinen sollen Link nicht werten, s.u.). Des Weiteren gibt es noch z.B. rel=&#8221;canonical&#8221; (um bei inhaltsgleichen Dokumenten eine primäre URI zu spezifizieren, die von Suchmaschinen bevorzugt werden soll).</p>
<h3>3 &#8211; XML, DTD und XML-Schema</h3>
<p>XML erblickte 1998 das Licht der Welt und ist heute die meistverbreitete Markupsprache im Bereich Datenmodellierung und Datenaustausch.</p>
<p>Obiges XHTML-Dokument zeigt schon den Aufbau eines XML-Dokuments. Es besteht aus einem Prolog, der Spezifikation des Dokumentbaums und evtl. Prozessanweisungen (für alle möglichen Anwendungen). Der Prolog setzt sich zusammen aus einer XML-Deklaration samt Zeichensatz (hier im Gegensatz zu oben verpflichtend), evtl. Prozessanweisungen und optional der Deklaration einer DTD. Der Dokumentbaum besteht aus einem Wurzelknoten und (meistens) weiteren Zweigknoten und Blättern. Auch Text (Strings) ist als Blattknoten zu begreifen.</p>
<p>XML erweitert seinen Vorgänger SGML um ein Hypertextmodell und verbietet außerdem Tag-Minimierung, d.h. &lt;li&gt;bla&lt;li&gt;blub ist nicht erlaubt; geöffnete Tags müssen geschlossen werden (&lt;li&gt;&#8230;&lt;/li&gt;). Das erleichtert die Auswertung und die Nutzung einer kontextfreien Grammatik.</p>
<p>Ein XML-Dokument kann wohlgeformt und valide sein. Wohlgeformt ist es dann, wenn es einen Wurzelknoten besitzt und die Klammerung der Zweigelemente konsistent ist (also keine Minimierung). Valide ist ein Dokument, wenn es wohlgeformt ist und der spezifizierten DTD entspricht.</p>
<p>Der Unterschied zwischen XML und HTML ist hauptsächlich, dass HTML spezifisch und generalisiert ist, während XML generisches Markup ist. Außerdem bietet XML ein ausgeklügelteres Hypertextmodell (s.o.).</p>
<p><strong>DTD</strong></p>
<p>Eine DTD (Document Type Definition) ist eine kontextfreie Grammatik, d.h. der Kontext ist belanglos für das jeweilige Element. Das bedeutet aber auch, dass z.B. bei einem Element &lt;person&gt; und einem Element &lt;unternehmen&gt; kein Element &lt;adresse&gt; gleichzeitig bei beiden benutzt werden kann. Dies ist nicht die einzige ernsthafte Beschränkung, wie wir gleich sehen werden.</p>
<p>Eine DTD besteht aus Markup-Deklarationen, die eine Grammatik für eine Klasse von Dokumenten festlegen. Sie sieht beispielsweise so aus:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;!DOCTYPE transaktion [<br />
&lt;!ELEMENT transaktion (buecherei,kunde,notiz,buecher)*&gt;<br />
&lt;!ATTLIST transaktion datum CDATA #REQUIRED&gt;<br />
&lt;!ELEMENT buecherei (name,strasse,ort,land)&gt;<br />
&lt;!ATTLIST buecherei tel CDATA #REQUIRED&gt;<br />
&lt;!ELEMENT name (#PCDATA)&gt;<br />
&lt;!ELEMENT strasse (#PCDATA)&gt;<br />
usw...<br />
]&gt;</p>
<p>Im DOCTYPE wird das Wurzelelement spezifiziert. ELEMENT tut dasselbe für Elemente, ATTLIST erstellt Attributlisten für ein Element und es gibt auch noch ENTITY als Möglichkeit zur Abkürzung und NOTATION für Anmerkungen. REQUIRED bedeutet, dass das Attribut vorkommen muss, IMPLIED bedeutet, dass es optional ist, FIXED wert, dass es eine Konstante ist. CDATA ist einfacher Text. Kindelemente können entweder eine geordnete Sequenz sein (a,b,c) oder frei angeordnet sein (a|b|c). ? hinter Elementen oder Sequenzen heißt 0- oder 1-mal, * heißt 0- bis n-mal und + heißt 1- bis n-mal.</p>
<p>Attribute können auch eine ID oder IDREF sein, also ein Identifier oder eine Referenz auf einen Identifier. Damit können Zusammenhänge bzw. Querverweise innerhalb des Dokuments hergestellt werden.</p>
<p>Eine weitere Einschränkung einer DTD ist, dass bei freien Sequenzen eine freie Ordnung nicht leicht zu spezifizieren ist. Möchte man z.B. festlegen, dass die Kindelemente entweder (a,b) oder (a,c) sind, kann man nicht einfach ((a,b)|(a,c)) schreiben, da der Prozessor eine deterministische DTD verlangt. Stattdessen muss man (a,(b|c)) schreiben. Für größere Mengen und Permutationen wird eine solche Auflistung zur Horroraufgabe. Auch XML-Schema schafft da keine Abhilfe, erst RelaxNG.</p>
<p><strong>XML-Schema</strong></p>
<p>Im Unterschied zu DTDs ist bei XML-Schema eine kontextabhängige Interpretation eines Elements wegen der lokalen Typspezifikation möglich. XML-Schema bietet außerdem viele simple Datentypen (string, float etc.), abgeleitete Typen (&#8221;derived&#8221;; token, ID, integer&#8230;) und komplexe, selbst-erstellbare Datentypen. Dabei können Intervallrestriktionen festgelegt werden (z.B. Konto darf nicht überzogen werden) oder Constraints (z.B. nicht mehr als 10 Bücher dürfen ausgeliehen werden) und vorhandene Elemente oder Attribute erweitert werden. Gut ist auch, dass XML-Schema selbst in XML ist, also von XML-Parsern gelesen und geprüft werden kann. Vorteile gegenüber DTDs sind also Typisierung, Restriktionen/Constraints und &#8220;Parsebarkeit&#8221;.</p>
<p>Beispiel:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;xsd:schema&gt;<br />
&lt;xsd:complexType name=&#8221;transaktion&#8221;&gt;<br />
&lt;xsd:attribute name=&#8221;datum&#8221; type=&#8221;xsd:date&#8221;/&gt;<br />
&lt;xsd:sequence&gt;<br />
&lt;xsd:element name=&#8221;buecherei&#8221; type=&#8221;info&#8221;/&gt;<br />
&lt;xsd:element name=&#8221;kunde&#8221; type=&#8221;info&#8221;/&gt;<br />
&lt;xsd:element name=&#8221;notiz&#8221; type=&#8221;xsd:string&#8221;/&gt;<br />
&lt;xsd:element name=&#8221;buecher&#8221; type=&#8221;buecher&#8221;/&gt;<br />
&lt;/xsd:sequence&gt;<br />
&lt;/xsd:complexType&gt;</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;xsd:complexType name=&#8221;info&#8221;&gt;<br />
&lt;xsd:attribute name=&#8221;tel&#8221; type=&#8221;xsd:string&#8221;&gt;<br />
&lt;xsd:pattern value=&#8221;[0-9][1-9][1-9]-[.......]&#8230;.&#8221;/&gt;<br />
&lt;xsd:attribute&gt;<br />
&lt;xsd:sequence&gt;<br />
&lt;xsd:element name=&#8221;name&#8221; type=&#8221;xsd:string&#8221;/&gt;<br />
usw&#8230;<br />
&lt;/xsd:sequence&gt;<br />
&lt;/xsd:complexType&gt;</p>
<p style="padding-left: 30px;">&lt;xsd:complexType name=&#8221;buecher&#8221;&gt;<br />
&lt;xsd:element name=&#8221;buch&#8221; maxOccur=&#8221;10&#8243;&gt;<br />
&lt;xsd:complexType&gt;<br />
&lt;xsd:attribute name=&#8221;buchID&#8221; type=&#8221;xsd:string&#8221;/&gt;<br />
&lt;xsd:element name=&#8221;titel&#8221; type=&#8221;xsd:string&#8221;/&gt;<br />
usw&#8230;<br />
&lt;/xsd:complexType&gt;<br />
&lt;/xsd:element&gt;<br />
&lt;/xsd:complexType&gt;<br />
&lt;/xsd:schema&gt; <span><br />
</span></p>
<p>Die Ähnlichkeiten zu DTDs ist unverkennbar. Elternelemente werden zu ComplexTypes, Sequenzen zu Sequences und es können eben auch noch Typen festgelegt und Einschränkungen getroffen werden. Es ist auch möglich, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/XML_Schema#Eindeutige_Schl.C3.BCssel">Schlüssel</a> wie bei Datenbanken zu definieren.</p>
<h3>4 &#8211; XPath, XQuery, XSLT</h3>
<p>XPath ist eine Abfragesprache, um Teile des XML-Dokuments zu adressieren. Es dient als Grundlage u.a. für XML-Schema, XQuery und XSLT. Viel mehr als der gute <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/XPath">Wikipedia-Artikel</a> kann man über XPath nicht erzählen. Einzig noch, dass eine Achsennavigation über Siblinge mit der Kurzschreibweise nicht möglich ist und dass die Auswertung in polynomieller Zeit erfolgt.</p>
<p>XQuery benutzt für Pfadausdrücke, wie eben erwähnt, XPath. Grob besteht die Syntax aus sog. FLWOR-Ausdrücken (sprich &#8220;Flower&#8221;). Die heißen deswegen so, weil die entsprechenden Schlüsselwörter FOR, LET, WHERE, ORDER BY und RETURN sind. Ein einfaches XQuery-Beispiel für ein Dokument, das obiger DTD entspricht, wäre:</p>
<p style="padding-left: 30px;">FOR $buecherei IN //buecherei<br />
WHERE $buecherei/name = &#8220;Dombücherei&#8221;<br />
ORDER BY $buecherei/name<br />
RETURN &lt;p&gt;{$buecherei/ort} hat eine Dombücherei.&lt;/p&gt;</p>
<p>Hier wird per XPath jedes Element &lt;buecherei&gt; ausgewählt. Die Where-Bedingung beschränkt die Auswahl dann auf die Büchereien, deren Name &#8220;Dombücherei&#8221; ist. Dann wird das ganze noch alphabetisch nach Namen sortiert und dann nacheinander jede dementsprechende Bibliothek mit dem selben Satz gewürdigt.</p>
<p>XSLT dient zur Transformation von XML-Dokumenten. Eine solche Funktionalität wird dann benötigt, wenn das Ausgangsdokument nicht zur gewünschten Spezifikation passt, also man z.B. statt &lt;antlitz&gt; sonst immer &lt;gesicht&gt; genutzt hat und deswegen eine solche Umwandlung wünscht. XSLT schafft dies mittels Transformationsregeln, sog. &#8220;Matching Rules&#8221; bzw. &#8220;Template Rules&#8221;. Ein Beispiel:</p>
<pre style="padding-left: 30px;"><span><span>&lt;xsl:template</span> <span>match</span>=<span>"//name"</span><span>&gt;</span></span>
  <span><span>&lt;i<span>&gt;</span></span></span>
    <span><span>&lt;xsl:apply-templates</span><span>/&gt;</span></span>
  <span><span>&lt;/i<span>&gt;</span></span></span>
<span><span>&lt;/xsl:template<span>&gt;</span></span></span></pre>
<p>Hierbei wird dann im Zieldokument jeder Name kursiv geschrieben. Auch S<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/XSL_Transformation#Sortierung_und_bedingte_Ausgabe">ortieren und Bedingungen</a> sind möglich.</p>
<h3>5 &#8211; RDF, SPARQL</h3>
<p>SPARQL ist eine Anfragesprache für RDF (Resource Description Framework). Dabei handelt es sich um eine Sprache zur Wissensrepräsentation, die Sachverhalte mittels Tripeln als Graph darzustellen versucht. Ein kurzes Beispiel:</p>
<p style="padding-left: 30px;">@prefix foaf:<br />
&lt;http://xmlns.com/foaf/0.1/&gt; .<br />
@prefix eg:<br />
&lt;http://www.example.com/persons&gt; .<br />
eg:bob foaf:knows eg:anna .<br />
eg:bob foaf:knows _:X .<br />
eg:anna foaf:age &#8220;25&#8243; .<br />
eg:anna foaf:knows eg:chuck .<br />
_:X foaf:knows eg:chuck .</p>
<p>Das RDF-Dokument beschreibt eine Freundschaftsbeziehung zwischen Bob und Anna, besagt, dass Bob irgendeinen kennt, der Chuck kennt, dass Anna 25 ist und Anna Chuck kennt. Folgende SPARQL-Anfrage selektiert die Bekannten von Bob:</p>
<p style="padding-left: 30px;">PREFIX foaf: &lt;http://xmlns.com/foaf/0.1/&gt;<br />
PREFIX eg: &lt;http://www.example.com&gt;<br />
SELECT ?person<br />
WHERE { { ?person foaf:knows eg:bob }<br />
UNION { eg:bob foaf:knows ?person } }</p>
<p>SPARQL ähnelt dabei SQL. Die Auswahl wird durch die Tupel-Variablen in WHERE beschränkt, die besagen, dass eine Person gesucht ist, die Bob kennt und gleichzeitig von Bob gekannt wird. Eine erfrischend intuitive Sprache.</p>
<h3>6 &#8211; Information Retrieval und Suchmaschinen</h3>
<p>Aus dem weiten Gebiet der Information Retrieval haben wir in der Vorlesung nur die Textnormalisierung besprochen. Sie findet entweder durch <em>Stemming</em> (nach einfachen Regeln wie Wortende abhacken, z.B. Daches -&gt; Dach) oder <em>Lemmatisation</em> (nach ausgeklügelten Regeln wie Rückführung von Beugungsformen, z.B. sah -&gt; sehen) und Stop-Word-Eliminierung (also Streichen von häufigen Wörtern wie &#8220;der&#8221; oder &#8220;und&#8221;). Der ganze Spaß dient dem Zweck maschinell herauszufinden, was der semantische Inhalt eines Textes ist. Dadurch lässt sich dann bestimmen, ob der Text für eine bestimmte Suchanfrage relevant ist.</p>
<p>Beim Information Retrieval gibt es verschiedene Begriffe zu unterscheiden (Term i, Dokument j):<br />
- Die Einfache Termfrequenz (RTF): Anzahl der Vorkommen von i in j<br />
- Die Normalisierte Termfrequenz (TF): RTF geteilt durch Vorkommen von i in allen Dokumenten<br />
- Inverse Dokumentfrequenz (IDF): Anzahl der Dokumente geteilt durch Anzahl der Dokumente mit i, meist logarithmisch gedämpft =&gt; log(N/DF(i))<br />
- TF-IDF: TF(i,j) * IDF(j) ergibt eine Gewichtung für die Bedeutung des entsprechenden Terms.</p>
<p>Zwei bedeutende Begriffe sind <em>Precision</em> und <em>Recall</em>. Recall bezeichnet das quantitative Verhältnis von abgerufenen Dokumenten zu relevanten Dokumenten und Precision das Verhältnis von abgerufenen, relevanten Dokumenten zur Anzahl abgerufener Dokumente. Ein hoher Recall-Wert bei niedriger Precision ist genauso fragwürdig wie ein niedriger Recall bei hoher Precision. Optimal ist natürlich ein hoher Wert in beiden Kategorien.</p>
<p>Information Retrieval diente als Thema v.a. zur Hinführung auf die Funktionsweise von Suchmaschinen. Durch die immer größere Flut an Informationen, nicht zuletzt im Internet, wurden Suchmaschinen unerlässlich. Sie bestehen aus:<br />
- Crawler: sammelt und speichert Daten, nutzt den Strukturindex.<br />
- Indexing-Modul: extrahiert Schlüsselwörter, Phrasen und andere Deskriptoren aus den gespeicherten Daten und komprimiert sie und erstellt den Content Index und den Structure Index.<br />
- Query-Modul: implementiert eine Anfragesprache und nutzt beide Indizes.<br />
- Ranking-Modul: weist den vorgehaltenen Seiten einen qualitativen Wert zu.</p>
<p>Interessant ist vor allem das Ranking-Modul. Hier soll nun erklärt werden, wie das Ranking-Modul von Google (&#8221;PageRank&#8221;) in seinen Grundzügen arbeitet. Die genaue Funktionsweise ist natürlich ein Firmengeheimnis, stetig in Entwicklung und wahrscheinlich nicht so kompakt zu erklären wie die Grundfunktionalität.</p>
<p>Der PageRank bedient sich eines intuitiven Modells. Er modelliert im Grunde die Aktionen eines Surfers, der den Links im Internet folgt und hin und wieder auch mal zu einer beliebigen Seite springt. Das Internet stellen wir uns hierzu als Graphen vor, bei dem die Seiten Knoten und die Links Kanten sind. Aus diesem Graphen lässt sich eine Adjazenzmatrix erstellen. Diese Matrix besteht aus Nullen und hat dort eine 1, wo die Seite der Zeile zur Seite der Spalte einen Link hat (bzw. eine 2 bei zwei Links etc.). Dann werden die Zeilen normalisiert, d.h. die Einzelwerte durch die Summe der Werte der Zeile geteilt. Intuitiv entspricht dies der einzelnen Chance, von der einen zur anderen Seite via Link zu gehen. Der gerade beschriebene &#8220;Random Surfer&#8221; wird einfach draufaddiert, d.h. zur Adjazenzmatrix wird eine Matrix addiert, deren sämtliche Werte 1/(Anzahl der Seiten) betragen. Bei einem Netz von 5 Seiten wäre also die dadurch entstandene Matrix mit 1/5 besetzt, wo vorher Nullen standen.</p>
<p>Insgesamt sieht die Berechnung der &#8220;Google-Matrix&#8221; wie folgt aus:</p>
<p style="padding-left: 30px;">H = (1-c)*A + c*S<br />
wobei A die normalisierte Adjazenzmatrix ist und S die Random-Surfer-Matrix. c ist die probabilistische Einschätzung eines &#8220;Random Leaps&#8221;, also die Chance, dass ein Surfer zu einer beliebigen Seite springt. Bei Google beträgt dieser Wert c = 0,15 = 15%.</p>
<p>Diese Matrix hilft uns nun dabei herauszufinden, welche Bedeutung die einzelnen Seiten im Netz haben. Hierbei gilt, dass eine Seite umso relevanter ist, je mehr sie verlinkt wird, d.h. je relevanter sie andere Seiten einschätzen. Die Weitergabe von Relevanz ist aber eng damit verbunden, wie relevant die einschätzende Quelle ist. Ist z.B. die Quellseite selbst relevant (z.B. Wikipedia) und verlinkt sie auf eine andere Seite, so ist die verlinkte Seite automatisch sehr viel relevanter. Die Frage ist also nun, wie sich bei dieser rekursiven Definition die Relevanz einer einzelnen Seite bestimmen lässt.</p>
<p>Diese Frage ist ein sogenanntes Eigenvektorproblem. Wir suchen also nach einem Vektor, dessen Richtung (und in diesem Fall auch Länge) durch die Abbildung (salopp also der dargelegte Sachverhalt) nicht verändert wird. Mathematisch ausgedrückt also H*x = x, wobei x der gesuchte Vektor ist. Die nächste Frage ist also, ob es einen solchen Vektor geben kann.</p>
<p>Hier wandert der Blick zurück in der Geschichte bis vor über 100 Jahren. Damals stellte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Georg_Frobenius">Frobenius</a> an der Preußischen Akademie der Wissenschaften ein Theorem auf, das fast ein Jahrhundert später Google zum Durchbruch verhalf. Er stützte sich dabei auf ein Theorem des jungen Münchner Mathematikers <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Perron">Perron</a>, der formulierte:</p>
<blockquote><p>Wenn A eine quadratische Matrix ist und ihre Einträge streng positiv (&gt;0), dann 1. existiert ein einfacher Eigenwert λ &gt; 0, sodass A*v = λ*v, wobei der dazugehörige Eigenvektor real und streng positiv ist, 2. λ &gt;= | m | für jeden anderen Eigenwert m von A und 3. jeder andere positive Eigenvektor von A ist ein Vielfaches von v.</p></blockquote>
<p><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Perron%E2%80%93Frobenius_theorem">Frobenius&#8217; Theorem</a> lautet wie folgt:</p>
<blockquote><p>Wenn A eine quadratische Matrix ist und die Einträge von A positiv (&gt;=0) und wenn A irreduzibel ist, dann 1. existiert ein einfacher Eigenwert λ &gt; 0, sodass A*v = λ*v, wobei der dazugehörige Eigenvektor real und streng positiv ist, 2. λ &gt;= | m | für jeden anderen Eigenwert m von A, 3. jeder andere  positive Eigenvektor von A ist ein Vielfaches von v &#8230;</p></blockquote>
<p>Eine Matrix ist dann irreduzibel, wenn sie entweder die Adjazenzmatrix eines stark verbundenen Graphen ist (salopp: Man kommt von jedem Punkt zu jedem anderen) oder wenn es keine Permutation von Spalten und Zeilen der Matrix gibt, die sie in eine Matrix transformiert, die links unten nur Nullen hat, während sich links oben (darüber) und rechts unten (daneben) quadratische Teil-Matrizen befinden.</p>
<p>Die erste Möglichkeit hört sich schon mal gut an. Sie besagt, dass man in einem gerichteten Graphen entlang der gerichteten Kanten zu jedem Punkt gelangen kann. Gerichtet ist das Web durchaus, Links sind gerichtete Kanten von der Quelle zum Ziel. Allerdings ist das Web nicht stark verbunden, viele Seiten haben keine Links oder werden nicht verlinkt, könnten aber dennoch wichtig sein. Was tun, sprach Zeus?</p>
<p>Hier haben wir wiederum Glück, dass wir das Modell des &#8220;Random Surfer&#8221; haben. Er beschert uns nämlich die Möglichkeit, von jeder Seite zu jeder anderen zu kommen durch einen zufälligen Sprung. Durch dieses Modell wird aus der Matrix die Adjazenzmatrix eines stark verbundenen Graphen, womit das Theorem anwendbar wird. Der damit verbundene Eigenwert ist 1 (s.o.), es gilt also den Eigenvektor zu bestimmen.</p>
<p>Google nutzt hierbei die Potenzmethode, da sie eine performante Parallelisierung erlaubt. Allerdings ist sie nur bei spärlich (viele Nullen) besetzten Matrizen wirklich gut. Die genannte Matrix hat allerdings keine Nullen mehr. Zum Glück kann man hier leicht Abhilfe schaffen dadurch, dass man das Aufaddieren der Random-Surfer-Matrix verzögert bzw. dadurch, dass die ersetzenden Werte (1/Seitenanzahl) bei einer Seitenanzahl im Internet von mehr als 10 Billionen so gering sind, dass sie wahrlich nahe an Null sind:</p>
<p style="padding-left: 30px;">H = (1-c)*A + c*S = (1-c)*(A+(1/n)*d*1^T) + c*p*1^T  =&gt;<br />
H = (1-c)*A + (1-c)*1/n*d*1^T + c*p*1^T<br />
mit d = 1 für &#8220;dangling pages&#8221; (also Seiten ohne hereinkommende Links), sonst 0 und 1^T für einen nur mit Einsen besetzten transponierten Vektor.</p>
<p>Es lässt sich ablesen, dass bei der Berechnung die einzig performanzkritische Komponente die Multiplikation (1-c)*A ist, da sie eine Matrix beinhaltet. Die Berechnung des Eigenvektors ist also parallelisierbar: Für jede Multiplikation von Zeile der Matrix mal Vektor bei der Rechnung H*x = x kann ein eigener Rechner verwendet werden. Wie zu sehen war, ist die Potenzmethode anwendbar. Sie ist in meinen Augen eine Brute-Force-Anwendung, denn die Matrix wird so lange mit dem Vektor malgenommen, bis ein Ergebnis ablesbar ist. Die Methode konvergiert recht schnell, allerdings nicht so schnell wie andere Methoden. Eine Tendenz lässt sich schon nach weniger als 10 Schritten feststellen. Google nutzt angeblich 50 Durchläufe. Die Einträge des resultierenden Vektors besagen nun, wie wichtig die einzelnen Seiten sind, ergo ihren &#8220;PageRank&#8221;.</p>
<p>Wer sich für einen noch tieferen Einblick interessiert, dem sei der Artikel <a href="http://www.rose-hulman.edu/~bryan/googleFinalVersionFixed.pdf">&#8220;The $25.000.000.000 Eigenvector&#8221;</a> ans Herz gelegt.</p>
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		<title>Bedenkenswert</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 00:12:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Es wäre interessant neben die „Schuldenuhr“ eine „Reichtumsuhr“ zu  stellen, die den Zuwachs an Geldvermögen in Deutschland in jeder Sekunde  misst. Der Betrachter würde vermutlich staunen, dass die Reichtsumsuhr  erheblich schneller laufen würde. Die Schulden der öffentlichen Hand  haben in den letzten 10 Jahren von 1.199 Milliarden Euro (1999) auf  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Es wäre interessant neben die „Schuldenuhr“ eine „Reichtumsuhr“ zu  stellen, die den Zuwachs an Geldvermögen in Deutschland in jeder Sekunde  misst. Der Betrachter würde vermutlich staunen, dass die Reichtsumsuhr  erheblich schneller laufen würde. Die Schulden der öffentlichen Hand  haben in den letzten 10 Jahren von 1.199 Milliarden Euro (1999) auf  1.657 Milliarden Euro (2009), also <a href="http://www.bundesbank.de/statistik/statistik_zeitreihen.php?lang=de&amp;open=&amp;func=row&amp;tr=BQ1720">um  458 Milliarden zugenommen</a>. Das Geldvermögen stieg im gleichen  Zeitraum <a href="http://www.bankenverband.de/bundesverband-deutscher-banken/presse/wirtschaftsgrafik/wohlstand-in-deutschland-die-entwicklung-des-geldvermoegens/files/fileinnercontentproxy.2010-06-22.6908190587">von  3.539 Milliarden Euro auf 4.672 Milliarden Euro</a>, also um 1.133  Milliarden Euro. Ein Anstieg des privaten Reichtums um zweieinhalbfache  der öffentlichen Schulden. Man könnte auch sagen, das Geldvermögen der  Kreditgeber ist fast um 1.133 Milliarden gestiegen, während die  Schuldenlast der Steuerzahler um 458 Milliarden gewachsen ist. Darin  zeigt sich die ganze Perfidie, dass  die Bundesregierung mit ihrem  „Sparpaket“ das Geld nun gerade von denen holen will,  die in den  letzten Jahren ihr einziges „Vermögen“, nämlich ihre Arbeit verloren  haben.</p></blockquote>
<p>So berichtet Wolfgang Lieb von den Nachdenkseiten. Besser kann man es nicht sagen, deswegen möchte ich die Fakten für sich wirken lassen.</p>
<p>Dazu noch eine Grafik vom Herdentrieb-Blog der ZEIT:</p>
<div class="wp-caption aligncenter" style="width: 410px"><img title="Einkommensverteilung" src="http://blog.zeit.de/herdentrieb/files/2010/06/Funktionale_Einkommensverteilung_10Q1.gif" alt="Einkommensverteilung zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern" width="400" height="338" /><p class="wp-caption-text">Einkommensverteilung zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern</p></div>
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		<title>Die Ratten verlassen das sinkende Schiff</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 03:36:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Schwarz-Gelb befindet sich immer mehr in der Selbstauflösung. Nachdem der hessische Ministerpräsident Koch letzte Woche seinen Rücktritt bekanntgab, legte heute Bundespräsident Köhler nach und trat zurück. Beiden braucht man keine Träne nachweinen &#8211; eine Philippika.</p>
Roland Koch

<p>Der neokonservative Einpeitscher Koch hatte sich zuletzt als Bildungsfeind profiliert. Seine Forderung, an der Bildung zu sparen, entbehrt selbstverständlich jeder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schwarz-Gelb befindet sich immer mehr in der Selbstauflösung. Nachdem der hessische Ministerpräsident Koch letzte Woche seinen Rücktritt bekanntgab, legte heute Bundespräsident Köhler nach und trat zurück. Beiden braucht man keine Träne nachweinen &#8211; eine Philippika.</strong></p>
<h3><strong>Roland Koch<br />
</strong></h3>
<p>Der neokonservative Einpeitscher Koch hatte sich zuletzt als Bildungsfeind profiliert. Seine Forderung, an der Bildung zu sparen, entbehrt selbstverständlich jeder Logik, da Bildung mehr oder weniger der einzige Rohstoff unseres Landes ist. Wer kein Pfund mehr hat, mit dem er wuchern kann, wird zeitlebens arm bleiben. In Kochs Kreisen scheint die ökonomische wie auch geistige Prekarisierung des Volkes gewünscht zu sein. Mit eisernem Verve hat sich Koch in beiden Belangen gegen die Menschen eingesetzt.</p>
<p>Finanziell machte er sich als Ver-Treter des Volkes einen Namen mit CDU-Schwarzgeldkonten, die er als &#8220;jüdische Vermächtnisse deklarieren ließ. Neben seinen Anstrengungen, den Frankfurter Flughafen rücksichtslos auszubauen und damit zahlreiche Anwohner einem ungehemmten Fluglärm zu unterziehen, zeichnete sich Koch auch durch seine dubiose Doppelfunktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Fraport AG und seinem Posten als Ministerpräsidenten aus. Wie man beide Ämter unabhängig führen kann, weiß keiner &#8211; wahrscheinlich wäreauch dazu nie der Wille da gewesen. Im Rahmen dieses Amtes setze er sich übrigens dafür ein, zwei Vorstandsmitgliedern um die Hälfte höhere Gehälter zu zahlen, während den Betriebsrentnern das Weihnachtsgeld gestrichen wurde.</p>
<p>Für die Reichen hatte er stets ein weiches Herz. So erleichterte sein Finanzministerium die Steuerhinterziehung durch das <a href="http://fr-online.de/steuerfahnder/">Ausschalten erfolgreicher Steuerfahnder</a>. Sie wurden auf Befehl von oben als psychisch labil und arbeitsunfähig eingestuft. Koch war seit jeher für &#8220;Fördern und fordern&#8221;, sprich die Reichen zu fördern und von den Armen zu fordern. Folgerichtig prangerte er die vermeintliche Faulheit der Hartz-IV-Empfänger an und sprach sich für einen Arbeitszwang aus.</p>
<blockquote><p>Wir müssen jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangen, dass er als  Gegenleistung für die staatliche Unterstützung einer Beschäftigung  nachgeht, auch niederwertige Arbeit, im Zweifel in einer öffentlichen  Beschäftigung</p></blockquote>
<p>Man könnte nun seine Abneigung gegen gut finanzierte Bildung, die möglicherweise seiner eigenen peripheren Erfahrung mit Bildung entstammt, mit dieser Äußerung verknüpfen. Deren Quintessenz lautet, dass Roland Koch nicht verstanden hat, was eine <em>Versicherung</em> eigentlich ist. Ein solches Urteil würde ihm aber nicht gerecht werden. Hinter derartigen Äußerungen muss man Methode vermuten, denn soviel perfider Geist ist ihm zuzutrauen: Um den Deutschen auch den Notgroschen einer Versicherungsleistung aus der Tasche zu ziehen, brandmarkt er sie als Subvention, als Gnadenbrot aus Fürstenhand. Genauso will er davon ablenken, dass die so geschaffene Arbeit die Spirale nach unten nur weiter fortsetzt, indem reguläre Arbeitsverhältnisse weniger werden und mehr von den dadurch erlaubten prekären Verhältnissen entstehen. Der Arbeitnehmer kann dann oft nicht anders, als eben jene Jobs anzunehmen, da er auf ein Einkommen angewiesen ist. Außerdem will natürlich keiner unter das Joch der Sklaventreiber fallen.</p>
<p>Seinen bemerkenswert tiefen Bückling vorm Goldenen Kalb des Neoliberalismus schmückte er zusätzlich mit seiner <a href="http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/0344e198ff0c90f0a.php">Ablehnung eines flächendeckenden Mindestlohns</a>. Dass sein Argument, ein Mindestlohn würde massenhaft Arbeitsplätze vernichten, längst von über 20 EU-Ländern samt den ultrasozialistischen Experimenten Großbritannien und USA und darüberhinaus<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/links-zu-studien/wissenschaftliche-literatur-zur-wirkung-von-mindestloehnen;1039645"> einschlägigen Studien</a> in Zweifel gezogen wird, ficht ihn selbstverständlich nicht an. Ihm lag offensichtlich mehr am deutschen Niedriglohnsektor, der mittlerweile der weltgrößte ist. Koch hielt auch in aussichtslos asozialer Lage dem heiligen Markt die Stange. Ich schätze, sein Kadavergehorsam, äh, Engagement wird sich noch auszahlen, wenn er demnächst wie angekündigt einen (oder mehrere) Posten in der freien Wirtschaft besetzt.</p>
<h3>Horst Köhler</h3>
<p>Ein solches Schicksal könnte auch Horst Köhler zuteil werden. Sein Leben vor dem Präsidentenamt war wenig ruhmreich, dabei jedoch immer wirtschaftsnah. Es gelang ihm zwar, die Beamtenlaufbahn bis in höchste Höhen zu durchlaufen. Das ermöglichte ihm, sich an maßgeblichen Fehlentscheidungen führend zu beteiligen, die uns noch heute Milliarden kosten, ganz besonders die fehlgeleitete Währungsunion von BRD und DDR. Er war darüberhinaus Chefunterhändler von Kanzler Kohl und handelte Milliardenzahlungen an die Russen aus, um deren Armee zum Rückzug aus Deutschland zu bewegen (diese &#8220;Friedensdividende&#8221; ist durchaus zu begrüßen). Ein Skandal ist allerdings, dass 1991 durch seine Vermittlung den USA 12 Milliarden DM für den Golfkrieg gezahlt wurden.</p>
<p>Beim IWF konnte er die Pleite Argentiniens verfolgen. Es nimmt wunder, dass Köhler als so afrikafreundlich beschrieben wird. Schließlich ist der IWF laut Kennern wie Jean Ziegler (UN, FAO) einer der Hauptschuldigen für die Ausplünderung des Kontinents. Das von Weltbank und IWF vertretene Credo verlangt, dass die Entwicklungsländer staatliche Betriebe privatisieren, ihre Märkte öffnen und Subventionen und Zollschranken abbauen. Für die wirtschaftliche Entwicklung sind solche Maßnahmen teilweise verheerend, da ungeschützte privatisierte Unternehmen nicht mit westlichen Konglomeraten konkurrieren können. Die u.a. von Europa weiter subventionierte Landwirtschaft sticht dann die afrikanischen Preise aus. Ähnliches geschieht in anderen Industrien. Die geöffneten Märkte werden von externen Produkten geflutet. Den armen Ländern bleibt teilweise leider keine andere Wahl, als beim IWF Geld zu leihen und die Konditionen zu akzeptieren, auch wenn sie sehenden Auges ins Verderben rennen müssen. Ein Schuldenerlass wird seit jeher hinausgezögert oder rundheraus abgelehnt, da der Westen (im Sinne von Banken und Unternehmen, indirekt auch die Verbraucher) an der Plünderung Afrikas in allen Facetten prächtig verdient. Soviel zum IWF, dem Köhler ein paar Jahre vorstand.</p>
<p>Seine Äußerungen lassen vermuten, dass er das Credo verinnerlicht hat. Auch für Deutschland befürwortete er stets Privatisierungen und den Abbau des Sozialstaats. Wie sein Bruder im Geiste Roland Koch war auch er Mitglied der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Trilaterale_Kommission">Trilateralen Kommission</a>, einer Plattform zur Intensivierung der (Wirtschafts-)Beziehungen und Sicherung der westlichen Hegemonie. Seine Kritiklosigkeit gegenüber sozialem Kahlschlag und der fatalen Wirtschaftspolitik der letzten zwei Jahrzehnte machten ihn zu einem idealen Präsidentschaftskandidaten für Union und FDP. Die machtlose, aber exponierte Position des Bundespräsidenten, der vor allem medial Akzente setzen kann, war perfekt geeignet für einen Hohepriester des ungezügelten Kapitalismus, den Schwarz-Gelb sich heiß ersehnt(e). Die Agenda 2010 nannte er beispielsweise &#8220;bei Weitem nicht ausreichend&#8221;.</p>
<p>Seine dürftige Argumentation und effektheischerische Überzeichnung der Situation Deutschlands zur Begründung seiner Auflösung des Parlaments wird vielen noch im Gedächtnis sein. Es wäre allerdings ein Wunder gewesen, wenn er sich dagegen gewandt hätte, schließlich sprach er sich schon vor seiner Wahl zum Präsidenten für Angela Merkel als Bundeskanzlerin aus und war möglicherweise froh, ihr so schnell zur Wahl verhelfen zu können. Es ist andererseits auch denkbar, dass er selbst tatsächlich glaubte, was er als Begründung verzapfte. Ich wusste bei ihm nie, ob er nur einfach so unbedarft wirkte oder wirklich der Lage nicht gewachsen war. Die Gerüchte aus Bellevue, er habe seine Mitarbeiter um Ideen gefragt, wie er medial Aufmerksamkeit erreichen könne, und sei ohne Redenschreiber und PR-Chef völlig aufgeschmissen gewesen, hinterlassen einen üblen Eindruck. Dass er nur kurze Zeit nach dem Weggang seines PR-Experten die Brocken hinwirft und selbst seine fünf Abschiedssätze nur stammelnd und ablesend über die Lippen bringt, könnte man als Bestätigung dieser Gerüchte werten.</p>
<p>Zum Bundesverfassungsgericht sagte er demletzt:</p>
<blockquote><p>Aber  das Bundesverfassungsgericht ist nicht gedacht als Ersatz für  Politik.  Es kann den Bürgern und ihren Repräsentanten die Aufgabe nicht   abnehmen, selber politisch zu denken, zu streiten, zu entscheiden und   dann auch zu handeln. Es will das auch gar nicht. Darum ist es <strong>eigentlich   eine Anomalie demokratischer Politik</strong>, wenn das Gericht   rechtspolitisches “Agenda-Setting” betreibt, vielleicht betreiben muss,   wie es das in nicht wenigen Entscheidungen schon getan hat. Darum ist  es  eigentlich eine weitere solche <strong>Anomalie, wenn eine im  Parlament  überstimmte Minderheit versucht, ihre politische Konzeption  via  Karlsruhe doch noch zu Gehör oder gar zur Durchsetzung zu bringen</strong>,   obwohl sie weiß, dass sich die fragliche Mehrheitsentscheidung aller   Wahrscheinlichkeit nach in den Grenzen des verfassungsrechtlich   Erlaubten hielt. Und darum ist es eigentlich eine <strong>Anomalie im   Leben unserer Demokratie</strong>, wie manche Bürger für ihre Interessen   und politischen Ziele nicht mehr diskutieren, koalieren,  demonstrieren,  sondern eine Rechtsschutzversicherung abschließen oder  einem  “Prozessverein” beitreten und sich durch die Instanzen klagen.  Das darf  alles sein, aber ich will es einfach als Problem ansprechen.</p></blockquote>
<p>Man muss annehmen, dass er es für schlauer hielte, wenn Bürger ihre Rechte einfach aufgeben, anstatt den Rechtsweg einzuschlagen. Offensichtlich war Schloss Bellevue zu weit weg vom einfachen Volk, dem er einzig in seiner Naivität nahe war. Denn hier draußen wird diskutiert, koaliert und demonstriert. Es reißt nur keine Sau in Berlin vom Hocker, wenn die Mehrheit aus Afghanistan raus will, die Hartz-Reformen nicht will, nicht für Zocker zahlen will. Teilweise ist das BVerfG die einzig verbliebene Möglichkeit, gegen gefährliche und verfassungswidrige Gesetze vorzugehen. Wenn das Recht selbst unklar ist, muss das BVerfG auch das Recht interpretieren und dabei, salopp gesagt, neues Recht schaffen. Oft ist das Recht auch deswegen unklar, weil die Legislative wenig Ahnung, aber viel Apathie an den Tag legt &#8211; oder gar Gesetze nur deswegen durchwinkt, weil Karlsruhe eh einen Riegel vorschieben wird (Grüße an die Witzfiguren von der Bauchschmerzen-Fraktion der SPD). Köhler machte auch bei diesem Thema eine unglückliche Figur und zeigte eine gefährliche Tendenz.</p>
<p>Sein jetziger Rücktritt ist verknüpft mit einem Interview im Deutschlandfunk. Er meinte dort, es sei in Ordnung, wenn kritisch über den Einsatz diskutiert werde.  Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur  Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln  greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler &#8220;freie  Handelswege&#8221;. Es gelte, &#8220;‘ganze regionale Instabilitäten zu  verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen&#8221;  und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten. Zurecht wurde er dafür <a href="http://bundeshorst.wordpress.com">angezeigt</a>. Zum Rücktritt brachte ihn nun angeblich die überzogene Kritik auf seine Äußerung. Sicherlich war manches der Medienkritik überzogen (übrigens ein phänomenales Beispiel von Herstellung von Öffentlichkeit durch Blogs). Der Spiegel nannte ihn &#8220;Horst Lübke&#8221; im Sinne eines Mannes, der seine Rhetorik nicht kontrollieren könne. Wie oben schon berichtet, kann das allein nicht die ganze Wahrheit sein. Auch viele Journalisten halten die Begründung für ausgemachten Unsinn (die scharfe Ehrlichkeit ist ein begrüßenswertes Novum).</p>
<p>Bei Köhler vermuten viele, dass er so dünnhäutig und kritikunfähig ist, dass er den &#8220;Shitstorm&#8221; der Medien nicht aushielt. Seine seit zwei Jahren anhaltende Stille, grade zur Finanzkrise, zeugte auch von einer gewissen Null-Bock-Haltung oder Hilflosigkeit (s.o.). Bei Koch hingegen scheint es eher um Geld zu gehen, dass er nach seiner überraschenden Neuwahl zu verpassen drohte. Die beiden verbindet wahrscheinlich noch mehr als die oben genannten Ähnlichkeiten. Zu vermuten ist, dass beide keine Lust haben, sich das anstehende Heulen und Zähneklappern anzuhören, das sie durch ihre verfehlte Politik mitverursacht haben.</p>
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		<title>Politische PR</title>
		<link>http://denkreiz.de/228/politische-pr/</link>
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		<pubDate>Sat, 08 May 2010 22:49:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<p>Als drittes und (einstweilig) letztes Thema der Kommunikationswissenschaft möchte ich heute über Politische PR berichten. Zeit ihrer erst kurzen Existenz hatte sie nicht nur gegen den schlechten Ruf als &#8220;Propaganda&#8221; zu kämpfen, sondern muss sich darüberhinaus in der Nische zwischen Politik und Journalismus bzw. dem Volk beweisen. Ihre Aufgaben und Auswirkungen auf die anderen gesellschaftlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als drittes und (einstweilig) letztes Thema der Kommunikationswissenschaft möchte ich heute über Politische PR berichten. Zeit ihrer erst kurzen Existenz hatte sie nicht nur gegen den schlechten Ruf als &#8220;Propaganda&#8221; zu kämpfen, sondern muss sich darüberhinaus in der Nische zwischen Politik und Journalismus bzw. dem Volk beweisen. Ihre Aufgaben und Auswirkungen auf die anderen gesellschaftlichen Systeme sollen nun beschrieben werden. Der Schwerpunkt der weiteren Betrachung liegt auf der Forschung zur politischen PR.</strong></p>
<p><strong>Inhalt:<br />
1  &#8211; Die Geschichte der Polit-PR-Forschung</strong><strong><br />
2 &#8211; Definition und Abgrenzung zur Propaganda<br />
3 &#8211; Aufgaben und Ziele der politischen PR<br />
4 &#8211; Erfolgsfaktoren<br />
5 &#8211; Zusammenspiel mit anderen gesellschaftlichen Systemen<br />
6 &#8211; Ausblick in die Zukunft</strong></p>
<p><strong><span id="more-228"></span><br />
</strong></p>
<h3>1 &#8211; Die Geschichte der Polit-PR-Forschung</h3>
<p>Die politische PR ist eine relativ junge Disziplin der Kommunikationswissenschaft. Vor 1970 wurde sie zumeist zur Propaganda gerechnet und dementsprechend abschätzig behandelt. Zwar hatten auch in den Vorjahren die Regierung und die Parteien politische PR betrieben, von der Wissenschaft wurde sie aber dennoch erst in der Brandt-Ära entdeckt. Ich schätze, dass es einerseits mit der historischen Abneigung gegen Propaganda zu tun hat, andererseits aber auch damit, dass für und unter Brandt die Öffentlichkeitsarbeit auf eine neue Stufe gestellt wurde. Trotz der durchaus schon vielseitigen politischen PR, an der übrigens auch Albrecht Müller von den NachDenkSeiten führend beteiligt war, verengte sich die damalige Forschung hauptsächlich auf Staats-, Regierungs- und Parteien-PR. Dabei wurden zuvorderst Regierungssprecher und das Bundespresseamt (BPA) observiert. Außerdem diskutierte man über die Problematik, Politik angemessen und erfolgreich zu vermitteln. Ein weiterer Ankerpunkt war die Diskussion über zu große Medienmacht im politischen Prozess. Dabei waren mitnichten nur die 68er mit ihrer Aversion gegen Monopole wie Springer beteiligt, sondern auch so bekannte Theorien wie die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale">Schweigespirale</a> von Nölle-Neumann, die den Konservativen Munition für ihre Ansichten lieferte, es gäbe einen linken Bias der Massenmedien, einen sogenannnten <a href="http://denkreiz.de/219/die-duale-rundfunkordnung-in-deutschland/">&#8220;Rotfunk&#8221;</a>.</p>
<p>Die zweite Etappe der PR-Forschung setzte etwa Mitte der 90er ein. Hier standen vor allem Politikvermittlung und &#8220;Polit-PR&#8221; im Blickpunkt. Nun fand auch die PR von Parlamenten und anderen politischen Akteuren (wie die Neuen Sozialen Bewegungen) mehr Beachtung. Das Phänomen Lobbying wurde kontrovers diskutiert. Daneben wurde zu den Aufgaben und Zielen der politischen Öffentlichkeitsarbeit geforscht und PR-Kampagnen analysiert.</p>
<p>Um die Jahrtausendwende wechselte der Fokus dann zur Strategie politischer Kommunikation. Wahlkampf rückte in den Mittelpunkt der Forschungsbetrachtungen. In diesem Rahmen wurden auch die Phänomene Personalisierung, &#8220;Amerikanisierung&#8221; und &#8220;Modernisierung&#8221; debattiert; eine Entwicklung, die auch im <a href="http://denkreiz.de/219/die-duale-rundfunkordnung-in-deutschland/">Rundfunk</a> ihren Niederschlag fand. Außerdem bearbeitete die Kommunikationswissenschaft die Bereiche Politisches Marketing, Politikberatung und auch weiterhin Lobbying. Die Rolle von Think-Tanks fand auch langsam Beachtung. Allgemein sah man eine Professionalisierung der strategischen politischen Kommunikationsberatung.</p>
<p>Mittlerweile wähnt man sich in der &#8220;Mediengesellschaft&#8221;. Medialisierung und ihre Folgen für politische Organisationen und Prozesse sind aufgrunddessen zentrale Punkte heutiger PR-Forschung. Man versucht nun auch, weiter ins Detail zu gehen und einzelne Prozesse zu analysieren und kleinere (aber dennoch wichtige) Akteure und ihre politische PR zu würdigen, beispielsweise NGOs, Verbände oder Gewerkschaften. Außerdem probierte man, Gesamtzusammenhänge darzustellen und die Polit-PR in ihrer Wechselwirkung mit anderen gesellschaftlichen Systemen zu erfassen, auch in der Rückwirkung der strategischen politischen Kommunikation auf die politischen Institutionen selbst.</p>
<p>Trotzdem fehlt immer noch viel Forschung zu wichtigen Bereichen. Der Wissenschaft werden in den nächsten Jahren sicher die großen Themen nicht ausgehen. Wenig wurde bisher beispielsweise zu Unterschieden zwischen einzelnen Politikfeldern und zwischen einzelnen Phasen politischer Prozesse gesagt. Auch institutionelle Felder wie die PR von Verbänden oder politische Beratungen finden noch zu wenig Beachtung. Es wäre auch nicht verkehrt, sich von den Sozialwissenschaften zur Reflexion über Normen für Regierungs- und Verwaltungskommunikation inspirieren zu lassen.</p>
<h3>2 &#8211; Definition und Abgrenzung zur Propaganda</h3>
<p>Auch die Definition von politischer PR bzw. politischer Öffentlichkeitsarbeit fällt schwer. Zu schnell ändern sich Gebiet und Forschungsperspektive, um eine konsistente Definition zu liefern. So findet sich zu jeder Definition vernichtende Kritik in den folgenden Publikationen. Dennoch möchte ich zwei herausgreifen. Die erste ist von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Ronneberger">Franz Ronneberger</a>: &#8220;Politische Öffentlichkeitsarbeit ist politisches Handeln politischer Institutionen und Organisationen, das mit PR-Rollen zusammentrifft bzw. von PR-Rollen mitbestimmt, modifiziert und geleitet wird&#8221;. Eine andere Definition gibt seine Schülerin Gabriele Pauli-Balleis (ja, DIE <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gabriele_Pauli">Gabriele Pauli</a>), die Ende der 80er die Polit-PR der CSU analysierte: &#8220;Politische Öffentlichkeitsarbeit ist die planmäßige Strategie zur Präsentation der Parteiprogramme, -themen und -politiker gegenüber den Umweltsystemen der Partei, mit der Absicht, Einstellung und Verhalten dieser Umweltsysteme im Sinne des Parteiziels &#8211; der Gewinnung politischer Unterstützung durch Einstellungsintensivierung oder -veränderung &#8211; zu beeinflussen&#8221;.</p>
<p>Zusätzlich zu den umfassenden Definitionen muss auch das Rüstzeug des Öffentlichkeitsarbeiters genannt werden. Er arbeitet mit Analysen, Erfolgskontrollen, sucht Beziehungen zu Personen und Institutionen und versucht, diese zu intensivieren und zu erhalten. Sein Aufgabenbereich hat eine mikrosoziale und eine makrosoziale Komponente. Mikrosozial managt er die Informations- und Kommunikationsprozesse zwischen relevanten Organisationen und ihren internen und externen Umwelten (im Sinne von Teilöffentlichkeiten). Makrosozial versteht sich die PR als publizistisches Teilsystem, das soziale Funktionen übernimmt (siehe nächster Abschnitt). Arbeitsorganisation, Berufsrollen und berufliche Entscheidungsprogramme bestimmen die PR-Forschung. Sie beschreibt die PR u.a. als Schnittstelle zwischen Politik und Journalismus und den für die sozialen Systeme typischen Mix aus Mitteln, Methoden und Arbeitsinstrumenten.</p>
<p>Propaganda bedient sich im Gegensatz zur politischen PR einer unidirektionalen und beeinflussenden Kommunikation. Für sie existiert keine Norm, wahrheitsgemäß zu berichten. Einfache Kommunikationsmittel herrschen vor: starke Durchdringung, häufige Wiederholungen, einfache Stereotype, klare Wertungen und die Vermischung von Information und Meinung prägen ihr Bild. Zu ihren Methoden gehören auch Emotionalisierung und der Einsatz von Feindbildern. Propaganda kann nur innerhalb einer zentralisierten, nicht-demokratischen Öffentlichkeitsstruktur erfolgreich sein, sie bedarf staatlich abhängiger oder gelenkter Medien. Propaganda wird vor allem als Instrument sozialer Kontrolle genutzt.</p>
<p>Politische Öffentlichkeitsarbeit hingegen arbeitet mit einem breiten Spektrum an Instrumenten und sucht auch den Dialog. Für sie gelten die Normen wahrheitsgemäßer und sachlicher Information, ähnlich wie beim Journalismus. Es herrscht das &#8220;Prinzip des freiwilligen Informationsangebots&#8221;. Politische Öffentlichkeitsarbeit bzw. Polit-PR überschneidet sich weitgehend mit dem Gebiet der Politikvermittlung und kann auch als solche angesehen werden. Man unterscheidet zwischen funktionaler und organisierter PR. Während bei der funktionalen PR Einzelakteure handeln, z.B. Politiker im Interview, agieren bei der organisierten PR Abteilungen oder Teilorganisationen, z.B. in Form von Broschüren oder Pressemeldungen.</p>
<h3>3 &#8211; Aufgaben und Ziele der politischen PR</h3>
<p>Den Bereich Polit-PR kann man in vier Bereiche unterteilen. Der wohl offensivste davon ist die politische Werbung. Sie ist reine Einwegkommunikation. Ihre Mittel sind Slogans, Anzeigen, Plakate, Werbespots und Aufkleber, um nur ein paar zu nennen. Dahinter steckt im Idealfall eine gezielte Werbestrategie, um neue Wähler anzulocken und Stammwähler zu halten. Aus diesem Grund spricht man bei politischer Werbung auch von &#8220;Politmarketing&#8221;. Außerdem wird sie auch zur Anwerbung neuer Parteimitglieder eingesetzt. Sie erfüllt eine persuasive Funktion. Die politische Öffentlichkeitsarbeit hat hingegen eine Informationsfunktion inne. Sie wird initiiert und gestaltet von Akteuren und Institutionen des politischen Systems und führt zu politischer Berichterstattung. Das Ausmaß dieses Effekts bestimmt ihren Erfolg maßgeblich. Der dritte Typ politischer PR ist die besagte politische Berichterstattung. Sie findet in Zeitungen, Magazinen, Fernsehsendungen oder anderen medialen Erzeugnissen statt. Schlussendlich gibt es auch noch die direkte politische Kommunikation, innerhalb der Politik oder in Berührung mit anderen gesellschaftlichen Subsystemen (z.B. Wirtschaft, Wählerschaft) oder innerhlab dieser Subsysteme (Schule, Stammtisch, etc.).</p>
<p>PR-Abteilungen haben generell sechs Aufgaben:<br />
1. Die Beobachtung der Organisationsumwelt. Hierbei wird die öffentliche Meinung analysiert und interpretiert.<br />
2. Planung und Analyse. Neben Forschung zur PR wird die Organisationssituation analysiert, Kommunikationsziele festgelegt und Strategien entwickelt. Des Weiteren versucht man, Teilöffentlichkeiten bzw. relevante Zielgruppen zu bestimmen. Neben adäquater Zeitplanung und Budgeting ist auch die Evaluation der PR-Aktivitäten wichtig.<br />
3. Externe und interne Information. Dabei dreht sich alles darum, die ersonnene Strategie umzusetzen und die routinemäßig anstehenden Kommunikationsmaßnahmen durchzuführen (z.B. Betriebszeitung, Parteiblatt). Es wird versucht, ein günstiges Image der Organisation nach außen und ein angenehmes Betriebsklima innen herzustellen (<em>corporate design</em> + <em>corporate identity</em>). Dieser Gedanke wird noch weitergetragen, indem man an der Gestaltung einer Organisationskultur arbeitet (<em>corporate philosophy</em>).<br />
4. Beratung der Organisationsspitze auf allen Ebenen. Dieser Punkt wird von der Praxis und der Forschung immer wieder angemahnt, aber selten durchgesetzt &#8211; denn die Mächtigen wollen sich oft nicht reinreden lassen, auch wenn es manchmal ganz gut wäre.<br />
5. Kritik nach innen. Ähnlich zu Punkt 4 geht es darum, dass die PR-Berater auf interne Fehler aufmerksam machen sollten, um die anderen genannten Ziele zu befördern.<br />
6. Konfliktregelungen. Auch oft nur stiefmütterlich behandelt, sind sie im Fall des Falles Gold wert. Wer sich früh über mögliche Fallstricke Gedanken macht und seine Krisen-PR plant, hat im Ernstfall die Nase vorn und kann schnell reagieren. Auch proaktive Maßnahmen sind möglich, also geeignete Methoden, um den Krisen vorzubeugen. Dabei dreht sich die Arbeit der PR eigentlich nicht um die wirkliche Krise (Bestechungsskandal, Betriebsunfall etc.), sondern um deren günstige Kommunikation nach außen und innen.</p>
<p>Um einen zentralen Akteur der politischen PR herauszugreifen, sollen kurz die Aufgaben des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung (BPA) erläutert werden: Es soll einerseits die Bundesregierung über in- und ausländische Medienberichterstattung unterrichten. Andererseits soll es &#8211; in umgekehrter Richtung &#8211; die Medien über die Politik der Bundesregierung informieren. Außerdem vertritt es die Bundesregierung auf Pressekonferenzen. Die hauseigene Auslandsabteilung hat zudem den Grundauftrag, die deutsche Selbstdarstellung im Ausland günstig zu gestalten.</p>
<p>Unterscheiden lassen sich drei PR-Stile, nämlich erstens die spontane PR (z.B. Broschüren), zweitens die routinisierte PR (z.B. wöchentliche Pressekonferenzen) und drittens die strategisch geplante PR (z.B. Kommunikationskampagnen). Alle drei Formen sollten bei sinnvoller Öffentlichkeitsarbeit je nach ihren Vorzügen genutzt werden, um maximalen Erfolg zu erreichen.</p>
<p>In gesellschaftlicher Hinsicht kann man bei der PR drei unterschiedliche Ebenen ausmachen. Zum einen die makrogesellschaftliche Ebene, bei der es um gesamtgesellschaftliche Funktionen des publizistischen Teilsystems PR geht. Zum zweiten die mesogesellschaftliche Ebene, die sich um Beziehungen des PR-Systems zu anderen gesellschaftlichen Funktionssystemen dreht (z.B. Politik, Wirtschaft, Recht). Über sie wird im nächsten Abschnitt noch zu reden sein. Und zuletzt die Mikro-Ebene, die sich mit Funktionen der PR für einzelne Organisationen innerhalb ihrer Umwelt befasst.</p>
<p>Die besagten Funktionen der PR lassen sich wie die Funktionen der Sprache in 3 Punkte gliedern:<br />
Die <em>Ausdrucksfunktion</em>. Die PR informiert über ihre Produzenten oder die jeweilige Organisation.<br />
Die <em>Darstellungsfunktion</em>. Sie bezieht sich auf die Darlegung von Sachverhalten (in günstigem Licht).<br />
Die <em>Appellfunktion</em>. Sie dreht sich um die Wirkung auf den Rezipienten. Er soll von der Sache überzeugt werden.</p>
<p>Neben diesen Funktionen setzt die PR darauf, über Themen zu &#8220;herrschen&#8221;, indem man sie generiert (Agenda-Building und Agenda-Setting), interpretiert (Frame-Building), bewertet und für die Aktualisierung entscheidend ist. Die PR-Abteilung bestimmt über die Aktualität durch den Publikationszeitpunkt.</p>
<p>Politische PR dient generell der Herstellung von Öffentlichkeit. Darin unterscheidet sie sich nicht vom Print-Journalismus oder dem Rundfunk. Ihr geht es aber zusätzlich darum, die Aufmerksamkeit zu oder weg von bestimmten Sachverhalten zu lenken. Außerdem werden mittels Polit-PR Ansichten, Lösungen und Interpretationen kommuniziert, mit dem Ziel, öffentliche Unterstützung zu erreichen. Während Journalisten auf Viefalt, Objektivität und Faktentreue Wert legen (sollten), gibt es für die PR kein Idealbild objektiver Wahrheit. Ihr sind deswegen die Blickwinkel, Interpretationen und Kontexte der Berichterstattung besonders wichtig.</p>
<h3>4 &#8211; Erfolgsfaktoren</h3>
<p>Der Erfolg politischer PR lässt sich naturgemäß nur schwer bestimmen. Die Einstellung der Menschen und ihre Änderung, womöglich durch erfolgreiche PR, lassen sich kaum zufriedenstellend messen. Etwas anders ist dies bei der PR in Wahlkämpfen, da mit dem Ausgang der Wahl und der politischen Berichterstattung im Vorfeld zeitnah harte Fakten vorliegen, die eine Analyse erlauben. Deswegen versteifte sich die PR-Forschung Ende der 90er auf dieses Gebiet und ließ leider die alltägliche PR der Parteien und anderer Akteure etwas aus den Augen.</p>
<p>Vor allem der Wahlkampf von Clinton 1992 fand viel Beachtung, noch mehr dann der Wahlkampf von Labour 1997. Beide wurden von der SPD aufmerksam verfolgt und ihre erfolgreichen Methoden dann im Wahlkampf 1998 erfolgreich implementiert. Dieser Einfluss war bald als <em>Amerikanisierung</em> verschrien. Ihr zugrunde liegt eine Professionalisierung der Kampagnenkommunikation. Durch die zentrale Planung und Kontrolle aller Kommunikationsaktivitäten und Anstellung von Experten im Bereich PR, Marketing, Werbung und Umfragen gelang es, eine integrierte Kommunikationsstrategie zu etablieren. Sie war vor allem deswegen nötig geworden, da sich das Publikum bzw. die Wählerschaft zunehmend fragmentierte (immer mehr kleinere Interessengruppen) und die Wählerbindung wegen der gesellschaftlichen Entwicklung (Diversifikation) zunehmend verloren ging. Auch die mediale Entwicklung &#8211; die zunehmende Wichtigkeit von Massenmedien zur Herstellung von Öffentlichkeit &#8211; trug zur &#8220;Amerikanisierung&#8221; bei. Folgerichtig fand der Wahlkampf mehr medienzentriert als parteibasiert statt. Dies hatte auch eine Erosion der Parteien zur Folge. Sie wurden unwichtiger, v.a. die Parteimitte, und Politikberater immer wichtiger.</p>
<p>Diese Politikberater wurden auch als Spin-Doktoren bekannt. Ihre Aufgabe ist es, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, indem sie Informationen für die Öffentlichkeit oder die Medien in eine günstige Richtung ändern bzw. verzerren (<em>Bias</em>). &#8220;Spin&#8221; ist also die Interpretation bzw. der Blickwinkel, unter dem Ereignisse betrachtet werden. Da es keine objektive Wahrheit gibt, sieht sich die PR bzw. der Spin-Doktor berechtigt, mittels Medien die Realität zu formen. Die zentralen Spin-Doktoren 1997/98 waren Peter Mandelson im Labour-Team und Bodo Hombach in der SPD-&#8221;Kampa&#8221;. Sie standen in enger Verbindung und tauschten sich nach dem Wahlerfolg von Labour intensiv aus. Ihre Aktivitäten waren nur in England Ziel von Kritik, in Deutschland spielten sie als &#8220;Wahlkampfmanager&#8221; medial eine eher untergeordnete Rolle &#8211; was angesichts ihrer Wirkung überraschen muss. Dazu später mehr.</p>
<p>Die Erfolgsfaktoren in diesem Wahlkampf (und wohl von politischer PR im Allgemeinen) waren vielseitig. Zum einen war die <em>Zentralisierung der Kommunikation</em> von entscheidender Bedeutung. Labour ging sogar so weit, dass jedes Parteimitglied Interviews erst von der Wahlkampfzentrale authorisieren lassen musste. Zweck der Übung ist, dass die Partei dann einig erscheint und sich der Parteilinie keine Konflikte in den Weg stellen. Damit schafft man freie Bahn für die gewünschte PR und Bildung eines günstigen Images. Eine Message, hinter der eine ganze Partei vereint steht, hat per se eine überzeugendere Wirkung (süffisant könnte man auch &#8220;Millionen Fliegen können nicht irren&#8221; sagen). Um eine solche Zentralisierung möglich zu machen und dabei keine Animositäten innerhalb der Partei auszulösen, ist es eminent wichtig, alle Parteimitglieder gleich informiert zu halten und auf Parteilinie zu bringen und zu halten.</p>
<p>Die zweite wichtige Maßnahme ist das <em>Rapid Rebuttal</em>, also die schnelle Erwiderung von Angriffen des politischen Gegners. Auf jedes einzelne Statement des Gegners wird sofort geantwortet, um ihn nicht die Oberhand über die öffentliche Meinung zu irgendeinem Thema gewinnen zu lassen, sondern den eigenen Blickwinkel ins Gespräch zu bringen oder Fehlinformationen zeitnah zu korrigieren. Wenn die Angriffserwiderung wie damals bei Labour faktisch Hand und Fuß hat und noch dazu schneller ist als die medieneigenen Informationssysteme, kann es dazu kommen, dass die Medien sich bei der Suche nach ausgleichenden Bewertungen mehr und mehr auf die PR der Partei verlassen und damit ungewollt deren Bias teilweise übernehmen.</p>
<p>Drittes Glied in der Kette der Erfolgsfaktoren ist das <em>Monitoring</em>. Das Wahlkampfteam hat die Aufgabe, jeden Tag von morgens bis abends die Nachrichten zu beobachten. So wird es möglich, gegebenfalls schon auf Agenturberichte korrigierend einzuwirken oder ein entsprechendes Rapid Rebuttal gleich nach deren Veröffentlichung zu lancieren. Durch diese Beobachtung wird nicht nur eine schnelle Reaktion auf jedwede neue Entwicklung oder Unannehmlichkeiten ermöglicht, sondern auch die eigenen PR-Aktivitäten evaluiert und in Folgeprozessen überarbeitet.</p>
<p>Außerdem werden so viele Daten wie möglich über Medienunternehmen, Journalisten und Wähler gesammelt. Ihre Eigenheiten, Vorlieben und Ausrichtung werden analysiert, genutzt und auch versucht zu verändern. Außerdem nutzt man medientypische Gratifikationen aus, um Journalisten gefügig zu halten: Sie wollen schließlich früher, exklusiver und detailreicher berichten als die Konkurrenz und als Insider mit guten Kontakten gesehen werden und als Experten gelten, die die &#8220;wahre&#8221; Geschichte hinter den offiziellen Geschichten kennen.</p>
<p>Ein guter Spin-Doktor weiß diese Eigenheit zu nutzen und versorgt Journalisten mit gezielten Indiskretionen, versucht aber auch im Fall ungünstiger Berichterstattung, auf die Journalisten einzuwirken, diese abzuschwächen oder sein zu lassen. Dabei werden Beschwerden und letztlich auch Drohungen eingesetzt. Man beschwert sich bei den entsprechenden Medienunternehmen oder in aller Öffentlichkeit über unfaire Behandlung und verzerrende Berichterstattung. Falls einzelne Journalisten übermütig werden, droht man ihnen damit, sie vom Informationsfluss abzuschneiden. Diese Disziplinierungsmaßnahme wirkt im Regelfall, weil Journalisten dadurch so ins Hintertreffen geraten würden, dass ihre Arbeit weniger effizient wäre und durch schwarze Flecken in ihren Berichten letztendlich auch ihre eigene Legitimation leidet &#8211; gerade wenn die Konkurrenz dort Licht ins Dunkel bringt. Trotzdem empfinden alle Journalisten diese Einflussnahme als äußerst unangenehm und versuchen, ihr durch weitflächige Kontakte zu entkommen.</p>
<p>Außerdem sind Spin-Doktoren und Politische Öffentlichkeitsarbeiter damit beschäftigt, die politische Strategie ihrer Dachorganisation zu erklären. Auch die  mediengerechte Interpretation von Äußerungen der eigenen Politiker gehört zu diesem Aufgabenbereich.  Sie beraten darüberhinaus die Politiker bzw. Verantwortlichen bezüglich der Strategie oder bei Reden und vor öffentlichen Debatten. Zu ihren Aufgaben gehört auch, Umfragen in Auftrag zu geben, Fokusgruppen einzuberufen und Basisarbeit zu leisten. Daneben sind sie parteiintern für Werbeberatung und -produktion zuständig. Einige Spin-Doktoren lassen auch leicht egoistische Züge erkennen und promoten ihre eigene Tätigkeit als unerlässlich für den Erfolg der Partei. Die von den Medien wahrgenommene Wichtigkeit der Spin-Doktoren sorgt für einen Hype rund um dieses Thema, der sich aufgrund der Publizität positiv auf die Partei und ihre Wahlchancen auswirken  kann.</p>
<p>Die Berichterstattung über Spin-Doktoren hat mehrere Gründe. Zum einen faszinierten die schillernden neuen Figuren auf der politischen Bühne die Journalisten. Sie trieb auch der Drang zur Offenlegung ihrer Machenschaften an. Dadurch kam es aber zu einer Umkehrung der politischen Bühne: Die eigentlich wichtigen Politiker wurden zunehmend in den Hintergrund gedrängt und die Berater aus den dunklen Ecken nach vorne geholt. Diese Verdrehung beinhaltet die Gefahr, der Politik nur noch zynisch zu begegnen. Es kann dadurch nämlich der (imho nicht so falsche) Eindruck entstehen, die Politik wäre sowieso v.a. von fremden Interessen bestimmt und würde in Hinterzimmern ausgekungelt werden. Verstärkt wird dieser Eindruck dadurch, dass Journalisten sich im Normalfall nicht trauen, negativ über die Kampagne und deren Leiter zu berichten, da sie im Wahlkampf auf die Spin-Doktoren und ihre Hintergrundinformationen angewiesen sind.</p>
<p>Wie oben schon kurz angesprochen führt diese Abhängigkeit auch zu einer tiefen Skepsis und Ablehnung gegenüber jeglicher PR. Die Journalisten beobachteten das neue Phänomen der Spin-Doktoren genau und beschwerten sich auch gerade beim Labour-Wahlkampf über die deren Kontrollwut. Für die Spin-Doktoren besteht bei der Einflussnahme auch die Gefahr des &#8220;Overspinnings&#8221;, also des Übertreibens ihrer Tätigkeiten.</p>
<p>Die Abhängigkeit hat außerdem noch eine Auswirkung, die in England, aber v.a. auch in Deutschland sichtbar wurde und wird. Die Journalisten übernehmen die Informationen, ohne deren Quelle zu nennen. Oft ersetzen sie auch die weitergehende Hintergrundrecherche; zu oft verlassen sich die Journalisten auf die PR und gleichen sie nur mit der PR anderer Parteien und ihrem eigenen Vorwissen ab. Nicht nur manche PR, sondern auch die Faulheit der Journalisten, ihre Informationen ordentlich zu prüfen und Quellen zu nennen, sind eine Gefahr für die journalistische Ethik und die Demokratie. Es ist auch zu vermuten, dass die Journalisten sich dessen schämen und deswegen ihre Informationsquellen nicht benennen, wenn es sich um PR handelt.</p>
<p>Ein allgemeiner Vergleich zwischen den Wahlkämpfen von Schröder und Blair führt zu der Erkenntnis, dass die englischen Praktiken der Spin-Doktoren &#8211; sprich Beschwerden und Drohungen und Kontrollwut &#8211; in Deutschland nicht in dieser Form auftauchten. Sie waren wohl auch nicht nötig, da sich in Bonn über die Jahre informelle Zirkel zwischen Journalisten und Politikern herausbildeten, deren Währung Information war. Es ist anzunehmen, dass dies im heutigen Regierungssitz Berlin noch ähnlich abläuft. Die deutschen Medien schrieben deswegen auch wenig und nur indifferent über Spin-Doktoren und bezeichneten sie nicht sehr distinktiv als &#8220;Wahlkampfmanager&#8221;. Die englischen Medien griffen das neue Phänomen vielfach auf und beschrieben deren Disziplinierung und Synchronisierung der eigenen Partei als Beitrag zum Wahlkampf. Das Fehlen der für Bonn üblichen Zirkel führte in London auch dazu, dass Pressesprecher (also Öffentlichkeitsarbeiter) häufiger erklären mussten, wie Politiker bestimmte Aussagen gemeint hatten. In Bonn wurde das informell geregelt. Englands Medien sind auch mehr als die deutschen Medien am Kopf-an-Kopf-Rennen (&#8221;election horserace&#8221;) interessiert, was wohl im Wahlsystem begründet liegt, und berichten länger über den Wahlkampf als ihre deutschen Pendants. Auch die Hintergrundstrategie der Parteien und die Beziehungen zwischen Medien und Politik werden nicht selten thematisiert. Im deutschen Blätterwald herrscht dazu mehr Schweigen als Offenheit. Beachtung fand damals nur die schlechte, als altbacken empfundene Kampagne der CDU (Nachrichtenfaktor &#8220;Negativität&#8221;). Sie wurde dafür herb kritisiert, was man wohl auch als indirekten Erfolg der SPD-Kampagne werten darf.</p>
<p>Für die politische PR ist öffentliches Vertrauen ein zentraler Faktor. Dabei treffen sie die Einbußen in punkto Vertrauen besonders hart. Zwischen 1977 und 1992 verringerte sich das Vertrauen der Bevölkerung in führende Politiker kontinuierlich bis auf unter 30 Prozent. Damals vertrauten noch etwa die Hälfte der Bundesbürger der Politik &#8211; dieser Wert ist inzwischen auch weiter gesunken. <a href="http://denkreiz.de/wp-content/uploads/Krise_des_Journalismus.pdf">Fast noch düsterer</a> sieht es für den Journalismus aus. Presse, Hörfunk und Fernsehen verzeichnen atemberaubend tiefe Werte. Auch die Qualität wird als immer geringer eingeschätzt: Nur rund 30 Prozent der Menschen empfinden die Kompetenz der Medienfachleute als ausreichend. Die eh schon schlecht beleumundete PR hat als Zwischeninstanz dadurch noch mehr zu kämpfen. Sie muss deswegen vor allem versuchen, Diskrepanzen im zeitlichen Verlauf zu verhindern oder sie zu verdecken (z.B. das Brechen von Wahlversprechen) und damit Kongruenz zwischen Handeln und Kommunikation zu erzeugen. PR kann aber auch genutzt werden, um Diskrepanzen zu thematisieren, wie dies bspw. bei der inneren Zerrissenheit der FDP zum &#8220;Großen Lauschangriff&#8221; der Fall war. Hier bieten sich vor allem dem politischen Gegner Chancen, die wichtige Einigkeit nach außen zu zerstören und dadurch die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Lösungskompetenz zu schmälern. Interne PR sollte sich deswegen darauf richten, solche Diskrepanzen zu vermeiden und eine einheitliche Linie zu kommunizieren. Ist dies aufgrund der Zerrissenheit unmöglich, so hätte eine Verschleierung wenig Erfolg und würde zum Zeitpunkt der Aufdeckung deutlich größeren Schaden hinterlassen, als wenn die Diskrepanz sofort thematisiert worden wäre. Das Vertrauen in die Redlichkeit der Partei wäre dahin.</p>
<p>Nicht nur interne Diskrepanzen können zu Erfolg und Misserfolg von politischer PR beitragen, sondern auch parteiübergreifende Unterschiede in der Interpretation bestimmter Sachverhalte. Diametral gegenüberstehende Diskrepanzen werden vom Journalismus wegen ihres Nachrichtenwerts aufgegriffen und gelegentlich für die Medienwirklichkeit auch konstruiert und verstärkt. Sie können auch dazu führen, dass das Basisvertrauen ins gesamte politische System verloren geht, weil die Wähler nicht mehr wissen, was sie glauben sollen, und eine kognitive Dissonanz auftritt. Journalisten fällt natürlich auch die interne Diskrepanz zwischen Parteihandeln und -kommunikation auf. Ein solcher Unterschied kann die Glaubwürdigkeit der PR nachhaltig schädigen. Polit-PR muss also darauf bedacht sein, trotz ihrer Verpflichtung kommunikativen Schaden von der Partei im Einzelfall abzuwenden, im Ganzen durch solche Diskrepanzen nicht unglaubwürdig zu werden.</p>
<p>Die Wähler bzw. das Medienpublikum hat weder die Zeit noch die Mittel des Journalismus, Polit-PR auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und Hintergründe zu recherchieren. Sie müssen also Vertrauen schenken oder im Zweifelsfall den Berichten misstrauen. Dies hat wiederum globale Auswirkungen auf das Vertrauen in das System insgesamt. Außerdem erzeugt die Medienlogik, bestimmte Nachrichten bevorzugt zu kommunizieren (Nachrichtenwerttheorie, Nachrichtenfaktoren wie Negativität oder Dramatik), eine weitere Diskrepanz zwischen Medienwelt und Realität, die vom Publikum selbstverständlich wahrgenommen wird. Während <a href="http://denkreiz.de/206/gewalt-in-den-medien/">Gewalt</a>, Kriminalität, Skandale, Sex und andere aufregende Dinge sich auf dem Bildschirm ereignen, ist die Welt da draußen relativ ruhig und undramatisch. Dies kann einerseits zur Wahrnehmung einer &#8220;scary world&#8221; führen, andererseits aber auch besagte Dissonanz auslösen, die zu einem Absinken des Vertrauens führt. Die Forschung zum Thema öffentliches Vertrauen hinkt leider noch hinterher. Hier würden sich sicher noch weitere interessante Einblicke gewinnen lassen.</p>
<h3>5 &#8211; Zusammenspiel mit anderen gesellschaftlichen Systemen</h3>
<p>Bei den Auswirkungen der PR auf andere gesellschaftliche Systeme ist besonders die Wirkung auf den Journalismus für viele von Interesse. In der Forschung zu diesem Thema haben sich zwei Thesen herauskristallisiert: Zum einen die <em>Determinationsthese</em>, zum anderen das <em>Intereffikationsmodell</em>. Ersteres wird gerade in Deutschland heftig diskutiert, während es im angloamerikanischen Raum keine so große Rolle spielt. Dort fällt diese Forschungsrichtung unter <em>Agenda-Setting</em>.</p>
<p>Die Determinationsthese besagt, dass Öffentlichkeitsarbeit Themen und Timing der Berichterstattung der Medien kontrolliert. Die Medien werden also quasi von der PR determiniert. Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit zur Öffentlichkeitsarbeit der Landespolitik in NRW kam Barbara Baerns zu dem Schluss, dass PR die Hauptdeterminante journalistischer Berichterstattung sei, mithin 60-70% der Inhalte auf PR zurückgehen. Die Determinationsthese ist seitdem heftig umstritten. Etwaige Studien brachten nur widersprüchliche Ergebnisse, in der Tendenz mittlerweile gegenteilige Resultate.</p>
<p>Neuer und schlüssiger ist das Intereffikationsmodell von Günter Bentele. Es beschreibt PR und Journalismus als komplexes Verhältnis eines gegenseitig vorhandenen Einflusses, einer gegenseitigen Orientierung und einer gegenseitigen Abhängigkeit zwischen zwei relativ autonomen Systemen. Es finden wechselseitige Induktionen und Adaptionen statt. Während Journalisten PR-Informationen übernehmen, so halten sich Öffentlichkeitsarbeiter an die Medienlogik, bspw. Nachrichtenfaktoren.</p>
<p>Neben der Determinationsrate &#8211; der Anteil der Medieninhalte, die auf PR zurückgehen &#8211; gibt es auch noch die Response-Rate. Sie ist der Anteil des PR-Materials, der von Journalisten zur Publikation ausgewählt wird. Donsbach und Meißner stellten in ihrer Studie fest, dass die Determinationsrate etwa 50% beträgt, die Response-Rate etwa 20%. Es wird also ein Fünftel aller PR publiziert und ist dann der Hintergrund für die Hälfte des Medieninhalts. Auch wenn dabei nicht die von Baerns festgestellten Ausmaße vorherrschen, so ist der Befund doch erschreckend. Dabei findet sich gerade im Wirtschaftsteil von Zeitungen viel PR-Material wieder, während im Politikteil weniger PR vorherrscht, davon viel aus der Exekutive.</p>
<p>Die Ergebnisse der Forschung sind generell verwirrend und widersprüchlich, da sie die Prozessdimension (z.B. Unterschiede über Zeit) nicht beachten. Der Fokus liegt auch zu sehr auf speziellen Fragen und Situationen. Eine Generalisierung oder Übertragung in andere Bereiche ist dadurch kaum möglich. Außerdem wird der Einfluss von unvorhersehbaren Ereignissen auf PR und Berichterstattung zu wenig untersucht. Dass hier wichtige Meinungsprozesse stattfinden, zeigte beispielsweise die Flutkatastrophe vor der Wahl 2002. Neben dem Organisationslevel ist auch der Zeitungsteil bzw. das Umfeld der Nachricht und der Medientyp wichtig für die Übernahme und Wirkung von PR. Die meiste Forschung basiert bisher auf gedruckten Pressemitteilungen. Dabei werden aber andere mindestens ebenso wichtige PR-Mittel (z.B. Werbekampagne) und Einflussformen (z.B. Journalisten Reisen schenken) völlig missachtet. Oft wird auch verkannt, dass neben dem <em>Agenda-Building</em> und <em>Issue-Management</em> auch das <em>Frame-Building</em> (also Interpretationen und Lösungen für Fragestellungen) eine große Rolle bei einer guten persuasiven Strategie spielt.</p>
<p>Im <em>Framing-Concept</em> wird das <em>Frame-Building</em> auf eine theoretische Grundlage gestellt. Frames sind interpretative Pakete bzw. Muster zur Kategorisierung von Erfahrung und Information. Sie bestimmen die Grenzen, die Richtung, die Positionen und den Zweck einer Diskussion, sind also von zentraler Wichtigkeit für die Öffentlichkeitsarbeit. Eine gute Mobilisierungsstrategie sieht folglich so aus, dass man eigene Frames zu einem Thema einbringt, mit der Hoffnung, damit die Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen. Um gehört zu werden, müssen Politiker versuchen, gemeinsame Bezugspunkte und Kontexte (<em>frames of reference</em>) mit ihrem Publikum aufzubauen, was vornehmlich über die Medien geschieht. PR-Erfolg misst sich deswegen darin, wie gut die eigenen Frames möglichst unverändert in die Medien gelangen.<br />
Dabei sind zwei Arten von Frames zu benennen: Thematische Frames und Positionsframes. Thematische Frames werden aufgebaut durch die Betonung bestimmter Subthemen bzw. Aspekte und das Ignorieren anderer möglicherweise ungünstiger Aspekte. Wichtig ist, dass dabei ein konsistenter Blickwinkel etabliert wird. Positionsframes behandeln hingegen Pläne, Lösungen und ideologische und politische Anschauuungen. Positionsframes sind enorm wichtig, denn der Konsens über Definition und Lösung eines Problems entscheidet über die öffentliche Unterstützung von politischen Ideen und Programmen.<br />
Frames werden in drei Schritten kodiert: Der erste ist die Diagnose, sprich die die Natur des Problems identifizieren. Danach folgt die Prognose, in der Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Zu guter Letzt ist natürlich auch die Motivation wichtig, also die Ziele, die hinter den Lösungsvorschlägen stecken.</p>
<p>Generell zeigen sich folgende Ergebnisse: Journalisten übernehmen zwar viel PR-Material, kürzen oder ändern es aber im Regelfall und bringen ihren eigenen Blickwinkel ein. Trotzdem herrscht eine gewisse Passivität im Umgang mit PR. Die Themensetzung und -betonung wird meist übernommen. Und, wie oben erwähnt, werden PR-Quellen im Normall nicht angegeben und verschwiegen. Aus Sicht der PR ist die Chance, Inhalte in den Medien zu platzieren, dann besonder hoch, wenn sich das PR-Material an die journalistischen Vorgaben und Standards hält und zeitliche und organisatorische Gegebenheiten des Journalistmus respektiert. Die Beachtung von Nachrichtenfaktoren erhöht die Chance der Übernahme weiterhin.</p>
<p>Aus globaler Sicht kann man einen Medien- und Öffentlichkeitswandel konstatieren, der sich auf das Zusammenspiel der gesellschaftlichen Systeme auswirkt. Die Medien haben generell an Bedeutung gewonnen. Ihre quantitative Ausbreitung und qualitative Ausdifferenzierung hat zu einer Mediatisierung aller gesellschaftlichen Bereiche geführt. Außerdem haben sich die Medien von sozialen und politischen Institutionen entkoppelt und an Autonomie gewonnen. Sie agieren verstärkt nach ökonomischen Kriterien (wie schon bei der <a href="http://denkreiz.de/219/die-duale-rundfunkordnung-in-deutschland/">Ökonomisierung des Rundfunks</a> besprochen). Politische Kommunikation findet heutzutage vor allem über die Medien statt. Politische Akteure sind deswegen immer mehr auf die Thematisierungsfunktion der Medien angewiesen und müssen sich, wie andere Akteure auch, der Medienlogik unterwerfen. Dabei geht der Trend hin zu  weniger Sachverhalten und Zusammenhängen, mehr Inszenierung, Symbolisierung und Personalisierung. Politik ist auch kein zwingendes Thema mehr, sondern konkurriert mit Themen aus anderen sozialen Systemen (Entpolitisierung). Dies alles hat dazu geführt, dass PR mittlerweile die Primärquelle des Journalismus ist und droht, die eigenständige Recherche mehr und mehr zu ersetzen.</p>
<p>Die Entwicklung schlägt sich auch in einer Änderung der Ziele der Akteure im politischen Handlungssystem nieder. Politiker sind dabei bedacht auf einen Tausch von Informationen gegen Publizität. Die Produktion und Vermittlung verbindlicher Entscheidungen benötigt die Massenmedien zur Vermittlung nach innen (z.B. Partei) und außen (z.B. Wählerschaft). Dabei geht es nicht nur um die Herstellung von Öffentlichkeit für politisch wichtige Themen und Interpretationen, sondern auch um persönliche Publicity. Es findet ein Doppelspiel statt: Zum einen ist der Akteur Repräsentant seiner Organisation (z.B. Politiker &#8211; Partei), zum anderen aber auch sein eigener persönlicher Vertreter. Machterwerb und Machterhalt sind die persönlichen Antriebe hinter den Handlungen. Außerdem braucht der Politiker die Journalisten als inoffizielle Informationsquelle und nutzt eigene Informationen als Währung. Aus dieser Konstellation entstehen hierarchische Kommunikationsstrukturen, die politische Machtstrukturen reproduzieren und die Karrierechancen einzelner Politiker (und Journalisten) beeinflussen.</p>
<p>Die Journalisten sind im Gegensatz zu den Politikern größtenteils austauschbar, was auch ihr größter Nachteil im Tauschhandel auf dem Informationsbazar ist. Die hohen ethischen Anforderungen ihres Berufs schränken ihren Handlungsfreiraum weiter ein. Sie befinden sich außerdem im Wettbewerb mit anderen Journalisten und Medien, auch innerhalb der Redaktion, um journalistische Leistungen und Positionen auf der Karriereleiter sowie beim Image.</p>
<p>Bei der PR handelt es sich um eine teilautonome Grenzorganisation des politischen Systems. Öffentlichkeitsarbeiter spielen weder im politischen noch im publizistischen Spiel mit, sind aber streng genommen auch keine passiven Zaungäste. Wie der Name &#8220;Polit-PR&#8221; schon besagt, sind sie stärker aufs politische als aufs Medien-System angewiesen. Ihre Aufgabe ist es, die kommunikativen Interaktionen zwischen Politikern und Öffentlichkeit zu managen. Dabei kontrollieren sie einen zentralen Bereich der Unsicherheit von Politikern (Tagesordnung politischer Themen) mittels Thematisierung und Dethematisierung. Im Spiel zwischen Journalismus und Politik besitzt die PR eine geringere Macht: Sie kann von beiden Seiten umgangen werden (z.B. in direkten Gesprächen). Deswegen ist die Öffentlichkeitsarbeit immer auch damit beschäftigt, ihre eigene Relevanz darzustellen und zu beweisen.</p>
<h3>6 &#8211; Ausblick in die Zukunft</h3>
<p>Für die nächsten Jahre bleibt zu erwarten, dass die Mediatisierung der Politik weiter zunehmen wird. Deswegen wird Politische Öffentlichkeitsarbeit bzw. Polit-PR auch immer wichtiger werden. Es ist außerdem abzusehen, dass personalisierte PR anwachsen wird und mehr strategische Aspekte in die politische Kommunikation einfließen. Durch die stärkere Orientierung an Strategien wird es auch in der Öffentlichkeitsarbeit zu einer höheren Professionalisierung kommen. Sie wird auch zur Folge haben, dass eine Nivellierung der Parteimitte(n) eintreten wird und mithin auch die Parteibasis unwichtiger werden wird, da sich das Medieninteresse und damit auch die Macht über die öffentliche Meinung zunehmend in der Parteispitze konzentrieren wird. Schon heute ist dies aus meiner Sicht der Fall, v.a. bei SPD und CDU. Für die Parteien werden Spin-Doktoren, auch außerhalb von Wahlkämpfen, wichtiger werden, da die Inhaltsvermittlung mindestens eben so wichtig ist die der politische Inhalt. Schon heute hört man oft den (zugegeben nervigen und oft unzutreffenden) Spruch &#8220;Wir haben es nicht richtig kommuniziert&#8221;, der genau in diese Richtung deutet. Es ist leider anzunehmen, dass diese Tendenz eher zu- als abnehmen wird.</p>
<p>Des Weiteren ist zu erwarten, dass die Digitale Revolution dazu führen wird, dass die Massenmedien an Wichtigkeit verlieren werden und an ihre Stelle wieder mehr direkte Kommunikation ohne den medientypischen Bias tritt. Die Informationsvermittlung wie -beschaffung wird sich deutlich individualisieren. Mittlerweile ist das Internet in allen Bevölkerungsgruppen außer bei Arbeitslosen und Rentnern als Leitmedium auf dem Vormarsch, was sich wahrscheinlich in Zukunft so fortsetzen wird. Außerdem werden wohl PR mittels Events, dialogischen Elementen und Polit-Sponsoring zunehmen. Hierin liegt eine Herausforderung für unsere politische Ordnung, die auch im derzeitigen Wahlkampf in NRW eine Rolle gespielt hat.</p>
<p>Schlussendlich wird die Polit-PR gestärkt aus den nächsten Jahren hervorgehen. Als konstitutives Element öffentlicher Kommunikation wird sie nicht mehr wegzudenken sein aus dem politischen Leben in Deutschland. Es wäre angesichts der wahrscheinlich unabwendbaren Entwicklung hin zur PR-getriebenen Politik besser, nicht alten Zeiten nachzutrauern, sondern die Herausforderung anzunehmen und die neuen Möglichkeiten zu eigenen Gunsten zu nutzen.</p>
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		<title>Die duale Rundfunkordnung in Deutschland</title>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 15:26:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Im zweiten Teil zu Themen der Kommunikationswissenschaft möchte ich die duale Rundfunkordnung Deutschlands vorstellen, also die Koexistenz von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Privatfernsehen. Ich werde erläutern, wie es dazu kam und welche Folgen daraus resultieren.</p>
<p>Inhalt:
1 &#8211; Die gesellschaftlichen Aufgaben der Massenmedien
2 &#8211; Anfänge des Rundfunks in Deutschland
3 &#8211; Einführung des Privatfernsehens
4 &#8211; Ökonomisierung &#8211; Chance und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im zweiten Teil zu Themen der Kommunikationswissenschaft möchte ich die duale Rundfunkordnung Deutschlands vorstellen, also die Koexistenz von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Privatfernsehen. Ich werde erläutern, wie es dazu kam und welche Folgen daraus resultieren.</strong></p>
<p><strong>Inhalt:<br />
1 &#8211; Die gesellschaftlichen Aufgaben der Massenmedien<br />
2 &#8211; Anfänge des Rundfunks in Deutschland<br />
3 &#8211; Einführung des Privatfernsehens<br />
4 &#8211; Ökonomisierung &#8211; Chance und Gefahr<br />
5 &#8211; Organisationsstrukturen und Regulierung<br />
6 &#8211; Prognosen für die zukünftige Entwicklung</strong></p>
<p><strong><span id="more-219"></span></strong></p>
<h3>1 &#8211; Die gesellschaftlichen Aufgaben der Massenmedien</h3>
<p>Oft ist bei Massenmedien die Rede von der &#8220;Vierten Gewalt&#8221; neben Legislative, Exekutive und Iudikative. Eine solche Bezeichnung ist zwar theoretisch wie praktisch zu hoch gegriffen, zeigt aber den Anspruch, der an die Medien gestellt wird. Sie haben in einer freiheitlich-demokratischen, pluralistischen Gesellschaft verschiedene Aufgaben, die nun vorgestellt werden sollen.</p>
<p>Am ehesten werden die Medien dem Wunsch nach einer &#8220;Vierten Gewalt&#8221; gerecht, wenn sie Kritik und Kontrolle am Handeln der übrigen Gewalten und anderer gesellschaftlicher Systeme üben. Diese Aufgabe wird auch Wächterfunktion genannt. Den Mächtigen soll auf die Finger geschaut werden; die Medien sollen der <em>watch-dog</em> der Demokratie sein. Leider werden die Medien diesem Anspruch immer weniger gerecht, was vor allem an der Ökonomisierung der Medienlandschaft liegt, auf die später noch ausführlich eingegangen wird.</p>
<p>Die wichtigste Aufgabe der Medien ist die Erfüllung der Informationsfunktion. Ihnen obliegt es, für verschiedenste Themen (die von ihnen selbst oder von anderen gesellschaftlichen Systemen gesetzt werden) Öffentlichkeit herzustellen. Bei der Berichterstattung sollen sie drei Postulate beachten: Erstens die Vollständigkeit, d.h. es soll umfassend, thematisch vielfältig und plural berichtet werden. Als zweites sollen sie immer möglichst objektiv berichten, d.h. unverzerrt, faktentreu und Nachricht von Meinung getrennt halten. Drittens gilt das Gebot der Verständlichkeit. Auch komplexe Themen müssen für Laien verständlich aufbereitet werden. Außerdem sollte nicht nur das Thema selbst, sondern auch dessen Kontext in der Berichterstattung eine Rolle spielen.</p>
<p>Die Medien sind außerdem eine Sozialisationsinstanz. Über ihr Wirken kommunizieren verschiedene Teilöffentlichkeiten und Subsysteme der Gesellschaft. Die Massenmedien sind dabei als Feedback-Kanal zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Gruppen zu sehen. Sie ermöglichen nicht nur soziale Interaktion, sondern auch Integration. Mehr und mehr finden die Menschen über die Medien ihren Platz in der Gesellschaft &#8211; eine Erkenntnis, die sich u.a. auch in der <a href="http://denkreiz.de/206/gewalt-in-den-medien/">Kultivierungsthese</a> niederschlug (Fernsehen als zentraler Enkulturationsfaktor).</p>
<p>Die Massenmedien nehmen außerdem eine Bildungsfunktion wahr. Sie sollen Bildung vermitteln und für Kultur begeistern. Dieser Bildungsauftrag schlägt sich derzeit v.a. in den Dritten Programmen nieder, z.B. wissenschaftliche Lehrsendungen bei BR Alpha oder Konzerte bei 3Sat. In den massenattraktiven Sendern wird diese Aufgabe nicht so offensichtlich wahrgenommen, findet jedoch auch ihren Niederschlag, z.B. bei politischen Sendungen oder Magazinen, die der politischen Bildung dienen (sollten).</p>
<p>Neben den &#8220;strengen&#8221; Anforderungen haben die Medien natürlich auch eine Unterhaltungsfunktion. Sie sollen Rekreation ermöglichen, Entlastung von den Alltagssorgen bieten und Zerstreuung liefern. Bezüglich dieses Punktes dürfte es die wenigsten Beschwerden gegen die Medien geben. Diese Aufgabe wird wahrgenommen, schließlich ist sie neben Sportübertragungen die lukrativste Sparte.</p>
<p>Neben ihrer offensichtlichen Dienstleistungsfunktion nehmen die Medien außerdem noch eine Werbe- und Zirkulationsfunktion wahr. Sie informieren die Gesellschaft über neue Produkte &#8211; nicht nur in der begrenzten Werbezeit, sondern auch im redaktionellen Teil, beispielsweise bei entsprechenden Features (Berichte über Messen, neue technische Entwicklungen etc.). Dadurch animieren sie zum Kauf der Waren und helfen dabei, das Geld im Umlauf und damit die Wirtschaft auf Trab zu halten. Die Funktionstüchtigkeit der Medien sind ergo nicht nur für die Demokratie lebenswichtig, sondern auch für die Wirtschaft.</p>
<p>Die Aufgaben der Medien kann man auch in Gruppen unterteilen: So gehören zu den gesellschaftlichen Funktionen die Herstellung von Öffentlichkeit durch Austausch von Informationen und Transparenz. Außerdem ist gesellschaftlich die politische Sozialisation und Integration sowie die ebenfalls bereits genannten Kritik- und Kontrollaufgaben wichtig. So entstehen und bestehen auch durch die mediale Berichterstattung politische Normen. Dementsprechend ist die Bildungsfunktion von Belang: Die Medien sollen zur Meinungsfindung beitragen und bei der Urteilsbildung zum politischen Geschehen durch umfassende Berichterstattung helfen. Auch gesamtgesellschaftlich sind Massenmedien bedeutend hinsichtlich ihrer Sozialisationsfunktion: Sie vermitteln Normen, Werte, Denkformen und Verhaltensweisen. Daraus erwächst große Verantwortung, die leider nur zu oft nicht im gesellschaftlich wünschenswerten Maß erfüllt wird. Gesellschaftlich relevant ist schließlich auch die bereits beschriebene Rekreationsfunktion.</p>
<p>Eine andere Sichtweise bietet die Politik. Sie formuliert vier Bedürfnisse an die Massenmedien. Sie hat ein Unterrichtungsbedürfnis &#8211; die Medien sollen dem politischen System Informationen liefern, was das Volk beschäftigt und wie es zu den aktuellen Themen denkt -  vor allem auch, was relevante Teilöffentlichkeiten denken. Die Medien helfen also bei der bottom-up-Kommunikation (Informationsvermittlung). Die umgekehrte Richtung, also top-down (Politikvermittlung) manifestiert sich im Mitteilungsbedürfnis des politischen Systems. Ideen, Vorhaben und Entscheidungen sollen den Wählern erklärt werden. Daran schließt sich das Akzeptanzbedürfnis der Politik an. Via Medien wirbt sie um Unterstützung und versucht, sich öffentlich wirksam selbstdarzustellen. Der Politik wird also von den Medien eine Self-Promotion mit dem Ziel steigenden Wählerzuspruchs ermöglicht. Hierbei muss allerdings klar zwischen redaktionellem Inhalt, Meinung und politischer Werbung getrennt werden. Zu guter Letzt sind politisch auch die internationalen Kommunikationsbedürfnisse von immer größerer Wichtigkeit. Durch die eigenen Medien soll im Ausland ein positiver Eindruck vom eigenen Land entstehen. Viele Staaten unterhalten bzw. unterstützen deswegen eigene Auslandssender. Sogenannte &#8220;Mediendiplomatie&#8221; ist wichtig für die Außenbeziehungen eines Landes. Auch für die Verbreitung der eigenen Kultur und die Legitimation (außen)politischer Ziele werden sie gebraucht; Hollywood ist dafür das beste Beispiel.</p>
<p>Schließlich kann man die gesellschaftlichen Aufgaben der Medien auch aus individueller Perspektive betrachten. Jeder Einzelne hat das Bedürfnis nach Information. Dabei existiert natürlich eine enorm große Bandbreite an Wünschen und Motivationen, ob es nun die Suche nach Neuigkeiten, nach Ratschlägen oder die Befriedigung von Neugier ist. Es besteht auch das Bedürfnis nach persönlicher Identität, bei deren Suche die Medien helfen. Sie dienen mitunter der Selbstfindung, auch der Selbstbestätigung und der Bestätigung eigener Überzeugungen, helfen bei der Suche nach Verhaltensmodellen und bei der Identifikation mit anderen oder mit propagierten Helden. Die Medien bedienen außerdem das Bedürfnis nach Integration und sozialer Interaktion, das oben schon angesprochen wurde. Ein individuelles Bedürfnis ist natürlich auch die Unterhaltung, wobei auch dafür die Motivation unterschiedlich sein kann, beispielsweise Entspannung oder Langeweile oder auch Wirklichkeitsflucht.</p>
<p>Nach dieser allgemeinen Betrachtung zum gesellschaftlichen Nutzen der Massenmedien möchte ich nun zur historischen Entwicklung des Rundfunks in Deutschland kommen.</p>
<h3>2 &#8211; Anfänge des Rundfunks in Deutschland</h3>
<p>Anfänglich hatte vor allem der Staat ein starkes Interesse an der Verbreitung des Rundfunks. So verbreiteten sich in der Weimarer Republik langsam Funkempfänger/Radios, was die Nazis dann mit dem Werben für den Volksempfänger forcierten. Der Krieg setzte auch ihren Ambitionen ein Ende, flächendeckend Fernseher zu fördern und dadurch auch außerhalb des Kinos mit bewegten Bildern Propaganda zu betreiben.</p>
<p>Auch nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Rundfunk als Instrument politischer Kontrolle. Die Alliierten nutzten ihn als Mittel zur Umerziehung der Deutschen. Gerade das Fernsehen sollte das Medium zur Demokratisierung der Deutschen werden. Außerdem sollte der Rundfunk die Integration in den Wiederaufbau des zerstörten Landes fördern.</p>
<p>Um demokratischer Kontrolle und freiheitlichem Gedankengut Rechnung zu tragen, formulierte einer der Gründerväter des NDR (damals NWDR) und spätere BBC-Generaldirektor Hugh C. Greene 1946 die drei Gebote des (öffentlich-rechtlichen) Rundfunks: Niemals solle er zum Parteiensender werden, niemals solle er zum Regierungssender verkommen und niemals solle er das Sprachrohr kommerzieller Interessen werden. Die Einhaltung dieser Gebote und verlangt große Disziplin und stete Wachsamkeit und gelingt, wie einige Beispiele zeigen, nicht immer. Schon damals kam es zeitweise zu offener Feindschaft zwischen Parteien, Regierung und Fernsehsendern. Man erinnere sich nur an Adenauers Abneigung gegenüber den Landesrundfunkanstalten bzw. der ARD, die dann schließlich zur Gründung des ZDFs führte. Auch der Vorwurf eines &#8220;Rotfunks&#8221; aus der CDU/CSU an die vermeintlich zu linksorientierten öffentlich-rechtlichen Programme dient dafür als Beispiel. Seit der Ernüchterung mit den privaten Sendern finden die Öffentlich-Rechtlichen auch in diesem Metier wieder mehr Zuneigung, da sie für Politiker die einzige Möglichkeit darstellen, große Öffentlichkeit herzustellen &#8211; dazu später mehr. Auch das ökonomieskeptische dritte Gebot musste immer wieder gegen Unterwanderungsversuche verteidigt werden, so bei der Schleichwerbung oder neuerdings bei der Umgehung des Werbeverbots mittels Sponsoring, was später auch noch zur Sprache kommen wird.</p>
<p>Doch der Reihe nach. 1950 schlossen sich die (damals 6) Landesrundfunkanstalten zur &#8220;Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland&#8221; (ARD) zusammen. Sie strahlten ab 1954 ein gemeinsames Programm aus: &#8220;Das Erste&#8221;. Im Rahmen der bereits erwähnten Bestrebungen Adenauers, die Macht der Rundfunkanstalten zu brechen und die freigewordenen Frequenzen für einen staatsnahen Sender zu nutzen, kam es zum ersten von vielen wegweisenden Rundfunkurteilen des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG). Es verkündete 1961, dass Rundfunk von Verfassung wegen staatsfern sein muss und angesichts der Angebotsknappheit binnenplural zu sein hat, d.h. innerhalb des eigenen Programms umfassende Vielfalt garantieren muss. Noch im selben Jahr gründete sich das &#8220;Zweite Deutsche Fernsehen&#8221; (ZDF), das 1963 den Sendebetrieb aufnahm.</p>
<p>Ende der 60er kamen in den USA und Japan Kabelanschlüsse und Satellitenübertragung auf, was beinahe unbegrenzte Frequenzen und damit ungeahnte Sendervielfalt versprach. Die vormals wegen Frequenzmangels begrenzten Sendeplätze waren nun kein Argument mehr, kommerziellen Interessen den Zugang zu verweigern. Deswegen kam Anfang der 70er auch in Deutschland die Diskussion über eine Verkabelung auf. Auch hier mischte sich wieder das BVerfG im Rahmen des 2. Rundfunkurteils ins Geschehen ein und postulierte, der Rundfunk dürfe nicht dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen werden.</p>
<p>Die Debatte entbrannte umso stärker gegen Ende des Jahrzehnts. Die SPD weigerte sich beharrlich, Deutschland verkabeln zu lassen und stützte sich dabei auf einige Studien, die eine drohende Amerikanisierung vorhersahen (Überfrachtung mit Werbung, generelle Kommerzialisierung, kulturelle Entfremdung durch überwiegend amerikanische Produktionen, etc.). Außerdem würde die Angebotssteigerung zu einer Zunahme des TV-Konsums führen, wodurch sich nachteilige Effekte für die Gesellschaft ergäben. Die Zulassung kommerzieller Sender würde außerdem zur Folge haben, dass sich der Rundfunk am Massengeschmack orientiere, da er auf Werbefinanzierung basiere. Die geforderte Inhaltsvielfalt könne deswegen nicht garantiert werden. Darüberhinaus sei Rundfunk eine demokratische und kulturelle Aufgabe der ganzen Gesellschaft. Es gehe um die Gewährleistung von Meinungsvielfalt und nicht um das Bedienen von Einzelinteressen. Allenfalls eine Reform der Öffentlich-Rechtlichen konnte sich die SPD vorstellen.</p>
<p>In der jahrelang hitzig geführten Diskussion brachte die CDU/CSU als Gegenargumente an, dass der wirtschaftliche Wettbewerb (zwischen den Sendern) als freiheitliches Organisationsprinzip den Nutzen zugunsten aller maximiere. Hier sprang die Union auf den marktradikalen neoliberalen (Sieges-)Zug auf, den Milton Friedman gestartet hatte und der die nächsten Jahrzehnte maßgeblich bestimmen sollte &#8211; zum Leidwesen vieler Menschen. Sie degradierte den Rezipienten zum Konsumenten und sah den ökonomischen Markt des Rundfunks als &#8220;Marktplatz der Meinungen&#8221;. Sie argumentierte auch mit dem Wegfall des Frequenzmangels &#8211; die &#8220;Sondersituation&#8221; sei nun zuende, es gäbe keine Gründe mehr gegen die Einführung privaten Rundfunks. Außerdem täte den Öffentlich-Rechtlichen die Konkurrenz ganz gut; sie wären somit zum Sparen gezwungen. Und schließlich solle es ein Gegengewicht zum &#8220;Rotfunk&#8221; geben, ein rechter (bzw. &#8220;mittiger&#8221;) zum als links empfundenen bisherigen Rundfunk. Die damalige Naivität der Union und ihre späte Reue hat Deutschland viel gekostet.</p>
<p>Den Lauf der Zeit konnte die SPD nur noch kurz aufhalten. 1978 beschlossen die Ministerpräsidenten, aufbauend auf dem KtK-Bericht von 1976, in vier Städten befristete Versuche mit wissenschaftlicher Begleitung durchzuführen, um die neuen technischen Möglichkeiten zu testen (die sogenannten Kabelpilotprojekte). Obwohl die SPD zu übermütige Verfechter 1979 mit dem Verkabelungsstopp ausbremste, verkamen die Pilotprojekte zum reinen Schaulaufen der späteren Größen des Privatrundfunks, als die Versuche schließlich starteten. Die Länder hatten sich zerstritten und wurden schlussendlich von der rundfunkpolitischen Entwicklung überholt.</p>
<p>1982 kam es nämlich zum Regierungswechsel in Bonn. Die Union übernahm wieder die Macht und setzte nun rigoros ihre Pläne um. Ganz vorn dabei war Postminister Schwarz-Schilling, dem die Verkabelung <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14018341.html">trotz aller Risiken</a> gar nicht schnell genug gehen konnte. Auch die Satellitenkapazitäten ließ er erweitern. Durch sein Vorpreschen kam es zu einer Präjudizierung (er stellte die Gesellschaft vor eine Entscheidung, die er schon getroffen hatte) und zwang dadurch zur Nutzung der neuen Technik, wenn man das Geld nicht zum Fenster hinausgeworfen haben wollte.</p>
<p>Kurz zuvor war es (1981) zum dritten Rundfunkurteil des BVerfG gekommen. Es schrieb der Regierung ins Stammbuch, dass Wettbewerb Meinungsvielfalt keineswegs sichere. Für private Anbieter müsse deswegen gelten, dass sie bestimmte Auflagen einzuhalten und unter begrenzter Staatsaufsicht zu stehen haben. Dabei sollen Auswahlregeln für deren Zulassung formuliert werden und ein Erlaubnisverfahren eingerichtet werden. Desweiteren seien Leitgrundsätze für den Inhalt des Gesamtprogramms zu erarbeiten. Das BVerfG vollführte allerdings in diesem Urteil eine Kehrtwende zum ersten Rundfunkurteil und postulierte, nicht nur Binnenpluralismus sei die einzig mögliche Programmform, sondern es sei auch Außenpluralismus erlaubt, d.h. dass Vielfalt erst durch viele Anbieter entsteht. Das Gericht gab also den Anspruch umfassender Vielfalt auf und begnügte sich mit geringeren Anforderungen an Privatsender &#8211; dies aber nur, solange die Öffentlich-Rechtlichen ihrem Programmauftrag gerecht werden (können).</p>
<h3>3 &#8211; Einführung des Privatfernsehens</h3>
<p>1984 schlug schließlich die Stunde Null für das Privatfernsehen in Deutschland. Via Luxemburg empfingen tausende Menschen außerhalb der Pilotprojekte Privatsender. Da ihre Blockade zusehends umschifft und von der Zeit überholt wurde, gab die SPD im selben Jahr schließlich ihre ablehnende Haltung auf und stimmte der allgemeinen Zulassung des Privatfernsehens zu. Sie machte dabei allerdings zur Auflage, dass die Binnenpluralität der Sender gesichert bleibe (im Rückblick ein schlechter Scherz) und für die Öffentlich-Rechtlichen eine Bestands- und Entwicklungsgarantie gegeben werde.</p>
<p>In der Folge wurden in schneller Reihenfolge die Landesmediengesetze verabschiedet. Wieder wurde dagegen vorm BVerfG geklagt, dem es dadurch einmal mehr zufiel, den politischen Patt zu lösen. Im folgenden vierten Rundfunkurteil wurden Teile des dritten Urteils weiter aufgeweicht (v.a. bzgl. Zulassung der Sender). Neue Grenzen wurden allerdings gegen eine Monopolbildung gezogen: Die Meinungsvielfalt sollte durch Vorschriften bei der intra- und intermediären Konzentration gesichert werden. Das Gericht formulierte außerdem für die Öffentlich-Rechtlichen den &#8220;Grundversorgungsauftrag&#8221;, der nicht als Mindestversorgung missverstanden werden sollte. Es handelt sich dabei um eine umfassende Informationsversorgung für die ganze Gesellschaft im Sinne der demokratischen Ordnung und des kulturellen Lebens. Rundfunk diene als Selbstbeschreibung der Gesellschaft. Die publizistische Dimension sei höher angesiedelt als die ökonomische Dimension. Nur solange dieser Grundversorgungsauftrag erfüllt werde, seien geringere Anforderungen an private Anbieter zulässig.</p>
<p>Nach der Auflösung des Patts wurde schließlich 1987 im Rundfunkstaatsvertrag die Grundordnung des dualen Rundfunksystems festgelegt. Hierbei wurden auch die Aufträge der ab 1984 gegründeten und aktiven Landesmedienanstalten präzisiert,  auf die ich später noch eingehen werde. Sie standen schnell als &#8220;zahnlose Tiger&#8221; und Steigbügelhalter kommerzieller Interessen unter Feuer. So tolerierten sie Anfang der 90er zahlreiche gewalthaltige und erotische Sendungen (z.B. &#8220;Tutti Frutti&#8221;), die deutschlandweit für Empörung sorgten. Die Kontroversen führten schließlich 1993 zur Gründung der &#8220;Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen&#8221; (FSF), die &#8211; ähnlich wie die FSK im Filmbereich &#8211; eine Prüfinstanz für Sendungen im Privatfernsehen ist. Zuvor (1991) gestand das BVerfG im sechsten Rundfunkurteil der Bestands- und Entwicklungsgarantie ausdrücklich Verfassungsrang zu. Es betonte außerdem den Grundversorgungsauftrag als Existenzgrundlage des Rundfunksystems und beschwor die Entwicklungsoffenheit des Rundfunkbegriffs (dem wir z.B. die GEZ-Gebühren auf PCs verdanken). Die Finanzierung der Öffentlich-Rechtlichen müsse gesichert und der Finanzausgleich erhalten bleiben.</p>
<p>Apropos Finanzierung und GEZ: 1994 kam es zum sogenannten Gebühren-Urteil. Es legte fest, dass die &#8220;Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten&#8221; (KEF) nicht mehr als bloßes Hilfsinstrument der Ministerpräsidentenkonferenz dienen solle, sondern als entscheidendes Zwischengremium in einem dreistufigen Prozess zur Gebührenfestlegung fungieren solle &#8211; dazu später mehr.</p>
<p>Auch nach all den schlichtenden Urteilen und Neuerungen kam die neue Rundfunkordnung nicht zur Ruhe. Im 1996 neu geschlossenen Rundfunkstaatsvertrag wurde angesichts der Konzentration der Anbieter auf zwei Senderfamilien (Duopol) und dem leidigen Konkurrenzkampf der Länder um Standortvorteile eine noch stärkere institutionelle Zentralisierung beschlossen. Zu diesem Zweck wurde die &#8220;Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich&#8221; (KEK) geschaffen und die &#8220;Konferenz der Direktoren der Landesmedienanstalten&#8221; (KDLM) konstituiert. Im Rundfunkänderungsstaatsvertrag von 2002 wurden schließlich klare Grenzen festgelegt: Kein einzelner Anbieter solle über 25% Zuschaueranteil kommen (alle firmeneigenen Sender zusammengenommen), was durch die KEK zu ermitteln sei. Sollte dieses Limit überschritten werden, dürfen keine neuen Sendelizenzen an denjenigen Anbieter vergeben und Fusionen untersagt werden.</p>
<h3>4 &#8211; Ökonomisierung &#8211; Chance und Gefahr</h3>
<p>Die Zulassung des Privatfernsehens hat die Medienlandschaft Deutschlands gehörig durcheinandergewirbelt. Die Anpassung und Abgrenzung der beiden Säulen hat die Debatte der 90er stark geprägt. Vor allem im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit gibt es mittlerweile nicht nur für die privatrechtlichen, sondern auch für die öffentlich-rechtlichen Anstalten strenge Vorgaben. Er muss sich trotz seines eigentlichen Zweckes (Grundversorgung s.o.) teilweise der Marktlogik beugen. Dies hat einige Vorteile, aber auch viele Nachteile. Beides soll nun zur Sprache kommen.</p>
<p>Bei den beiden Säulen kollidieren zwei verschiedene Welten, die sich aber trotzdem gemeinsam in einer Welt arrangieren müssen. Dies ist nicht einfach, da für die Öffentlich-Rechtlichen der publizistische Wettbewerb das Maß aller Dinge ist, während bei den Privaten der ökonomische Wettbewerb über Wohl und Wehe entscheidet. Ertrags- und Gewinnmotive stehen hinter ihrem Handeln, Effizienz und Rentabilität sind die Wegmarken. Die Öffentlich-Rechtlichen sollten sich hingegen am Gemeinwohl orientieren und sich der Aufklärung und demokratischen Kontrolle verschreiben. Deswegen sind sie gebührenfinanziert, um sowohl Staat als auch Wirtschaft von ihnen fernzuhalten; nur ein kleiner Werbeanteil wird ihnen zugestanden. Die Privaten finanzieren sich nur über Werbung, was sie folglich auch stark abhängig von der Konjunktur macht. Sie dürfen sich aber fast frei in allen Marktsegmenten betätigen, während die Öffentlich-Rechtlichen diesbezüglich eingeschränkt sind: Sie dürfen im Internet nur Annexdienste anbieten und neuerdings Sendungen nur noch 1 Woche anbieten. Auch im Zeitschriftenmarkt dürfen sie sich beispielsweise nicht betätigen. Den Privaten steht das frei. Dadurch entstehen logischerweise große Medienkonzerne wie z.B. Bertelsmann, die in allen Segmenten aktiv sind und durch ihre Meinungsmacht das demokratische Fundament bedrohen, denn für ein Wirtschaftsunternehmen zählt vor allem der wirtschaftliche Erfolg. Wegen dieser Gefahr wurde nicht nur eine Konzentrationskontrolle eingeführt, sondern auch dem öffentlichen Fernsehen eine Bestands- und Entwicklungsgarantie eingeräumt. Selbst die Begrenzung der Internetdienste wird von zentralen Verfassungsrechtlern wie Hoffmann-Riem kritisch gesehen.</p>
<p>Die Öffentlich-Rechtlichen stehen nicht nur im publizistischen Wettbewerb mit den Privaten, also dem Kampf um Aufmerksamkeit und Publizität. Seit dem Hinzutreten der Privaten werden die Öffentlich-Rechtlichen auch wirtschaftlichen Zwängen und dem Wettbewerb auf diesem Sektor ausgesetzt. Beide Säulen konkurrieren um Werbekunden und um Quoten, die diese Kunden anlocken sollen. Die Kontrahenten kämpfen nicht nur um die Gunst der Zuschauer und Werbekunden, sondern auch auf anderen Feldern. Die Privaten versuchen daraus Kapital zu schlagen, dass  Deutschland föderalistisch organisiert ist und die Länder mitunter auch zueinander in Konkurrenz stehen. Dies ist möglich, weil die Kulturhoheit (also auch die Zuständigkeit für den Rundfunk) bei den Ländern liegt. Die Privaten drohen dem zuständigen Land bei zu restriktiver Aufsicht, ungünstiger Gesetzeslage oder schlechten wirtschaftlichen Aussichten mit Abwanderung in ein anderes Bundesland &#8211; MTV hat das z.B. schon dreimal gemacht. Da Medienkonzerne und ihr Umfeld durch die vielen Arbeitsplätze eine beträchtliche arbeitspolitische Macht und dadurch ein formidables Druckmittel besitzen, knicken die Länder meist ein und versuchen eine möglichst privatmedienfreundliche Linie zu fahren. Die Öffentlich-Rechtlichen können solche Sanktionsmittel nicht einsetzen, sie werden allein passiv &#8211; aber dennoch wirkungsvoll &#8211; von der Meinungs- und Pressefreiheit geschützt. Auch auf einem weiteren wichtigen Markt konkurrieren beide Säulen, nämlich die Film- und Fernsehproduktionswirtschaft. Die Kosten für etwaige Lizenzen z.B. für Serien und Sportübertragungen sind aufgrunddessen exorbitant gestiegen. So stieg beispielsweise der Preis für Übertragungsrechte der Bundesliga innerhalb von 10 Jahren um das 13-fache an.Subsummiert findet eine Ökonomisierung des Rundfunksystems statt: Die Ökonomie verdrängt die Publizistik. Diese Entwicklung bringt beide Säulen in enorme Bedrängnis.</p>
<p>Die Ökonomisierung lässt sich in vier Ebenen unterteilen, die von ihr betroffen sind: Individuum, Unternehmen, Markt und Politik. Das Individuum wird von ihr zur Kosten-Nutzen-Rechnung gezwungen, die mehr und mehr ethische Prinzipien verdrängt. Journalismus wird nach seinem Unterhaltungs- und Gebrauchswert bemessen, nicht nach seiner publizistischen Qualität. Er wird nicht mehr als öffentliche Aufgabe verstanden &#8211; Journalisten fokussieren sich stattdessen lieber auf ihre Karriere. Gerade in diese Lücke, die nur noch spärlich von einigen Qualitätsmedien zeitweise besetzt wird, stößt nun die (politische) Bloggerszene vor. Für die privaten Unternehmen und öffentlich-rechtlichen Medienbetriebe zählt nun vor allem die Steigerung der allokativen und produktiven Effizienz. Die Verwertungsketten sollen verbreitert und die Produktion billiger werden. Zum Unternehmensziel wird deswegen die Kostenführerschaft bei der Hintergrundnutzung am Tag und die Reichweitenmaximierung in der Prime-Time am Abend. Außerdem lassen sich durch eine avisierte breite Marktstellung Syngergieeffekte und maximale Erlöse erzielen. Der &#8220;Zuchtmeister Wettbewerb&#8221; regiert auch den Markt. Hier kommt es durch die Ökonomisierung zu steigenden Konzentrationen. Alle versuchen, ihre Wertschöpfungsketten auszubauen und neue Märkte zu erschließen. Außerdem bandeln die Unternehmen mit der Werbewirtschaft an, was sich in Unsitten wie dem Product-Placement niederschlägt. Die Politik schließlich trägt ihr Scherflein durch Deregulation und Veränderungen des Medienrechts bei. Zentral für die Entwicklung war natürlich die politische Forcierung und Zulassung des privaten Rundfunks.</p>
<p>Die Privaten waren notgedrungen sehr erfindungsreich, wenn es darum ging, Zuschauer- und Werbemärkte zu erschließen und Wertschöpfungsketten auszubauen. Da durch die schwache konjunkturelle Entwicklung auch der Werbemarkt ins Stocken geriet, wandten sich die Privaten mehr dem Zuschauer zu und ersannen neue Wege, diese Cash-Cow zu melken. Eine noch weitreichendere zeitliche Bindung war nicht mehr möglich, die Fernsehnutzung ist kaum mehr ausdehnbar, abgesehen von Parallel- oder Nebenbeinutzung. Auch die kontinuierlich ansteigenden Programmkosten und die schnelle Übersättigung mit gängigen Formattypen und dadurch kürzere Programmzyklen zwangen zu neuen Ideen. Man suchte nach anderen Wegen, den Zuschauer zu binden und Erlöse zu erzielen.</p>
<p>So kam es zur Radikalisierung der Kommunikationsregeln hin zu einem rein vom Nachrichtenwert getriebenen Journalismus. Das Fernsehen wurde in private und intime Bereiche ausgeweitet, der Zuschauer selbst zum Akteur (Reality-TV, z.B. Big Brother). Auch dadurch lassen sich Kosten sparen. Die Privaten orientierten sich am Sensationsgehalt einer Nachricht oder Sendung und konzentrierten sich auf eine unterkomplexe und effektvolle Aufbereitung; zynisch könnte man auch von &#8220;Verdummung&#8221; sprechen. Sie führten Shopping-Sendungen ein, die sich ideal mit der Werbewirtschaft verbandeln ließen (und eigentlich unter ein Werbeverbot fallen müssten&#8230;) und versuchten, über Call-In-Angebote (v.a. für Gewinnspiele) neue Einnahmequellen zu erschließen. Für die Sendungen wurden teilweise Merchandisingprodukte auf den Markt geworfen und Abonnement-Angebote eingeführt, die sich vor allem durch (Internet-)Fan-Communities realisieren ließen. Dadurch konnte man erfolgreich die Anonymität der Zuschauer brechen und Einblicke in ihre Sendegewohnheiten und Wünsche gewinnen. Man versuchte den Zuschauer auch durch Cross-Media-Strategien zu binden, also z.B. vermehrte Werbung in unternehmenseigenen Presseerzeugnissen (Cross-Promotion) oder Verkauf von relevanten Produkten. Hinter der ganzen Entwicklung steckt das Customer-Value-Konzept &#8211; ein Versuch, aus jedem Kunden das maximale Kapital zu schlagen; der Berufszweig nennt sich Customer-Relationship-Management.</p>
<p>Ein perfektes Beispiel für diese Neuheiten ist das seit Jahren erfolgreiche &#8220;Deutschland sucht den Superstar&#8221; (DSDS). Nicht nur wird in Bild und anderen Medien ein Riesenwirbel um die Kandidaten gemacht, es gibt natürlich auch im Internet Informationsangebote und Communities. Außerdem gibt es im Rahmen der Sendung Call-In-Angebote, um den favorisierten Kandidaten zu wählen oder bei Gewinnspielen mitzumachen. Auch Merchandisingprodukte kann man erstehen. Weitere Gewinne werden durch den Vertrieb und Verkauf der CDs der DSDS-Gewinner erzielt.</p>
<p>Nach diesen Entwicklungen ist das TV-Programm im Privatmarkt mittlerweile nur mehr ein Baustein einer komplexen Marketingstrategie. Sendungen werden gezielt für eine optimale Vermarktung geplant und produziert. Alternativ werden entsprechende Events veranstaltet (z.B. Raabs Wettbewerbe), crossmedial beworben und mit Merchandising begleitet. In der Folge wird versucht, den Lebenszyklus erfolgreicher Sendungen durch Fortsetzungen zu verlängern oder Adaptionen bzw. Imitationen auf den Markt zu bringen.</p>
<p>Aus der Ökonomisierung resultiert für die Öffentlich-Rechtlichen ein Dilemma. Der Kostendruck nimmt wegen des Auseinanderdriftens von Werbeeinnahmen und Programmkosten zu; ein Anheben der Gebühren ist unpopulär und deswegen stets der letzte Ausweg. Die enorme Preissteigerung bei massenattraktiven Angeboten durch die erhöhte Nachfrage setzt den Öffentlich-Rechtlichen weiter zu. Die Crux an der Sache ist vor allem, dass der verfassungsrechtliche Auftrag Vielfalt erfordert, sich aber gesellschaftliche Akzeptanz nur über Massenattraktivität herstellen lässt. Diese Konstellation wirkt sich natürlich auch auf die Gebührenfinanzierung und ihre Legitimation aus. Die Finanzierung über Werbung ist seit jeher beschränkt. Nur im Ersten und im ZDF darf überhaupt geworben werden, aber nicht nach 20 Uhr oder an Sonn- und Feiertagen. Außerdem dürfen die Öffentlich-Rechtlichen kein Tele- oder Radioshopping veranstalten. Nur Sponsoring-Spots sind ihnen seit 1991 erlaubt.</p>
<p>Die Frage war nun, wie die Rundfunkanstalten reagieren sollten &#8211; entweder würden sie marginalisiert werden oder sich selbst kommerzialisieren müssen. Schließlich kam es zur Ökonomisierung, die mit einem Sparzwang einhergeht. Außerdem wurden die Anstalten organisatorisch umgebaut. Es kam zu Fusionen und der Druck, weitere Fusionen einzugehen, wird zunehmen. Durch die Ökonomisierung nimmt leider auch die Abhängigkeit von der Politik zu. Die Öffentlich-Rechtlichen sind mehr und mehr auf sie angewiesen und Staatsferne deswegen ein umso bedrohteres Gut.</p>
<h3>5 &#8211; Organisationsstrukturen und Regulierung</h3>
<p>Ich möchte auch noch einen kleinen Einblick in die Organisationsstruktur der öffentlich-rechtlichen Anstalten geben, also Rundfunkanstalten und Landesmedienanstalten. Außerdem werde ich die verschiedenen Regulierungsinstanzen vorstellen.</p>
<p>Eine Rundfunkanstalt wird geleitet von einem Rundfunkrat, einem Verwaltungsrat und einem Intendanten. Der Rundfunkrat setzt sich aus gesellschaftlich relevanten Gruppen zusammen, darunter Politiker, Kirchen, Gewerkschaften, NGOs und Verbände. Er übernimmt die Kontrolle des Programms und wacht über die Einhaltung des gesetzlichen Sendeauftrags. Er hat dafür zu garantieren, dass das Programm zugangsoffen für alle gesellschaftlichen Gruppen ist, d.h. dass sich alle durch den Sender vertreten fühlen sollten. Der Rundfunkrat berät außerdem den Intendanten bei der Programmgestaltung und kann ihn wählen und abberufen. Wählen kann er auch einen Teil des Verwaltungsrats. Außerdem genehmigt er den Wirtschaftsplan. Der Verwaltungsrat beinhaltet neben den vom Rundfunkrat gewählten Personenim Regelfall den/die Ministerpräsidenten des jeweiligen Landes bzw. Länder und eventuell den obersten Richter. Er kontrolliert die wirtschaftliche Tätigkeit der Rundfunkanstalt und die Geschäftsführung des Intendanten. Außerdem ist seine Zustimmung für größere Investitionen und Festanstellungen nötig. Der Intendant ist der oberste Leiter der Anstalt und rechtlich für sie verantwortlich. Er führt die Geschäfte und repräsentiert den Sender. Die Programmgestaltung gehört auch zu seinen Aufgaben. Sie gibt er im Allgemeinen an Direktoren weiter, die er mit Zustimmung beider Räte ernennen darf.</p>
<p>Die Landesmedienanstalten wurden zur Regulierung des privaten Rundfunks gegründet. Ihr Hauptorgan besteht entweder aus Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen oder ein unabhängig gewählter Rat bestimmt über programmbezogene Fragen und Zulassung von Sendern. Daneben existiert ein Exekutivorgan, meist ein Direktor mit drei- oder vierköpfigem Vorstand, das für Vorbereitung und Ausführung der Entscheidungen des Hauptorgans sowie für die laufenden Geschäfte zuständig ist. Die Aufgaben der Landesmedienanstalten umfassen die Zulassung und Kontrolle privater Rundfunkveranstalter, eine begleitende Kommunikationsforschung (z.B. ALM-Jahrbücher) und teilweise den Betrieb offener Kanäle. Sie finanzieren sich aus einem 2%-Anteil der Rundfunkgebühr (GEZ). Durch ihre logische Nähe zum privaten Rundfunk verstanden sie sich vor allem in der Anfangsphase auch als Förderer des privaten Rundfunks, schon allein, um sich selbst zu legitimieren und den Standortinteressen des Landes zu entsprechen. Trotz Unabhängigkeitsgarantie ist gelegentlich auch eine Ausrichtung an der Landespolitik bzw. -regierung zu erkennen.</p>
<p>Die Zulassung von Privatsendern trifft generell auf einige Vorbehalte: Zuerst müssen die rundfunkspezifischen Konzentrationsgrenzen eingehalten werden. Hierbei werden die intermediären Konzentrationen aber selten beachtet. Zweitens soll der Pluralismus gesichert bleiben. Oft ist dies nur außenpluralistisch möglich (ein Strauß an Sendern ist dann für Vielfalt nötig), da nur wenige Anbieter im jeweiligen Sendegebiet binnenpluralistisch sind. Außerdem hat die Landesmedienanstalt auf den inhaltlichen Bezug des Programms zum Sendegebiet zu achten. Oft wird von den Anbietern über bestimmte Sendungen oder Erwähnung des Studio-Standorts ein wenig Landeskolorit eingeflochten.</p>
<p>Die laufende Kontrolle der Landesmedienanstalten betrifft die Einhaltung der Programmgrundsätze, die im Rundfunkstaatsvertrag und den Landesmediengesetzen festgelegt sind. Die Sender haben selbstverständlich zentrale Verfassungswerte und die allgemeinen Gesetze zu (be)achten. Außerdem sollen sie Werte fördern (hier sei mir ein sarkastischer Huster erlaubt). Kontrolliert wird auch, ob journalistische Standards eingehalten werden, v.a. bei Informationssendungen. Es gilt auch, die Werberegeln zu beachten. Werbung ist nur zeitlich begrenzt möglich (12 Minuten pro Stunde) und muss als Blockwerbung stattfinden &#8211; ein Gebot, das die Sender immer mehr aufweichen. Eine weitere Regel (die auch mehr und mehr aufgeweicht wird) ist die klare Trennung von Werbung und Programm.</p>
<p>Die Landesmedienanstalten versuchen Anreize für Produktionen aus dem deutschsprachigen oder europäischen Bereich zu setzen. Im Gegenzug zu abgeforderten Standortzusagen kommt es zu einer &#8220;Landeskinderbevorzugung&#8221;. Aus dem dadurch entstehenden Konkurrenzkampf versuchten die privaten Anbieter, wie bereits erwähnt, Kapital zu schlagen. Dem versuchten die Anstalten durch vermehrte Zusammenarbeit zu begegnen. Außerdem kooperieren sie bei der Koordination der bundesweiten Ausstrahlung und erarbeiten gemeinsam bindende Richtlinien zum Jugendschutz und zur Werbung. Sie stimmen sich untereinander ab, wie der geltende Rundfunkstaatsvertrag anzuwenden sei und tauschen generell Informationen aus und diskutieren übergreifende Fragen, beispielsweise zur Medienentwicklung. Diese Zusammenarbeit wird durch Konferenzen der Anstalten (z.B. die KDLM, s.o.), Arbeitskreise und gemeinsame Stellen institutionalisiert.</p>
<p>Die Regulierung durch die Landesmedienanstalten trifft auf einige Schwierigkeiten: Die rechtliche Steuerung führt immer auch zu Ausweichreaktionen. Wie oben geschildert, zeigen sich die Privatsender dabei durchaus erfinderisch. Die Aufsicht wird auch dadurch erschwert, dass ihr Sinn mit der Marktorientierung der Unternehmen kollidiert. Die Ausdifferenzierung und Kombination verschiedener Wertschöpfungsakte (z.B. Produktion) und die zunehmende Internationalisierung sind weitere Regulierungsprobleme. Zu monieren ist auch, dass das Nichtbefolgen und Unterlaufen der Regeln für die Sender selten Konsequenzen hatte. Eher führte das Austesten der Grenzen dazu, dass die Anforderungen zurückgenommen wurden. Die Aufsichtsinstrumente wurden abgeschwächt und normativer Verzicht geübt, anstatt die gesetzten Regeln konsequent umzusetzen &#8211; wohl auch eine Konsequenz der Nähe der Landesmedienanstalten zu den Privatsendern.</p>
<p>Für den Rundfunk gibt es verschiedene Kontroll- und Regulierungsinstanzen. Eine davon wurde mit den Landesmedienanstalten schon vorgestellt. Des Weiteren gibt es beispielsweise noch die FSF, die fürs Privatfernsehen die Alterseignung von Sendungen und deren Sendeplätze prüft. Für den Pressebereich und Onlinezeitungen ist der Deutsche Presserat zuständig, der seit 1956 tätig ist. Seit 1972 trifft sich der Deutsche Werberat. All diesen Gremien ist gemein, dass sie als &#8220;zahnlose Tiger&#8221; gelten. Ihre Bestimmungen sind leicht zu umgehen: Der FSF kann man freiwillig Sendungen vorlegen, muss aber nicht, und der Presserat kann nur Rügen aussprechen oder eine Gegendarstellung fordern. Es handelt sich also mehr um passive Wächter, deren Funktion man dennoch nicht unterschätzen sollte.</p>
<p>Eine wichtigere Regulierung geht von der KEF aus, der &#8220;Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten&#8221;. Wie der Name besagt, prüft sie den Finanzbedarf der Rundfunkanstalten und schlägt dann den Landesparlamenten Rundfunkgebühren in bestimmter Höhe vor. Seit der erwähnten Umstellung der KEF 1994 aufgrund des Gebührenurteils des BVerfG findet dieses Verfahren in drei Stufen statt: Als erstes melden die öffentlich-rechtlichen Anstalten ihren Finanzbedarf bei der KEF an. Diesen prüft die KEF im zweiten Schritt. Danach legen die Landesparlamente aufgrund der Beurteilung der KEF die Gebühren fest, wobei ihnen selbst nur die Prüfung der Sozialverträglichkeit des KEF-Vorschlags erlaubt ist.</p>
<p>Bei der Ermittlung des Finanzbedarfs soll die KEF den Grundsatz der Programmneutralität überprüfen und von den Programmentscheidungen der Rundfunkanstalten ausgehen. Der von den Anstalten angegebene Bedarf darf nur dahingehend überprüft werden, ob die Programmentscheidungen im Rahmen des Rundfunkauftrags und im Einklang mit den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit getroffen wurden.</p>
<h3>6 &#8211; Prognosen für die zukünftige Entwicklung</h3>
<p>Nach mittlerweile 25 Jahren privaten Rundfunks würde man eigentlich erwarten, dass etwas Ruhe ins System eingekehrt ist. Trotz sich abschwächender Konflikte flammen aber von Zeit zu Zeit immer noch alte Lagerkämpfe auf, und auch neue Terrains und Schlachtfelder tun sich auf.</p>
<p>Die zunehmende Digitalisierung wird ihren Tribut fordern und ein zentraler Punkt werden, wo sich die Interessen reiben. Die Öffentlich-Rechtlichen werden unterstützt von interessierten Bürgern und Verfassungsrechtlern eine Rücknahme der restriktiven Internetbeschränkungen fordern. Im Zeitalter der Informationsgesellschaft sollte (und imho muss) diese Klage auch Aussicht auf Erfolg haben. Im Rahmen dieser Diskussion wird sich auch ein weiteres Thema auftun, nämlich die Rundfunkgebühren. Immer häufiger werden die Beschwerden, und die Privaten werden sicher gerne die Glut schüren, um Stiche gegen die mächtige Konkurrenz zu setzen. Dabei ist durchaus eine Umstellung auf eine haushaltsbasierende Gebühr oder ein steuergetriebenes Modell mit klaren Einflussbeschränkungen gegenüber dem Staat denkbar.</p>
<p>Die von publizistischer Erfahrung und Ökonomisierung forcierte Konvergenz zwischen Privaten und Öffentlich-Rechtlichen wird sich abschwächen. Wahrscheinlicher ist eine divergente Entwicklung in den nächsten Jahren, die der Rationalität des Rundfunksystems geschuldet ist. Die Öffentlich-Rechtlichen werden sich dabei wieder mehr auf publizistische Werte besinnen, während die Privaten sich im ewigen Kampf um Quote aufreiben. Den öffentlichen Sendern hilft dabei auch, dass die Politik sich mehr und mehr deren Wichtigkeit bewusst macht. Sie sind schließlich die einzige Möglichkeit, massenwirksam und möglichst unverzerrt Öffentlichkeit für ihre Belange herzustellen. Es steht also eine Renaissance der Öffentlich-Rechtlichen an, die sich auf Informations- und Politikvermittlung gründet.</p>
<p>Weiterhin werden die Öffentlich-Rechtlichen nach der richtigen Balance zwischen Marktlogik und Gemeinwohl suchen. Gerade auch im Hinblick auf die Legitimation der Rundfunkgebühren und dem Erhalt der Themen- und Meinungsvielfalt sind internationale Übereinkünfte notwendig. Eine wichtige Rolle wird dabei auch die EU spielen. Sie hat sich 1997 dadurch ins Abseits geschossen, dass sie Fernsehen bzw. Rundfunk als Dienstleistung definierte, obwohl er zurecht in den meisten Ländern als Kulturgut gilt. Gleichzeitig hatte sie zumindest geregelt, dass sog. &#8220;Major Events&#8221; nicht exklusiv im Pay-TV laufen dürfen. Trotzdem ist seitens der Kommission weiterhin das Bestreben zur Deregulierung des Rundfunkmarktes erkennbar. Sie gab und gibt der Industriepolitik den Vorzug vor der Medienpolitik und setzt die Wirtschafts- vor die Kulturgemeinschaft. Hier stehen die europäischen öffentlichen Sender vor großen Herausforderungen.</p>
<p>Eine weitere Front hat sich kürzlich dadurch aufgetan, dass Politiker ungeniert Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Sender zu nehmen versuchen. So ersetzte der Verwaltungsrat des ZDF unter Leitung von Roland Koch (CDU) den kritischen und bissigen Chefredakteur Brender mit dem ergebeneren und <a href="http://denkreiz.de/21/zdf-macht-front-gegen-links/">unausgewogenen Peter Frey</a>. <a href="http://www.stern.de/kultur/tv/die-medienkolumne-zur-br-intendantenwahl-angela-berlusconis-statthalter-in-muenchen-1563997.html">Noch schamloseres Treiben</a> geschieht derzeit beim Bayrischen Rundfunk, wo Angela Merkel versucht ihren Regierungssprecher als Intendanten zu installieren. Diese Berlusconisierung der deutschen Medienlandschaft, die sich auch im Duopol von Springer und Bertelsmann auf dem Privatmarkt manifestiert, muss abgewendet werden. Denn sonst sind die drei ehernen Gebote von Hugh Carleton Greene, weder Parteien, noch Regierung, noch kommerzielle Interessen sollten je die Regie im Rundfunk übernehmen, den Geiern zum Fraß ausgeliefert &#8211; und mit ihnen letztendlich auch die Demokratie.</p>
<p>Obwohl hauptsächlich Rentner und Arbeitslose den Fernseher noch als Leitmedium betrachten und der Mainstream sich langsam aufs Internet zubewegt, bleibt der Rundfunk von zentraler Wichtigkeit. Deswegen wird mit Spannung zu verfolgen sein, wie sich das Rundfunksystem weiter entwickelt.</p>
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		<title>Gewalt in den Medien</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 15:39:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>FB</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Aus &#8220;beruflichen&#8221; Gründen beschäftige ich mich derzeit mit verschiedenen Themen der Kommunikationswissenschaft. Um mir das ganze leichter zu merken (und natürlich um meinem humanistischen Bildungsideal zu entsprechen   ), möchte ich auch hier über diese Themen berichten. Heute als erstes: Gewalt in den Medien.</p>
<p>Inhalt:
1 &#8211; Probleme der Gewaltwirkungsforschung
2 &#8211; Rechtlicher Rahmen medialer Gewalt
3 &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Aus &#8220;beruflichen&#8221; Gründen beschäftige ich mich derzeit mit verschiedenen Themen der Kommunikationswissenschaft. Um mir das ganze leichter zu merken (und natürlich um meinem humanistischen Bildungsideal zu entsprechen <img src='http://denkreiz.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  ), möchte ich auch hier über diese Themen berichten. Heute als erstes: Gewalt in den Medien.</strong></p>
<p><strong>Inhalt:</strong><br />
<strong>1 &#8211; Probleme der Gewaltwirkungsforschung<br />
2 &#8211; Rechtlicher Rahmen medialer Gewalt</strong><strong><br />
3 &#8211; Stimulierende Darstellung und intrapersonelle Prozesse</strong><br />
<strong>4 &#8211; Psychosoziale und soziodemographische Dispositionen</strong><strong><br />
5 &#8211; Thesen und Theorien zur Wirkung medialer Gewalt<br />
</strong><strong>6 &#8211; (Weitere) Forschungsergebnisse</strong></p>
<p><span id="more-206"></span></p>
<h3>1 &#8211; Probleme der Gewaltwirkungsforschung</h3>
<p>Die Gewaltwirkungsforschung ist einer der fundiertesten Bereiche der Wissenschaft, was die Anzahl an Studien betrifft: Mittlerweile sind es über 5.000 Studien nur zur Wirkung medialer Gewalt. Trotz dieser Fülle ist man von einem klaren Konsens weit entfernt. Ein klarer Zusammenhang von Ursache und Wirkung scheint nicht bestimmbar zu sein. Allerdings gibt es durchaus tragfähige Ergebnisse, wie später noch zu sehen sein wird.</p>
<p>Die Wirkungsforschung krankt an mehreren Stellen: Es ist schwer zu bestimmen, was &#8220;Gewalt&#8221; ist. Vom einen Rezipienten (z.B. Fernsehzuschauer) wird vieles nicht als Gewalt wahrgenommen, was andere als Gewalt erleben. Andererseits nimmt er/sie möglicherweise Gewalt wahr, wo andere keine sehen. Ein Grund hierfür ist, dass manche Formen von Gewalt kulturell akzeptiert bzw. &#8220;normal&#8221; sind (z.B. Tiertransporte). Oft beschreiben deswegen Messergebnisse nicht, was die Gewaltdefinition vorgibt. Unterschiede in der Wahrnehmung der Gewaltintensität hängen auch mit Alter und Geschlecht der Probanden zusammen. Außerdem wurden oft nur evidente Formen von Gewalt untersucht, vor allem physische Gewalt gegen Personen. Psychische Gewalt oder strukturelle Gewalt werden in den meisten Studien nicht erfasst. Dass mediale Darstellung die Gewaltwahrnehmung verzerrt (also schwächt oder verstärkt), wird auch zu wenig beachtet &#8211; dazu später mehr. Und zu guter Letzt wurde von der Forschung selten zur Kenntnis genommen, dass man zwar kognitiv starke Gewalt wahrnehmen kann, dies jedoch affektiv nicht als schlimm bewertet. So kann ein TV-Mord unter der Prämisse &#8220;Ist ja nicht real&#8221; von einer betrachtenden Person als nicht so violent und relevant reflektiert werden.</p>
<p>Ein möglicher Ansatz zur Wirkungsforschung ist das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reiz-Reaktions-Modell">Stimulus-Response-Modell</a>. Es scheitert allerdings daran, dass es unmöglich ist festzulegen, was rezeptionsrelevante mediale Gewalt ist, also was überhaupt erst als Gewalt wahrgenommen wird. Es existiert also kein eindeutig identifizierbarer Reiz &#8211; ergo ist eine Antwort auch nicht zu bestimmen. Ein weiterer Ansatz ist der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/These_von_der_selektiven_Zuwendung">Uses-and-Gratifications-Approach</a>, der besagt, dass jeder frei nach seinen Bedürfnissen und Interessen im Sinne einer Nutzenmaximierung entsprechende Angebote wählt. Allerdings kann diese These einer aktiven Selektion die Medienwirkungen gegen den Willen des Rezipienten nicht erklären. Die Lösung des Problems sieht einer der zentralen Forscher des Gebiets, Werner Früh, im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dynamisch-transaktionaler_Ansatz">dynamisch-transaktionalen Modell</a>, das eine Vereinigung der obigen Ansätze versucht. Nach diesem Modell beeinflussen sich Rezipient und Medien gegenseitig. Der Rezipient wählt gemäß seinen Bedürfnissen und Interessen, wird aber gleichzeitig in seiner Auswahl durch das mediale Angebot beschränkt. Seine Bedürfnisse und Interessen werden außerdem vom medialen Angebot beeinflusst. Das Angebot wiederum passt sich den Wünschen der Rezipienten an (z.B. über Einschaltquoten bestimmt). Da es keinen universell eindeutigen Stimulus gibt, muss er individuell identifiziert werden. Es muss also bestimmt werden, was der Rezipient als Gewalt wahrnimmt, bevor man zu sinnvollen Forschungsergebnissen gelangen kann.</p>
<h3>2 &#8211; Rechtlicher Rahmen medialer Gewalt</h3>
<p>Rechtlich ist mediale Gewalt in Deutschland in ein System von Kontrolle und Selbstkontrolle eingehegt. Juristisch wird dabei auf zwei Paragraphen zurückgegriffen:<a href="http://dejure.org/gesetze/StGB/131.html"> §131 StGB</a> (Gewaltdarstellung) und <a href="http://dejure.org/gesetze/StGB/184a.html">§184a StGB</a> (Gewalt in Pornographie). Meinungen zu den beiden Paragraphen und deren Umsetzung gehen von &#8220;Überregulierung&#8221; bis zu &#8220;Wirkungslosigkeit&#8221;. Meines Erachtens ist das geschriebene Recht an dieser Stelle harsch und könnte als Zensurwerkzeug gebraucht werden, wäre es nicht vom Gebot der Meinungsfreiheit eingeschränkt. Die rechtliche Praxis ist, von einigen Ausnahmen abgesehen, durchaus akzeptabel.</p>
<p>Weitere rechtliche Einschränkungen bzgl. medialer Gewalt finden sich vor allem im Bereich Jugendschutz. Das &#8220;Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften&#8221; von 1953 wurde 2003 vom Jugendschutzgesetz (<em>JuSchG</em>) abgelöst, in das auch das &#8220;Gesetz zum Schutz der Jugend in der Öffentlichkeit&#8221; (<em>JÖSchG</em>) integriert wurde. Im Rahmen dieser Umstellung wurde auch die &#8220;Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften&#8221; in &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bundespr%C3%BCfstelle_f%C3%BCr_jugendgef%C3%A4hrdende_Medien">Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien</a>&#8221; umbenannt. Sie prüft entsprechende Medien auf Antrag einer Jugendschutzbehörde oder auf Anregung eines anerkannten Trägers der freien Jugendhilfe. Sie entscheidet außerdem über die Aufnahme des Werks in die Liste der jugendgefährdenden Medien (&#8221;Index&#8221;). Eine Aufnahme bedeutet, dass der Zugang zum Medium durch Werbe- und Vertriebsverbote erschwert wird. Es sind also auch Erwachsene von dieser Auswirkung des Jugendschutzes betroffen, was rechtlich durchaus bedenklich ist.</p>
<p>Da eine gewisse Staatsferne verfassungsrechtlich gewünscht und geboten ist, haben sich zahlreiche Gremien der<em> Selbstkontrolle</em> etabliert. Die FSK übernimmt im Rahmen des JuSchG die Beurteilung der Altersfreigabe für Filme, die rechtlich bindend ist. Die Prüfung findet präventiv statt und ist die Grundlage für die zeitliche Platzierung des Films im Fernsehprogramm. Die zeitliche Platzierung wird neben anderen Auflagen seit 2003 vom Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) bestimmt. Während die Öffentlich-Rechtlichen den Jugendschutz in Selbstkontrolle umsetzen, haben sich die Privaten Anbieter in der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) zusammengetan, die gesondert über den Sendeplatz entscheidet. Jugendschutzrechtliche Ansprüche an die Privaten Anbieter können auch die mit ihrer Aufsicht betrauten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Landesmedienanstalt">Landesmedienanstalten</a> durchsetzen.</p>
<h3>3 &#8211; Stimulierende Darstellung und intrapersonelle Prozesse</h3>
<p>Selbst wenn mediale Gewalt keine inhärenten Auswirkungen hätte, so ist doch die übliche Form der Darstellung zu kritisieren. Gewalt wird meist in einem realistischen Setting gezeigt und ereignet sich für gewöhnlich wiederholt. Die Folgen der Gewaltausübung, z.B. die Schmerzen der Opfer oder die Gewissensbisse der Täter, werden selten dargestellt. Meist findet die Gewalthandlung in einem unkritisierten Kontext statt. Die Täter sind häufig attraktiv und ihr Handeln in gewisser Weise sympathisch. Gewalt wird selten sanktioniert; eine Bestrafung der Täter erfolgt üblicherweise nicht.</p>
<p>Intrapersonelle Prozesse werden im Alltag meist wegdiskutiert. Interessant ist hierbei der<em> Third-Person-Effekt</em>: Man hält die mediale Gewalt bei anderen Rezipienten für schädlich, nimmt sich selbst aber von der Wirkung aus. Er erklärt auch, warum bei allgemeinen Umfragen die TV-Gewalt selten als schlimmes gesellschaftliches Problem genannt wird, aber bei genauem Nachfragen quer durch alle Schichten ein schlechter Einfluss der medialen Gewalt auf den Menschen vermutet wird.</p>
<p>Die derzeit favorisierte These zu intrapersonellen Prozessen aufgrund medialer Gewalt liefert die<em> Lerntheorie</em>. Sie nimmt einen reziproken Determinismus an, d.h. eine Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt, ähnlich wie der oben genannte dynamisch-transaktionale Ansatz. Die Lerntheorie unterteilt die Wechselwirkung in drei Prozesse. Zum einen finden <em>Aufmerksamkeitsprozesse</em> statt, bei denen sowohl der rezipierte Inhalt als auch die Attribute des Rezipienten eine Rolle spielen. Dadurch werden, zum zweiten,<em> Behaltensprozesse</em> angeregt, die auch von den Attributen des Rezipienten beeinflusst werden und sich in Kodierung (&#8221;Abspeichern&#8221;), Organisation und Nachbildung/Imitation gliedern lassen. Zum dritten kommt es zu <em>Reproduktionsprozessen</em>, wo das Erlebte und Gemerkte seine Anwendung findet. Hierbei sind sowohl die Erinnerung als auch Regulatoren (z.B. Gesetze oder Moral) und die Motivation entscheidend.</p>
<p><em>Kognitive Skripts</em> sind eine andere mögliche Erklärung der intrapersonellen Prozesse. Zum einen bestehen diese Skripts aus Vignetten, in denen eine Gewaltrepräsentation abgespeichert wird. Vignetten bestehen aus einzelnen Images. Umgangssprachlich könnte man Images als Filmbilder oder  Kleinstabschnitte beschreiben und Vignetten als Filmsequenzen, die mit einer bestimmten Handlung in Zusammenhang stehen. Zum anderen besteht ein Skript auch aus einer Rationalisierung des dargestellten Verhaltens. Den Vignetten wird also ein bestimmter Sinn gegeben. Sobald man eine ähnliche Situation erlebt, wie sie schon in einem Skript vorhanden ist, wird dieses Skript aktualisiert. Dadurch wird es gefestigt und die Chance, dass es abgerufen wird, erhöht sich.</p>
<p>Ein weiterer möglicher Prozess hängt mit dem<em> <a href="http://www.psychology48.com/deu/d/priming-effekt/priming-effekt.htm">Priming-Effekt</a></em> zusammen. Demnach lösen aggressive Gedanken, die bei der Gewaltwahrnehmung entstehen, semantisch ähnliche Assoziationen aus. Es ist also laut dieser Ansicht zu befürchten, dass gewalthaltige Medieninhalte beim Rezipienten zu aggressiven Gedanken führen, die wiederum eine erhöhte Chance nach sich ziehen, dass der Rezipient selbst violent wird.</p>
<p>Nicht nur aggressive Gedanken, sondern ganz allgemein<em> Erregungszustände</em> werden von anderen Forschern als intrapersonelle Folgeprozesse angeführt. Erregung erhöht die Wahrscheinlichkeit von Handlungen, in welcher Richtung auch immer. Sie führt außerdem zu Stress, der sich nur mit physischen Aktivitäten abbauen lässt. Es kommt zu einem <em>Excitation Transfer</em>, also zu einer Übertragung der Erregung, wenn entsprechende Handlungen unternommen werden, die den Stress abzubauen suchen. Ziel des Excitation Transfer ist das Erreichen eines optimalen Erregungszustandes.</p>
<p>Bei fortdauerndem Konsum gewalthaltiger Medieninhalte soll es zur <em>Habitualisierung und Desensibilisierung</em> kommen. Das ziehe wiederum notwendigerweise eine Erhöhung der zur Erregung nötigen &#8220;Dosis&#8221; nach sich.</p>
<p>Schließlich werden aggressive Dispositionen durch mediale Gewalt zwar nicht unbedingt verstärkt, aber in eine destruktive Richtung gelenkt. Welche Dispositionen existieren, möchte ich nun näher erläutern.</p>
<h3>4 &#8211; Psychosoziale und soziodemographische Dispositionen</h3>
<p>Einige Bevölkerungsgruppen fühlen sich von medialer Gewalt stärker angezogen, andere hingegen gar nicht. Es gibt einige Forschungsbefunde, die generelle Aussagen erlauben, welche Gruppen mediale Gewalt attraktiv finden und warum sie das tun.</p>
<p>So zeigen Jungen generell eine höhere Disposition zu medialer Gewalt als Mädchen. Für viele Jungs gehört das Ansehen von Action- oder Horrorfilmen zu einer Art <em>Mannbarkeitsritus</em>: man will zeigen, dass man die harten Bilder aushält. Derartige Filme (oder auch Videospiele) dienen auch manchmal als Mutprobe. Außerdem wirken die entsprechenden Medien gerade deswegen anziehend, weil sie entweder verboten sind oder durch ihren hohen Gewaltgehalt einen derartigen Eindruck erwecken oder annehmen lassen (<em>Reiz des Verbotenen</em>). &#8220;Rebellion&#8221; und von den Eltern losgelöste Selbsterfahrung spielen also auch eine Rolle. Schließlich identifizieren sich die Jungen mit dem Actionhelden, während Mädchen eher dazu neigen, sich mit Opferrollen zu identifizieren.</p>
<p>Es ist außerdem zu beobachten, dass sich eine aggressive Einstellung und entsprechendes Verhalten in einer Präferenz für mediale Gewalt niederschlagen. Dabei kommt es zu einem Aufschaukelungsprozess, wie später noch auszuführen sein wird.</p>
<p>Am ehesten werden durch Gewaltdarstellungen Menschen angesprochen, die sozial isoliert und emotional unsicher sind. Die Suche nach sozialer Identität und der Integration in eine Gruppe sind weitere Triebfedern. Eine andere mögliche Erklärung ist der Wunsch, der tristen Wirklichkeit zu entfliehen (Eskapismus). Rezipienten im Bereich dieser Disposition weisen außerdem einen überdurchschnittlichen Gerechtigkeitssinn auf, den sie in gewalthaltigen Medien befriedigt sehen wollen. Sie sind darüberhinaus fähig, sich emotional gegenüber dargestellter Gewalt zu distanzieren.</p>
<p>Empathie korreliert negativ mit einer möglichen Disposition für Gewaltinhalte. Ich halte das einerseits für einen sehr beruhigenden Befund, denn dann hätten besorgte Eltern mit einer Erziehung zur Empathie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Andererseits ist anzunehmen, dass Gewaltwahrnehmung Empathie verdrängen kann und eine positive Wirkung nicht einsetzen kann. Deswegen ist es aus dieser Sicht auch richtig, Kindern und Jugendlichen nur selektiven Zugang zu gewalthaltigen Medien zu gewähren, da sich Empathie erst im Lauf der Zeit entwickelt.</p>
<p>Reizaffine Menschen sind für mediale Gewalt dispositioniert. Ihre Reiz-Suche (<em>sensation-seeking</em>) führt sie zum Streben nach Erregung, z.B. durch Action-, Horror- oder Erotikfilme. Diese Medien erlauben ihnen einen Excitation Transfer, also eine Übertragung ihrer Erregung in einen anderen Gemütszustand, was zu positiven Empfindungen am Ende der Rezeption führt. Dieser Vorgang dürfte den meisten Menschen in Ansätzen bekannt vorkommen, nämlich indem die Spannung, die sich über einen Film hinweg aufbaut, sich mit der Schlusswendung und nach Betrachtung des Films in einem wohligen Gefühl entlädt. Im Sinne der Disposition ist dieses Spannungsgefühl schon vor der Rezeption vorhanden, z.B. banal als Neugier.</p>
<p>Eine andere mögliche Disposition ist die Lust am &#8220;Illusionsspiel&#8221;. Während der Betrachtung eines Films entsteht eine lustvolle Angst, die sich daraus speist, dass das Geschehen zwar erschreckend ist, aber eben nur virtuell stattfindet. Man fiebert mit, es entsteht eine angenehme Spannung, die man genießen kann. Es bleibt dabei fortwährend bewusst, dass es sich nur um ein Schauspiel handelt und nicht die Realität.</p>
<p>Anders ist dies bei den Dispositionen Orientierungs- und Informationsinteresse. Hier stellt sich der Rezipient die Frage, welche Gefahren ihm in der realen Welt drohen und ob in seinem Umfeld alles in Ordnung ist. Regelmäßig wird er diese Frage damit beantworten können, dass in seinem Viertel noch alles im Lot ist, was ihm ein angenehmes Gefühl verschafft. Eine andere mögliche Wirkung ist die Kultivierung von Weltbildern, die später noch erläutert wird.</p>
<p>Schließlich suchen manche Menschen nach medialer Gewalt, um verschiedene Ängste zu bewältigen (möglicherweise die erwachsene Form einer Mutprobe?). Außerdem soll sie der Überwindung der emotionalen Kluft (<em>emotional gap</em>) dienen. Dieser These zufolge werden die psychisch Stabilen durch neue Erfahrungen in ihrer Persönlichkeit gefestigt und besser informiert, die psychisch Instabilen hingegen immer ängstlicher bis hin zur Verweigerung der Aufnahme von konfliktbesetzter Information. Mittels Medien- bzw. Gewaltkonsum soll diese Verweigerung und ängstliche Abwehrhaltung durchbrochen werden. Ich halte das für abenteuerlich, aber es scheint tatsächlich einige Befunde zu geben, die diese Möglichkeit in Betracht ziehen.</p>
<p>Inhaltlich wird eine Gewaltdarstellung dann attraktiver, wenn Übertreibungen oder Verzerrungen vorhanden sind oder der Hinweis auf Fiktionalität durch Musik erfolgt. Mediale Gewalt ist besonders anziehend, wenn sie ein hohes Fantasie- und Imaginationspotenzial besitzt. Die Handlung hingegen sollte möglichst vorhersagbar sein und am Ende eine &#8220;gerechte&#8221; Konfliktlösung präsentieren. Violente Darstellungen sind außerdem dann attraktiv, wenn sie in einem sicheren familiären Umfeld geschehen oder in einem explizit bedrohlichen Umfeld.</p>
<p>Nun möchte ich nach all dem Vorgeplänkel zu den vielen Thesen zur Wirkung medialer Gewalt kommen, die im Laufe der Forschung entstanden sind.</p>
<h3>5 &#8211; Thesen und Theorien zur Wirkung medialer Gewalt</h3>
<p>Schon die alten Griechen diskutierten über die Wirkung des Theaters auf die Zuschauer. Aristoteles vermutete, dass eine Tragödie auf den Zuschauer reinigend wirkt, indem das Schauspiel seine Alltagssorgen stellvertretend verarbeitet und dadurch von ihm nimmt. Diese Reinigung wird als &#8220;Katharsis&#8221; bezeichnet. Sie bietet die Grundlage der <em>Karthasisthese</em>, nach der sich das Bedürfnis aggressiv zu handeln, durch Gewaltwahrnehmung entlädt. Die Betrachtung medialer Gewalt sei also funktional äquivalent zur echten Gewalthandlung; ein tatsächliches Ausagieren werde dadurch unnötig. Die Katharsisthese, die bis Anfang der 80er vertreten wurde, gilt mittlerweile als widerlegt.</p>
<p>Die <em>Inhibitionsthese</em> geht auch von einer hemmenden Wirkung medialer Gewalt aus. Laut dieser These entsteht durch die Betrachtung eine Aggressionshemmung, die sich aus Angst (z.B. vor Rache) bzw. Schuldgefühlen (entstanden durch die Wahrnehmung der Gewaltfolgen) speist.  Zu dieser These existieren bestenfalls widersprüchliche Ergebnisse.</p>
<p>Die <em>Theorie der kognitiven Unterstützung</em>, eine Variante der Katharsisthese, sieht in medialer Gewalt eine kognitive Hilfe. Da Fantasietätigkeit als adaptiver Mechanismus zur Kontrolle von Impulsen diene, helfe die Wahrnehmung von Gewalt kognitiv begrenzt befähigten Menschen. Die Wahrnehmung rege die Fantasie an und ermögliche dadurch die Kontrolle aggressiver Impulse (dadurch, dass sie nur gedanklich ausgelebt werden).</p>
<p>Einen klar verstärkenden Wirkungszusammenhang postuliert die <em>Stimulationsthese</em>. Weil auf Frustration zwingend Aggression folge, sei besonders bei dafür geeigneten Auslösern wie medialer Gewaltdarstellung Vorsicht angebracht. In den 60er Jahren wurde dies von einem Team um Berkowitz experimentell nachgewiesen. Die wissenschaftliche Akzeptanz ist allerdings eher gering.</p>
<p>Die ähnliche<em> Suggestionsthese</em> behauptet, durch Mediengewalt käme es zu Nachahmungstaten, die durch einen Priming-Effekt ausgelöst werden. Durch die Wahrnehmung von Gewalt würden also spezifische Handlungstendenzen, Gedanken und Erinnerungen geweckt, die wiederum zu einer Gewalthandlung führen. Die These ist auch bekannt als &#8220;Werther-Effekt&#8221;, benannt nach Goethes Werk über einen verzweifelten Selbstmord, dessen Veröffentlichung zahlreiche Selbstmorde nach sich zog. Sie hat sich auch durch ähnliche Vorfälle nach einer Tatort-Folge bestätigt.</p>
<p>Schon weiter oben habe ich vom<em> Excitation Transfer</em> berichtet. Die entsprechende <em>Erregungsthese</em> besagt, dass die Wahrnehmung medialer Gewalt zu einem Erregungszustand führt, der als residuale Aktiviertheit in nachfolgenden Situationen zu intensiverem Verhalten führen kann. Das intensivierte Verhalten ist dabei nicht notwendigerweise violent; es kann auch absolut prosozial sein. Ein klarer Wirkungszusammenhang im Sinne einer einseitigen Verstärkung bestehe also nicht.</p>
<p>Die <em>Kultivierungsthese</em> wurde vorhin auch schon kurz erwähnt. Sie sieht das Fernsehen als bedeutendsten Enkulturationsfaktor der modernen Gesellschaft, die in beträchtlichem Maße vom Fernsehen sozialisiert werde. Das Fernsehen erziehe Menschen zu ängstlichen Selbstbildern und kultiviere bedrohliche Weltbilder (&#8221;scary world&#8221;). Gerade Vielseher seien stärker davon betroffen und würden die Fernsehwelt mehr und mehr als real wahrnehmen. Die viele mediale Gewalt bewirke dann die Vorstellung, auch in der realen Welt gäbe es ein vergleichbares Maß an Gewalt. Deswegen werde sie schließlich als bedrohlicher wahrgenommen, als sie eigentlich ist.</p>
<p>Die <em>Rationalisierungsthese</em> basiert auf dem sehr menschlichen Verhalten, für eigene Handlungen eine externe Entschuldigung zu finden. Aggressionen und Verbrechen werden zunehmend mit medialer Gewalt gerechtfertigt. Die Verantwortung für das eigene Handeln wird auf das &#8220;böse&#8221; Fernsehen oder Videospiele abgeschoben.</p>
<p>Die von der neueren Forschung favorisierte These ist die sozial-kognitive <em>Lerntheorie </em>(v.a. von Bandura und Ross), von der weiter oben auch schon kurz die Rede war. Generell diene jede Beobachtung (also auch Gewaltwahrnehmung) dem Erlernen von Handlungsmustern. Diese bleiben zwar meist latent, also unter der Oberfläche, können aber unter bestimmten Bedingungen (ähnlicher Reiz, Erinnerung, keine Regulatoren, vorhandene Motivation) manifest werden.</p>
<p>Die<em> Habitualisierungsthese</em> geht nicht von einer direkten Wirkung, sondern ähnlich wie die Lerntheorie von einem kumulativen und langfristigen Effekt aus. Durch den dauernden Konsum medialer Gewalt werde der Rezipient desensibilisiert, auch gegenüber realer Gewalt. Dies geschehe durch Adaption und durch die schleichende Veränderung von Einstellungen und Normen.</p>
<p>Eine komplett andere Meinung wird durch die <em>These der Wirkungslosigkeit</em> vertreten: Mediale Gewalt sorge allenfalls für kurzfristige Erregung; ein langfristiger Effekt sei hingegen nicht nachzuweisen. Diese These ist angesichts der Widersprüchlichkeit der Forschungsergebnisse nicht leicht von der Hand zu weisen. Allerdings gibt es dafür auch andere Gründe, die ich nun ausführen möchte.</p>
<h3>6 &#8211; (Weitere) Forschungsergebnisse</h3>
<p>Die Forschungsergebnisse führen ob ihrer Widersprüchlichkeit nicht nur zu vielen verschiedenen Thesen, wie gerade zu sehen war, sondern auch zu zynischen Äußerungen der Wirkungsskeptiker. Sie halten mediale Gewalt für weitgehend wirkungslos. Damit haben sie generell recht, allerdings wäre eine Generalisierung fatal. Die leicht positiven Ergebnisse (hinsichtlich einer Wirkung medialer Gewalt zu Gewalthandlungen) lassen sich konsistent mit der Erklärung deuten, dass für viele Menschen kein Wirkungszusammenhang besteht, für manche allerdings ein sehr starker.</p>
<p>Die entscheidende Größe in dieser Rechnung ist die Reflexivität des Betrachters. Wenn er zur Reflexion des Gesehenen fähig ist, besteht wenig Gefahr einer schädlichen Wirkung.</p>
<p>Während Empathie Gewaltkonsum unattraktiv macht, verhält es sich mit niedriger Bildung und Arbeitslosigkeit andersherum: Sie prädestiniert geradezu zum unkritischen Konsum medialer Gewalt. Das selbe gilt für Gewaltdelinquenz, also das tatsächliche Ausüben von Gewalt. Auch sie führt zu höherem Gewaltkonsum. Dabei kommt es zu einem Aufschaukelungsprozess. Der durch die Prädestination erhöhte Gewaltkonsum erhöht wiederum die Disposition für virtuelle und reale Gewalt, was wiederum den Gewaltkonsum erhöht. Es entsteht ein Teufelskreis. Auch zu dieser vielbeobachteten Wirkung gibt es eine Gegenposition, die anführt, dass gerade bildungsferne Schichten, Arbeitslose und andere sozial prädestinierte Gruppen weniger Zeit vorm Fernseher verbringen und sich in der Realität ausleben. Viel Zeit vor Glotze, Konsole und PC verbringen dagegen höhere Schichten, die sich die Geräte leisten können. Trotz ihres weit höheren Gewaltkonsums werden sie weit weniger straffällig.</p>
<p>Einig sind sich alle Wissenschaftler darin, dass mediale Gewalt nur ein Aspekt von vielen ist. Viel wichtiger sind andere Faktoren: der familiäre Hintergrund, das soziale Umfeld und die Leistungen in der Schule. Wenn dort alles stimmt, ist die Chance auf eine Gewalthandlung verschwindend gering. Dies sollte auch den Widerspruch der vorher genannten Beobachtung erklären und außerdem anmahnen, worauf es wirklich ankommt.</p>
<p>Man kann wohl sagen: Rambo oder GTA machen aus keinem Menschen einen Gewalttäter &#8211; außer dem Menschen war die Selbstbestätigung versagt, sein Umfeld schädlich oder seine Familie kaputt. Hier ist jeder einzelne in der Gesellschaft gefordert, ganz gleich ob mediale Gewalt nun Ausdruck oder Ursache der Verhältnisse ist.</p>
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		<title>Polizeigewalt am 1. Mai &#8211; Täter gefasst</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 13:08:17 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Polizist, der einem Demonstranten aus vollem Lauf gegen den Kopf trat, ist gefasst. Ein kleines Wunder, dass ein Mitglied der Berliner Schlägertruppen mal identifiziert wird. Und wohl auch nur möglich, weil der Polizist sich stellte. Auch das Opfer hat sich inzwischen gemeldet. Mal sehen, ob dem Herrn Polizeiobermeister jetzt der Prozess gemacht wird oder ob der Gewaltexzess -  wie für Polizisten üblich &#8211; keine Folgen für ihn haben wird.</p>
<p>Hier das Video:</p>
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<p>Wenn wir uns an andere Fälle erinnern, wo ein solcher Tritt als Mordversuch gewertet wurde, dürfen wir gespannt sein, wie hier Recht gesprochen wird. Bisher wird nur wegen Körperverletzung im Amt ermittelt.</p>
<p>Der Vorsitzende der GdP versucht auch klassisch abzulenken, indem er die Sitzblockade von Thierse zum zentralen Thema der Manöverkritik macht. Auch hier werden die rechtlichen Folgen noch interessant sein &#8211; auch als Vergleich zu obigem Vergehen. Medial scheinen die Fronten schon klar zu sein &#8211; was ist schon das polizeiliche Treten gegen den Kopf eines liegenden Demonstranten gegen die friedliche Sitzblockade eines Bundestagspräsidenten? 100 zu 600 Artikel, das spricht eine deutliche Sprache.</p>
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